Schätzungen zufolge müssen etwa 500 Millionen Menstruierende auf Hygieneprodukte oder saubere Toiletten verzichten. Plan International fordert deshalb, dass alle menstruierenden Personen ihr Grundrecht auf Hygiene wahrnehmen können. © Plan International
Schätzungen zufolge müssen etwa 500 Millionen Menstruierende auf Hygieneprodukte oder saubere Toiletten verzichten. Plan International fordert deshalb, dass alle menstruierenden Personen ihr Grundrecht auf Hygiene wahrnehmen können. © Plan International
26.05.2021 - von Claudia Ulferts

Tag der Menstruation: Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Hygieneartikel und saubere Toiletten

Schätzungen zufolge müssen etwa 500 Millionen Menstruierende auf Hygieneprodukte oder saubere Toiletten verzichten. Plan International fordert deshalb zum internationalen Tag der Menstruationshygiene am 28. Mai, dass alle menstruierenden Personen ihr Grundrecht auf Hygiene wahrnehmen können.

Millionen Menstruierende können sich keine Binden oder Tampons leisten. Ebenso fehlt es in vielen Teilen der Welt an geeigneten Sanitäranlagen. Mehr als jede dritte Schule weltweit (37 Prozent) hat laut UN-Zahlen keine sauberen, nach Geschlechtern getrennten Toiletten. Mädchen verpassen deshalb bis zu 24 Tage im Jahr den Schulunterricht. Schätzungen zufolge müssen etwa 500 Millionen Menstruierende auf Hygieneprodukte oder saubere Toiletten verzichten. Plan International fordert deshalb, dass alle Mädchen, Frauen und menstruierende Personen ihr Grundrecht auf Hygiene wahrnehmen können.

Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland: „Mädchen und Frauen müssen sich Menstruationsartikel leisten können und Zugang zu geeigneten sanitären Anlagen haben. Doch die Preise zum Beispiel für Binden sind oft unbezahlbar. In Guatemala kosten zwölf Stück zwei US-Dollar. Für die gleiche Summe kann sich eine Familie 1,5 Kilo Reis oder Bohnen kaufen und die Ernährung für fünf Tage sichern. Solche Preise führen in den ärmsten Ländern dazu, dass sich Mädchen mit Notlösungen wie Blättern, Zeitungen oder alten Stofflappen behelfen müssen. Die Corona-Krise hat die Periodenarmut zudem noch weiter verschärft. Binden sind für viele Familien Luxusartikel, die sie sich nicht leisten können, weil das Geld für andere überlebensnotwendige Güter gebraucht wird.“

Menstruierende erleben überdies weltweit Stigmatisierung und Scham: Eine Befragung von Plan International in Indonesien ergab, dass 39 Prozent der Schulmädchen aufgrund ihrer Periode schon einmal von ihren Klassenkameraden beschimpft wurden. In Malawi verpassen 70 Prozent der Mädchen jeden Monat bis zu drei Tage Unterricht, weil es an den Schulen keine Waschmöglichkeiten gibt oder sie sich keine Hygieneartikel leisten können. In Kenia nahm sich 2019 eine 14-jährige Schülerin das Leben, weil sie von ihrem Lehrer wegen eines Blutfleckes in der Kleidung vor der gesamten Klasse verhöhnt worden war. „Menstruierende müssen die Chance haben, ihre Periode in Würde bewältigen zu können und dürfen deswegen weder diskriminiert noch beschämt werden. Daran arbeiten wir in vielen unserer Projekte, damit Nachteile für Mädchen und Frauen aufgrund ihrer Periode langfristig abgebaut werden“, so Kathrin Hartkopf weiter.

Der 28. Mai ist der „Internationale Tag der Menstruationshygiene“. Er soll aufrütteln und das Schweigen rund um das Thema brechen. Plan International unterstützt Frauen und Mädchen weltweit dabei, dass sie während ihrer Periode Zugang zu Hygieneartikeln, sauberem Wasser und geeigneten Waschmöglichkeiten in Schulen oder öffentlichen Orten erhalten. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern hat Plan Projekte initiiert, bei denen Mädchen zum Beispiel in Uganda selbst wiederverwertbare Binden herstellen. In Gesundheitsschulungen lernen Mädchen und auch Jungen, wie der weibliche Zyklus funktioniert und wie sie sich vor Infektionen schützen können. Zudem verteilt Plan in Krisensituationen und nach Katastrophen Menstruationssets, die Binden, Seife oder andere Hygieneartikel enthalten.

In unseren Weltgeschichten finden Sie ein ausführliches Interview zu diesem Thema mit Alissa Ferry, unserer Expertin für sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit.


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