152 Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt sind von Kinderarbeit betroffen - so wie der 12-Jährige Prabhat aus Indien, der auf einer Müllhalde nach Abfall sucht, den er verkaufen kann. Foto: Plan International
152 Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt sind von Kinderarbeit betroffen - so wie der 12-Jährige Prabhat aus Indien, der auf einer Müllhalde nach Abfall sucht, den er verkaufen kann. Foto: Plan International
19.01.2018

Grüne Woche: Aktiv gegen Kinderarbeit

Auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) dreht sich alles um Ernährung und Landwirtschaft. Die Messe, die vom 19. bis 28. Januar 2018 in Berlin stattfindet, zählt mit 420.000 Besuchern und 1.600 Ausstellern aus 67 Ländern zu den größten ihrer Art. Plan International ist mit einem Stand dabei - und lenkt den Blick dabei auf das Thema Kinderarbeit.

Prabhat ist 12 Jahre alt und lebt in einem Dorf in Zentralindien. Statt wie andere Kinder in seinem Alter zur Schule zu gehen und zu lernen, macht er sich jeden Tag auf den Weg zu einer großen Mülldeponie. Er klettert über den Zaun und sucht in den Abfallbergen nach Dingen, die er später verkaufen kann. Sein Vater ist arbeitslos und alkoholabhängig, seine Mutter leidet an Tuberkulose. Für Prabhat ist die Arbeit auf der Müllhalde deshalb die einzige Chance, zumindest eine Mahlzeit am Tag zu bekommen.

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO sind etwa 152 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren weltweit von Kinderarbeit betroffen. Davon sind 114 Millionen zwischen 5 und 14 Jahre alt. Sie leisten schwere und gefährliche Arbeit, weil sie zum Familienunterhalt beitragen müssen. Sie können nicht zur Schule gehen, viele von ihnen werden ausgebeutet und misshandelt. Grundlegende Rechte auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung werden ihnen verwehrt. Die körperlich schwere Arbeit und die psychische Belastung haben oft chronische Krankheiten für die Kinder zur Folge. So können sie später keiner bezahlten Tätigkeit mehr nachgehen - der Kreislauf der Armut schließt sich.

Einer der wichtigsten Faktoren, um Kinderarbeit zu verhindern, ist Bildung. Plan International macht deshalb auf der Grünen Woche auf dieses Thema aufmerksam: Mit einem Stand, der nach dem Vorbild einer Vorschule in einem Projektland in Afrika gestaltet ist. Die Besucher erfahren hier, wie Bildung einen Beitrag leisten kann, die Ausbeutung von Kindern durch schwere Arbeit - speziell in der Landwirtschaft - zu verhindern. Ein Beispiel ist der Kakaoanbau in der Elfenbeinküste. Fast 2 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren werden in dem westafrikanischen Land als minderjährige Arbeitskräfte eingesetzt, mehr als die Hälfte davon in der Landwirtschaft.

Was sind die größten Herausforderungen? Wie schaffen wir es, Lösungsansätze zu entwickeln, um Kinder vor illegaler Arbeit zu schützen? Über diese Themen tauschten sich heute Dr. Werner Bauch, Vorstandsvorsitzender von Plan International Deutschland, und Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller mit Fanny Assata Doumbia, Präsidentin der Kakaobauern Kooperative ECAM in der Elfenbeinküste, bei einer Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Grünen Woche aus.

„Kinderarbeit einfach zu verbieten reicht nicht aus und würde die Not vieler Familien häufig noch steigern“, betont Dr. Werner Bauch. „Stattdessen müssen wir Armut und ausbeuterische Praktiken bekämpfen, um Kinderschutz in der Landwirtschaft durchzusetzen. Damit steigern wir die Chancen auf Bildung und damit auch auf eine bessere Zukunft der Kinder. Unser Fokus liegt dabei vor allem auf Mädchen.“

Prabhat aus Indien geht inzwischen nicht mehr auf die Müllhalde. Er nimmt an einem von Plans Projekten zum Schutz gegen Kinderarbeit teil und holt zusammen mit anderen Kindern den Lernstoff für seine Klassenstufe nach - damit er bald auf eine normale Schule gehen und einen Abschluss machen kann. Und damit seine Kinder später nicht auf der Müllhalde arbeiten müssen.


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