Kinderarbeit in Indien
Bharti, 15, verkauft Garnelen, Zitronen und Chili auf dem Markt in Mumbai. Außerdem hilft sie ihrer Familie im Haushalt.

Kinderarbeit in Indien

Indien ist eines der Länder auf der Welt, in denen Kinderarbeit immer noch sehr stark verbreitet ist. Das indische Recht schränkt zwar die Beschäftigung Minderjähriger unter 14 Jahren ein, sie ist jedoch nicht grundsätzlich verboten. Viele Kinder gehen aufgrund ihrer Arbeit nicht zur Schule und können ihre Chance auf Bildung nicht wahrnehmen. Durch die meist gefährliche und körperlich schwere Arbeit werden viele von ihnen krank und haben mit den Folgen ihr Leben lang zu kämpfen.

Was ist Kinderarbeit?

Die UN-Kinderrechtskonvention und die Internationale Arbeitsorganisation ILO bezeichnen Kinderarbeit als jegliche Art von Arbeit von Minderjährigen, die negative Folgen für ihre geistige, soziale und gesundheitliche Entwicklung hat und die die Grundrechte der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung verletzt. Dazu gehört nicht nur gefährliche oder ausbeuterische Kinderarbeit, sondern auch extrem schwere Arbeit im familiären Umfeld.

Wie sieht Kinderarbeit in Indien aus?

Jedes fünfte indische Kind im Alter von sechs bis 14 Jahren geht nicht zur Schule. Insgesamt müssen laut UNICEF-Report 12,6 Millionen Kinder in Indien gefährliche Arbeit verrichten. Die meisten von ihnen arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag.

Nach Angaben der ILO arbeiten von den insgesamt 12,6 Millionen beschäftigten Kindern 69 Prozent in der Landwirtschaft, oft auf Baumwollplantagen. Dort pflücken sie Baumwolle per Hand, tragen die Ernte in schweren Säcken auf dem Rücken und müssen teilweise ungeschützt Pestizide auf dem Feld verteilen. Die giftigen Pflanzenschutzmittel können zu schlimmen Atemwegs- und Hautkrankheiten führen. 16 Prozent stellen Teppiche, Feuerwerke und Zigaretten her. Ungefähr zwölf Prozent arbeiten im Service-Bereich also in Hotels, Restaurants und Tourismus. Dort sind besonders Mädchen häufig körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Die Arbeit in diesem Bereich wurde von der indischen Regierung inzwischen für Kinder unter 14 Jahren verboten.

Was sind die Ursachen?

Die Kinderarbeit hat sehr viel mit der aktuellen Lage in Indien zu tun. Obwohl das Land ein hohes Wirtschaftswachstum erfährt, müssen laut Weltbank rund 300 Millionen Menschen in Indien mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Das reicht knapp für eine Mahlzeit. Eine große Mehrheit davon lebt auf dem Land. Dort ist es für die Kinder häufig schwierig, eine Schule zu besuchen. Oftmals ist die nächste Schule weit entfernt und ein öffentlicher Nahverkehr nicht vorhanden. Weil auch die Eltern schon nicht oder nur kurz zur Schule gegangen sind, haben sie große Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. Es ist ein Teufelskreis.

Armut zählt somit zu einer der häufigsten Ursachen für Kinderarbeit. Da vor allem in den ländlichen Teilen Indiens Schulen sowie Lehrerinnen und Lehrer rar sind, gibt es für diese Kinder kaum eine Chance auf Bildung. Sie fangen schon früh an zu arbeiten. Zudem ist Kinderarbeit in der indischen Gesellschaft traditionell verankert. Die Sicherung der Familie und besonders des Familienunterhalts hat Vorrang gegenüber Bildung, die Toleranzschwelle ist hoch. Zudem gibt es kein Mindestalter für Kinderarbeit. Somit ist es auch erlaubt, dass Minderjährige im Betrieb der Eltern oder anderer Verwandter mitarbeiten. So verpassen die Kinder die Chance, zu lernen und sehen sich täglich neuen Gefahren bei ihrer Arbeit ausgesetzt.

Was kann man dagegen tun?

Um Kinderarbeit und Ausbeutung von Mädchen und Jungen in Indien langfristig zu stoppen, muss sich viel ändern. Besonders auf der rechtlichen Ebene. Bisher wird Kinderarbeit unter 14 Jahre beim ersten Verstoß lediglich mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rupien, also ungefähr 645 Euro geahndet. Verstöße werden allerdings selten geahndet. Laut indischer Regierung gibt es in ungefähr 29 Prozent der Fälle eine Verurteilung. Außerdem gibt es in den Gesetzen, die Kinderarbeit eingrenzen sollen, viele Schlupflöcher. Zum Beispiel dürfen Kinder unter 18 nicht mehr "gefährlicher Arbeit" nachkommen. Dieser Begriff wird in dem Gesetz jedoch nicht definiert. Es ist außerdem Kindern unter 14 Jahren nur erlaubt, in Familienbetrieben zu arbeiten. Doch auch dieser Begriff ist nicht endgültig definiert. Somit kann jeder Betrieb behaupten, er sei ein Familienunternehmen.

Mithilfe des National Child Labor Projects (NCLO) möchte die Zentralregierung erreichen, dass die Kinderarbeit in Indien gestoppt wird. Dafür stellt sie umgerechnet 77 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kinderarbeit ist in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, aber es muss noch viel getan werden, um sie ganz zu verhindern.

Wir von Plan International setzen uns dafür ein, dass Mädchen und Jungen die Schule besuchen und geschützt aufwachsen können. Ebenso haben sie ein Recht auf Freizeit, um sich regenerieren und entfalten zu können. Das oberste Ziel ist es, die Eltern zu unterstützen, sodass sie auf die Mitarbeit ihrer Kinder weitestgehend verzichten können. Falls das nicht möglich ist, muss das Recht auf Bildung, Gesundheit und Schutz auch für arbeitende Kinder gewährt werden. So setzen wir uns für bessere Arbeitsbedingungen für betroffene Mädchen und Jungen ein.

Außerdem unterstützen wir die Erweiterung der Bildungssysteme um Angebote für arbeitende Kinder sowie Aufklärungskampagnen über die Folgen von Kinderarbeit. Wir unterstüzen zusätzliche Projekte überall auf der Welt, wie das Aufzeigen alternative Erwerbsquellen und Kleinkredit-Programme für Mütter und Väter. So verfügen Familien über ein ausreichendes Einkommen und die Kinder müssen keiner bezahlten Arbeit nachgehen. Der Teufelskreis wird durchbrochen.

Sie möchten sich gegen Kinderarbeit einsetzen? Neben der Unterstützung von Hilfsorganisationen können auch Sie selbst aktiv werden. Achten Sie zum Beispiel beim Einkauf darauf, Produkte zu wählen, die fair gehandelt wurden. Diese Produkte sind meist mit bestimmten Siegeln gekennzeichnet, wie z.B. Fair Flowers Fair Plants, das Fairtrade Siegel oder das XertifiX-Siegel. Letzteres garantiert, dass in den Steinbrüchen Indiens menschenwürdige Bedingungen herrschen, die Arbeitnehmer Midestlöhne bekommen und Kinderarbeit verboten ist.


Helfen Sie mir Ihrer Spende, Kinderarbeit in Indien zu verhindern!