Kinderarbeit in Afrika
Viele Kinder in Afrika müssen arbeiten. Hier in Malawi arbeiten viele auf Tabakplantagen, wo sie regelmäßig hohen Nikotinbelastungenausgesetzt sind. © Plan International/ Eldson Chagara

Kinderarbeit in Afrika

In Afrika südlich der Sahara sind rund 72 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen. Nirgendwo sonst auf der Welt ist ihre Anzahl so hoch wie auf dem afrikanischen Kontinent. Offiziell ist Kinderarbeit in vielen Ländern vom Gesetz verboten, doch Kontrollen, um die Beschäftigung von Minderjährigen zu stoppen, sind selten. Viele Kinder kennen nichts anderes als ihre Arbeit und verlieren dadurch ihre eigene Kindheit.

Was ist Kinderarbeit?

Die UN-Kinderrechtskonvention und die Internationale Arbeitsorganisation ILO bezeichnen Kinderarbeit als jegliche Art von Arbeit von Minderjährigen, die negative Folgen für ihre geistige, soziale und gesundheitliche Entwicklung hat und die die Grundrechte der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung verletzt. Dazu gehört nicht nur gefährliche oder ausbeuterische Kinderarbeit, sondern auch extrem schwere Arbeit im familiären Umfeld.

Wie sieht Kinderarbeit in Afrika aus?

In afrikanischen Ländern ist die Zahl der Kinder, die von Kinderarbeit betroffen sind, so hoch wie nirgendwo sonst auf der Welt: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO geht davon aus, dass über 72 Millionen Kinder in Afrika südlich der Sahara von Kinderarbeit betroffen sind. Fast jedes fünfte Kind arbeitet.

Viele Kinder arbeiten in der Kakaoproduktion. Aus Afrika kommen rund zwei Drittel des weltweit produzierten Kakaos. Die Kinder sammeln Kakaofrüchte, hantieren täglich mit scharfen Macheten und schleppen schwere Säcke, die häufig mehr wiegen als sie selbst. Außerdem sprühen sie Pestizide, ohne notwendige Schutzkleidung, und gefährden so ihre Gesundheit.

Auch im Kleinbergbau ist gefährliche Arbeit weit verbreitet, zum Beispiel in den Goldminen von Tansania. Dort leisten die Kinderarbeiter schwerste körperliche Arbeit, zerschlagen stundenlang in gebeugter Haltung Steine und bohren in tiefen, ungesicherten Schächten. Mithilfe giftiger Chemikalien wie Quecksilber lösen sie das Edelmetall vom Gestein. Das kann lebenslange, schwere gesundheitliche Folgen haben. Täglich sind die Kinder bei ihrer Arbeit zudem der Gefahr von Mieneneinstürzen ausgesetzt.

Zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit in Afrika zählt der Einsatz von Kindersoldaten und - soldatinnen. Nach Angaben der UN gibt es allein im Südsudan 19.000 Minderjährige in Militär und Milizen, die täglich ihr Leben riskieren. Seit Dezember 2013 leidet die Bevölkerung dort unter einem schweren Bürgerkrieg.

Projekt
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Mit unserem Projekt "Mädchen und Jungen vor Kinderarbeit schützen - Phase II" wollen wir Mädchen und Jungen vor der gefährlichen Arbeit schützen und...

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Was sind die Gründe für Kinderarbeit in Afrika?

Es gibt verschiedene Ursachen dafür, dass Millionen Kinder in Afrika arbeiten müssen. Die häufigsten sind Armutgeringe Bildung und Gewalt.

Viele Kinder arbeiten zu Hause mit und unterstützen ihre Eltern, zum Beispiel bei der Arbeit auf dem Feld. Dadurch fehlen sie im Unterricht oder gehen gar nicht zur Schule. Besonders in der Landwirtschaft werden Kinderarbeiter häufig als billige Arbeitskräfte gesehen. Oft gehen die Kinder arbeiten, damit sie mit dem verdienten Geld ihre Familie unterstützen können.

Auch wenn Kinder ihre Eltern verloren haben - zum Beispiel durch bewaffnete Konflikte, Krankheit oder Unfälle - sind sie gezwungen, die Schule abzubrechen und arbeiten zu gehen, um sich und ihre Geschwister zu versorgen. Da diese Kinder meist Hilfsarbeiten ohne Ausbildung verrichten, verdienen sie nur wenig Geld. Dies hat zur Folge, dass später auch ihre eigenen Kinder keine Bildung erhalten, weil sie stattdessen zum Familienunterhalt beitragen müssen. So entsteht ein Kreislauf aus Armut, fehlender Bildung und Kinderarbeit, der sich von Generation zu Generation weiter fortsetzt.

Mehr als eine Million Kinder werden jährlich Opfer von Kinderhandel. Er ist eng mit Kinderarbeit verknüpft. Denn die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften, Prostitution und Pornografie von Minderjährigen ist groß. Meistens geben die Familien ihre Kinder aus der Not heraus an Kinderhändlerinnen und -händler, die den Mädchen und Jungen eine bessere Zukunft versprechen.Oft wissen die Eltern auch gar nicht, dass Kinder Rechte haben und dass es Gesetze gibt, die sie schützen.

 

Was kann man tun?

Um Kinderarbeit und Ausbeutung von Mädchen und Jungen in Afrika langfristig zu stoppen, muss sich sehr viel ändern. Auch auf der rechtlichen Ebene. Es müssen Gesetze verfasst werden, die keine Schlupflöcher mehr für Kinderarbeit in Afrika bieten. Außerdem brauchen Kinder Geburtsurkunden, die ihr Alter nachweisen und so zu ihrem Schutz beitragen. Familien mit wenig Geld können von Spargruppen und Einkommen schaffenden Maßnahmen profitieren, damit ihre Kinder nicht arbeiten müssen.

In Südafrika zum Beispiel können Eltern von Kindern bis 13 Jahre vom Staat finanziell unterstützt werden, wenn verschiedene Kriterien erfüllt sind. Durch die niedrige Altersgrenze und die bürokratischen Probleme wird die Unterstützung in dem Land jedoch kaum in Anspruch genommen. Obdachlose Kinder können von dieser staatlichen Unterstützung ebenfalls nicht profitieren, da das Geld nur an Personen über 18 Jahren ausgezahlt wird.

Das Kinderhilfswerk Plan International setzt sich dafür ein, das Leben von Mädchen und Jungen nachhaltig zu verbessern. Dabei geht es auch darum, den Familien Wege aus der Armut zu zeigen. Mit verschiedenen Maßnahmen stärkt die Organisation die Kinderschutzstrukturen vor Ort und fördert den Schulbesuch der Mädchen und Jungen. So erhalten die Kinder berufliche Perspektiven und haben später gute Aussichten, als qualifizierte Arbeitskräfte ihr eigenes Geld zu verdienen. Der Teufelskreis der Armut kann somit unterbrochen werden, sodass die nächste Generation besser vor Ausbeutung und Kinderarbeit geschützt ist.

Was wir tun

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Sie möchten etwas gegen Kinderarbeit in Afrika tun?

Neben der Unterstützung von Hilfsorganisationen können Sie auch anderweitig aktiv werden. Achten Sie zum Beispiel beim Einkauf darauf, Produkte zu wählen, die fair gehandelt wurden. Diese Produkte sind meist mit entsprechenden Siegeln gekennzeichnet, wie zum Beispiel dem Fairtrade-Siegel. Es steht dafür, dass für die Herstellung des Produktes keine Kinder arbeiten mussten und die Bauern einen angemessenen Lohn erhalten. Dies wird regelmäßig mit unabhängigen Kontrollen überprüft.

Zudem können Sie mit einer Patenschaft von Plan Kinder unterstützen und ihnen die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft schenken. Erfahren Sie mehr darüber, wie eine Patenschaft von Plan ein ganzes Leben verändern kann.

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