In der Dominikanischen Republik besuchen Plan-Mitarbeiter:innen Familien in den Projektgemeinden, um sie über das Coronavirus zu informieren und Nothilfepakete zu verteilen. ©Plan International
In der Dominikanischen Republik besuchen Plan-Mitarbeiter:innen Familien in den Projektgemeinden, um sie über das Coronavirus zu informieren und Nothilfepakete zu verteilen. ©Plan International
24.11.2020 - von Anne Rütten

Corona-Krise global: Schwerpunkt Lateinamerika

Covid-19 hat auch die 12 lateinamerikanischen Länder betroffen, in denen Plan International arbeitet. Welche Maßnahmen die Länderbüros treffen, um die Menschen in den Gemeinden zu unterstützen, lesen Sie hier.

In Lateinamerika und der Karibik ist die Lage aufgrund relativ hoher Infektionszahlen nach wie vor ernst. In vielen Ländern gibt es aktuell keinen strikten Lockdown mehr, größtenteils ist das alltägliche Leben allerdings immer noch durch Auflagen eingeschränkt. Die Zeit des Stillstandes hat für viele Familien zudem weiterhin schwerwiegende Folgen.

Besonders schwer betroffen sind die vielen benachteiligten Familien, die im informellen Sektor tätig und auf ihr tägliches Einkommen angewiesen sind. Der Verlust dieser Einnahmen bringt einige Menschen in die Situation, sich nur durch Hilfsleistungen in Form von Nahrungsmitteln oder Geldspenden ernähren zu können. Viele Kinder sind noch immer von Schulschließungen betroffen und haben oft keinen Zugang zum Internet, um an Online-Lernangeboten teilzunehmen. 44 Millionen Menschen in der Region könnten bis Ende des Jahres 2020 von Arbeitslosigkeit betroffen sein, sagen die Vereinten Nationen voraus. Geflüchtete aus Venezuela, die etwa in Kolumbien, Ecuador und Peru leben, haben wenig Zugang zu staatlicher Unterstützung.  

Insgesamt trägt die Situation nach wie vor zu einer Verstärkung bestehender Ungleichheiten bei, unter der besonders Mädchen und Frauen leiden. Frühe Verheiratung und Schwangerschaft sowie geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt nehmen zu. Dies ist unter anderem Folge der Isolation sowie des mangelnden Zugangs zu Bildung und Beratungsstellen. 

Es ist zu erwarten, dass sich durch die COVID-19-Pandemie die Sicherheitssituation in mehreren Ländern weiterhin verschlechtert, dazu gehören neben gewalttätigen Protesten auch etwa Ladendiebstahl und Raubüberfälle, häusliche Gewalt, Plünderungen, Erpressung und geschlechtsspezifische Gewalt.


Plan International erreicht mit seinen Corona-Nothilfeprogrammen rund 8,7 Mio. Menschen in Lateinamerika und der Karibik. Im Folgenden sind einige Highlights aus den Projektländern aufgezählt.

  • Ecuador: Über eine Million Lebensmittelrationen wurden bislang innerhalb des Landes verteilt. Plan Ecuador lieferte zudem Hygiene-Kits an über 1.000 Familien in Guayas, Loja, Manabí und Santa Elena. Zudem konnte Plan in über 30 Radiosendungen zu gesunder Ernährung über gesunde Ernährung, gewaltfreie Erziehung und Kinderschutz informieren.
  • Bolivien: Das von Plan Bolivien ins Leben gerufene Menstruationshygiene-Modell konnte auf 26 Institutionen des WASH-Clusters ausgeweitet und durch die Bereitstellung von Hygiene-Kits und Aufklärungsveranstaltungen umgesetzt werden. Plan International Bolivien setzte die Lieferung von Lebensmittelkits an betroffene Familien in Tarija, La Paz und Santa Cruz fort. Insgesamt profitierten 2.323 Familien aus ländlichen Gemeinden von den verteilten Nahrungsmittelpaketen. In Tarija und La Paz wurden außerdem Hygiene-Kits verteilt. Außerdem setzt Plan Bolivien sich weiter dafür ein, die Situation von Jungunternehmer:innen im Rahmen der Pandemie aufzuzeigen und zu verbessern, wobei Daten aus der Wirkungsstudie des Youth Economic Security Program (SEJ) und Daten aus der Umfrage zu den Auswirkungen der Pandemie auf Unternehmer:innen mit ausgewertet wurden.
  • Brasilien: In Maranhão und Piaui stellte Plan International Brasilien Informationsmaterial zum Kinderschutz zur Verfügung und setzte eine Kinderschutzkampagne in São Paulo fort. Zudem wurden verschiedene Kampagnen in den sozialen Medien zum Thema reproduktive Gesundheit und Rechte durchgeführt, die über 12.500 Familien erreichten. Lieferungen von Hygiene- und Lebensmittelkits in Maranhão wurden fortgesetzt.
  • Kolumbien: In Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe (WFP) wurde eine Buchliste über Ernährung und Schulspeisung ausgearbeitet. Die Bücher werden im Rahmen verschiedener WFP-Interventionen verteilt, zunächst in Kolumbien und dann im Rahmen einer möglichen Vereinbarung zwischen WFP und Plan in Haiti. Im Rahmen des Programms "Empoderate por la Paz" in Kolumbien wurden 423 Vorsorge-Kits für schwangere Mütter in gefährdeten Situationen und Hygiene-Kits für Frauen in Buenos Aires und Suarez in Cauca verteilt. Das kolumbianische Länderbüro von Plan hat Geldtransferhilfen für die Ernährungssicherheit und Prävention von Covid-19 in den Gemeinden Bolívar und Sucre zugesichert. Außerdem wurden Hygienesets an Familien und Einzelpersonen zur Prävention von Covid-19 verteilt, wobei Lieferungen von Menstruationshygieneprodukten für Jugendliche und Frauen Vorrang hatten.
  • El Salvador:Mitarbeitende des Gesundheitsministeriums in Cabañas, La Libertad und San Salvador erhielten Schutzkits mit Masken, Gläsern, Alkohol, Thermometern und anderem benötigtem medizinischem Material. Plan International konnte mit Bargeldtransfers weitere betroffene und gefährdete Familien in La Libertad, Chalatenango, Cabañas, Cuscatlán und San Salvador erreichen.
  • Guatemala: Es wurden Lebensmittelpakete für 3.100 Familien von Patenkindern unter 5 Jahren, die in Gebieten mit dem größten Risiko der Ernährungsunsicherheit leben, organisiert. Die Lieferungen werden an die Programmeinheiten Jalapa und Baja Verapaz erfolgen.
  • Haiti: Das Plan International Büro in Haiti hat verschiedene Aufklärungskampagnen zum Schutz vor Covid-19 im Südosten des Landes umgesetzt, die weiter fortgesetzt werden. Hierzu zählten unter anderem die Verteilung von Lebensmittelgutscheinen und Hygiene-Kits an den Katastrophenschutz sowie das Institut für soziale Wohlfahrt und Forschung. 3.270 gefährdete Familien werden im Rahmen der Nothilfe existenzsichernde Cash-Zahlungen erhalten. Zudem ist ein zusätzliches WASH-Projekt im Nordosten und Südosten des Landes geplant. 
  • Honduras: Plan International Honduras konnte 5 Flüchtlingszentren für junge Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, mit Hygiene- und Lebensmittelkits ausstatten. Zudem haben 1.500 Familien Nahrungsmittel- und Hygiene-Kits erhalten. Plan unterstützte zudem Mitglieder von vier kommunalen Nothilfekomitees (CODEM) in organisatorischen Bereichen, der Einsatzplanung, humanitärer Hilfe  und Verwaltung von Notunterkünften im Covid-19-Kontext.
  • Dominikanische Republik: Plan International in der Dominikanischen Republik lieferte Hygiene-Kits an 1.174 Familien, Menstruationshygiene-Sets an 393 Familien und verteilte Spielsachen an 755 Kinder in den Gemeinden Azua, Barahona und San Juan.
  • Paraguay: Plan International Paraguay konnte weitere Entbindungshygiene-Sets an Mädchen und Jugendliche im Alter von 11 bis 18 Jahren in Guaira, Paraguari und San Pedro verteilen. Indigene Gemeinschaften in Caaguazu, San Pedro und Paraguari erhielten Grundnahrungsmittel-Kits.
  • Peru: In Cusco konnten Schüleri:nnen an Informationsveranstaltungen zur landesweiten Kampagne "Ich lerne zu Hause" teilnehmen.
  • Venezuela: Wenngleich Plan keinen Sitz in Venezuela hat, leistet das Kinderhilfswerk auch dort im Rahmen der Corona-Pandemie Nothilfe. So konnten mit der Hilfe von Plan International Wasserverteilungssysteme in Venezuela erfolgreich rehabilitiert werden. Außerdem wurden Wassertanks in der Arcoiris Initial Education School, der José Sánchez Ostos Bolivarianischen Grundschule und der José Sánchez Ostos Vorschule installiert. Dieselben Schulen erhielten auch Hygiene-Kits. Im Bundesstaat Táchira konnten Covid-19 Aufklärungssets an 338 Schüler:inenn verteilt werden. Plan International hat Versorgungskits an das Gesundheitspersonal des Aida-Krankenhauses in Montilva de Bailadores und Táchira geliefert. Drei Schulen in Táchira (Liceo Bolivariano Libertador, Pedro-Maria-Morantes-Schule und Gustavo-Nietos-Schule) erhielten Hygiene-Kits zum Schutz vor Covid-19. In Anzoátegui, Bolivar, Carabobo und Táchira erhielten Kinder Zugang zu pädagogischer Beratung, die im Rahmen der vom Bildungsministerium festgelegten Fernunterrichtsstrategie stattfanden.

Angelehnt an den globalen Nothilfe-Plan der Vereinten Nationen hat Plan International Maßnahmen zur humanitären Hilfe in über 50 der Programmländer aufgesetzt, um die Menschen vor Ort bestmöglich zu unterstützen. Diese werden in folgenden Bereichen priorisiert umgesetzt: Gesundheit und Hygiene, einschließlich der Aufklärung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, Kinderschutz und geschlechterbasierte Gewalt, Bildung, Existenzsicherung, einschließlich finanzieller Unterstützung und der Verteilung von Nahrungsmitteln, Teilhabe der Kinder und Gemeinden an der Entwicklung von weiteren Maßnahmen. Gleichberechtigung, Inklusion sowie Anwaltschaft und Einflussnahme sind bereichsübergreifende Ziele und Teil aller Arbeitsbereiche von Plan – auch und gerade in Krisen.



Wie geht es weiter mit der Patenschaftsarbeit?

In vielen Plan-Programmländern ruhte die Arbeit im Patenschaftsbereich für einige Zeit. Ein Grund dafür waren die Ausgangs- und Reisebeschränkungen, die viele Regierungen verhängten, und die teilweise noch andauern. Das vielerorts sehr kritische Infektionsgeschehen sollte so unter Kontrolle gebracht werden. Da von der Corona-Pandemie und ihren Folgen alle Länder betroffen sind, in denen Plan mit Patenschaften arbeitet, erhielten zudem weltweit unsere Nothilfe-Maßnahmen Priorität.

Daher haben wir umfangreiche Schutzmaßnahmen für Mitarbeitende und ehrenamtliche Kräfte festgelegt. Der Besuch von Gemeinden war aus diesem Grund zeitweise schwierig. Allerdings führten die teils sehr guten Beziehungen zu den örtlichen Behörden dazu, dass Plan-Mitarbeitende auch in Zeiten der Ausgangssperren Nothilfe-Maßnahmen durchführen konnten. Da wir weiterhin mit den Gemeindemitgliedern direkt arbeiten, bestand auch in schwierigeren Zeiten ein guter Kontakt in die Gemeinden. Der telefonische Austausch ist in dieser Situation besonders wichtig, um den Kontakt zu Gemeindehelfer:innen sowie Patenkindern und deren Familien zu halten und wichtige Nachrichten zu teilen. Auch regelmäßige Besuche von Plan-Kolleg:innen in den Gemeinden und bei den Familien laufen unter Beachtung von Hygienemaßnahmen in immer mehr Ländern wieder an.

Durch die Schließzeiten konnten oder können viele Briefe und Geschenksendungen nicht regulär befördert oder bearbeitet werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass der Briefaustausch wesentlich länger dauern wird als sonst. Patenkindbesuche müssen wir leider zumindest bis Ende Juni 2021 vollständig aussetzen.

Bei Fragen zur Kommunikation oder zu Ihrer Patenschaft im Allgemeinen melden Sie sich gerne bei unserer Paten- und Spenderbetreuung unter +49 (0)40 / 60 77 16 – 250


Aktuelle Informationen aus unserem digitalen Plan-Abend: Coronavirus in Lateinamerika


Interessant? Weitersagen: