Upendo (rechts) und Aidan (2. von links) setzen sich in ihrem Heimatland Tansania gemeinsam mit Plan International gegen Kinderheirat ein.
Upendo (rechts) und Aidan (2. von links) setzen sich in ihrem Heimatland Tansania gemeinsam mit Plan International gegen Kinderheirat ein. © Plan International/Rob Beechey
17.01.2018

Mädchen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen: Sag nein zu Kinderheirat!

Kinderehen und frühe Verheiratung sind nach wie vor auf allen Kontinenten der Welt verbreitet, insbesondere aber in Afrika. In Tansania wird jedes dritte Mädchen vor dem 18. Geburtstag verheiratet. 

Mbusiro ist 20 Jahre alt. Als sie 14 war, wurde sie zwangsverheiratet. Ihr Mann, ein Nachbar, war damals knapp 40, also weit mehr als doppelt so alt wie sie. „Ich wollte nicht heiraten, aber meine Eltern haben es über meinen Kopf hinweg entschieden“, erzählt sie. Ihr Traum war es damals, Lehrerin zu werden. Mit 15 wurde sie das erste Mal schwanger.  

Heute hat Mbusiro drei Töchter und ist im neunten Monat schwanger. Sie möchte auf keinen Fall, dass ihre Kinder das gleiche Schicksal ereilt wie sie damals. „Ich versuche, meine Mädchen in die Schule zu schicken, damit sie nicht jung heiraten müssen.“

Besonders in ländlichen Regionen verbreitet

Im Durchschnitt wird eins von drei tansanischen Mädchen vor seinem 18. Geburtstag verheiratet. In manchen Regionen des ostafrikanischen Landes ist es sogar jedes zweite. Kinderheirat ist besonders in ländlichen Regionen verbreitet, wo Kinder teilweise erst elf Jahre alt sind, wenn sie verheiratet werden.

Auch Joyce musste sehr früh heiraten. Sie erzählt: „Ich wurde mit 15 Jahren verheiratet. Der Mann war doppelt so alt wie ich und ich kannte ihn nicht, bevor ich mit ihm verlobt wurde.“ Ihr erstes Kind bekam Joyce mit 16: „Mein Körper war noch nicht dazu bereit, ein Kind zu gebären, also starb mein Baby.“. Als sie 18 wurde, bekam sie einen Sohn. Heute, mit 25, hat Joyce insgesamt drei Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen. „Ich hatte nicht die Chance, auf eine Sekundarschule zu gehen und bereue das sehr“, sagt sie heute. Sie wäre gern Krankenschwester oder Lehrerin geworden. 

Gesetz erlaubt 14-jährigen Mädchen die Heirat

In Tansania legt ein Gesetz fest, in welchem Alter es Mädchen und Jungen erlaubt ist, zu heiraten. Das Gesetz besagt, dass Mädchen schon mit 14 Jahren heiraten dürfen, Jungen mit 18. Durch eine Verheiratung werden Millionen von Mädchen weltweit vor ihrer Volljährigkeit ihrer Kindheit beraubt. Diese Mädchen sind oft gezwungen, die Schule vorzeitig zu verlassen und haben häufig wenige berufliche oder persönliche Perspektiven. Auch wenn ein Mädchen vorher zur Schule ging, ist es unwahrscheinlich, dass es seine Bildung nach der Hochzeit fortsetzen kann. 


 

Gleichzeitig steigt das Risiko für sie, Opfer von Gewalt oder Missbrauch zu werden. Auch die Folgen einer frühen Schwangerschaft sind schwerwiegend. Die Geburt ist sowohl für die jungen Mütter als auch für die Neugeborenen ein Risiko, die Kinder- und Müttersterblichkeit besonders hoch.

Der Einsatz gegen Kinder-, Früh- und Zwangsheirat ist fester Bestandteil von Plans Arbeit weltweit. Um aktiv gegen Kinderheirat vorzugehen, hat Plan International 2015 gemeinsam mit dem Children’s Dignity Forum (CDF) ein Projekt gegen Frühverheiratung in Tansania initiiert. 

Im Fokus des Projektes standen Berufsbildungstrainings für die Teilnehmerinnen, damit sie sich ein eigenes Einkommen erwirtschaften können. Zum anderen wurden Gemeinden über die schwerwiegenden Folgen von Traditionen wie Kinderheirat und Genitalverstümmelung aufgeklärt. Mbusiro und Joyce nahmen an dem Projekt in der Mara-Region teil. Aktuell setzt sich beispielsweise Plan International Deutschland in einem Projekt in der Region Geita gegen Kinderheirat in Tansania ein. 

Auch eine Patenschaft kann Mädchen wie Mbusiro oder Joyce dabei helfen, einer Zwangsverheiratung zu entkommen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.plan.de/kinderschutz/zwangsheirat.


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