Neben den Methoden effektiver Planung und Umsetzung werden Herausforderungen und Erfolgsfaktoren in den Vordergrund gestellt, sodass auch andere Organisationen aus den praktischen Erfahrungen lernen können. © Plan International
Neben den Methoden effektiver Planung und Umsetzung werden Herausforderungen und Erfolgsfaktoren in den Vordergrund gestellt, sodass auch andere Organisationen aus den praktischen Erfahrungen lernen können. © Plan International
10.11.2017

Handbuch zum „Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften“

Plan International Deutschland e.V. hat mit Unterstützung des deutschen Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) das Handbuch „Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften“ herausgegeben. Es hilft den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, mögliche Risiken für Kinder in Notunterkünften zu erkennen und ihnen wirksam entgegen zu treten.

Rund 60 Millionen Flüchtlinge gibt es derzeit auf der Welt – so viele wie nie zuvor. Sie verlassen ihre Heimat aufgrund von Kriegen, Naturkatastrophen, Unterdrückung, Gewalt und großer Not. Sie wagen eine oft lebensgefährliche Reise ins Ungewisse. Rund ein Drittel der Geflüchteten, die es in den letzten Jahren bis nach Deutschland geschafft haben, sind minderjährig. Allein die Tatsache, dass sie sich in Deutschland befinden, garantiert ihnen jedoch noch keine Sicherheit: Insbesondere in Unterkünften bedarf es belastbarer Strukturen, die den Schutz von Kindern gewährleisten und institutionalisieren.

Angesichts der Flüchtlingssituation hat Plan International seine Arbeit auf Deutschland ausgeweitet und schulte und beriet seit November 2015 Teams der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. zu Kinderschutz sowie in Fortbildungen seit Oktober 2016 weitere Unterkunftsbetreiber. Um bundesweit den Mitarbeitenden in Flüchtlingsunterkünften fachliche Unterstützung zu bieten, hat Plan nun das Handbuch „Kinderschutz in Flüchtlingsunterkünften“ herausgegeben.

Das Handbuch leistet zum Kinderschutz einen Beitrag mit konkreten Methoden und Arbeitsmaterialien für die direkte Anwendung in der Praxis. Es dokumentiert den Arbeitsansatz von Plan International Deutschland zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Flüchtlingsunterkünften, der im Rahmen des vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) geförderten Programms „Stärkung einer kinderfreundlichen Umgebung und Sicherstellung des Kinderschutzes in Hamburger Flüchtlingsunterkünften“ seit März 2016 entwickelt wurde. Ziel ist es, in deutschen Unterkünften ein schützendes Umfeld für Mädchen und Jungen zu schaffen. Denn trotz der reellen Herausforderungen in Not- und Erstunterkünften sowie anderer Unterkunftsformen gilt: Alle Kinder haben Rechte! Zu den Kinderrechten, die gewährleistet sein müssen, gehören unter anderem das Recht auf Schutz vor Gewalt und Missbrauch, Bildung, Versorgung, Förderung sowie Spiel und Freizeit.

Betrachtet man die besondere Situation in einer Flüchtlingsunterkunft, so können die Kinderrechte nur gewahrt werden, wenn alle Akteure der Gemeinschaft die Ursachen und Risiken von Rechtsverletzungen erkennen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Dafür muss garantiert werden, dass die besonderen Bedürfnisse der geflüchteten Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden und das staatliche Regelsystem zum Kinderschutz bis in jede Unterkunft hineinreicht. Es muss der Gemeinschaft in jeder Unterkunft von Anfang an deutlich werden, dass die Strukturen in Deutschland sicher sind und verlässlich den Kinderschutz gewährleisten. Es muss auch deutlich werden, dass Teilhabe möglich ist, Rechte auch mit Pflichten einhergehen und dass global verbriefte Rechte geachtet sowie nationale und internationale Standards eingehalten werden. 


Interessant? Weitersagen: