Mädchen sind ohne Zweifel die größten Opfer der Rohingya-Flüchtlingskrise. © Plan International
Mädchen sind ohne Zweifel die größten Opfer der Rohingya-Flüchtlingskrise. © Plan International
23.08.2018

Ein Jahr Rohingya-Flüchtlingskrise

Am 25. August vor einem Jahr wurden auf einen Schlag 700.000 Rohingya gewaltsam aus Myanmar vertrieben. Noch heute leben sie in riesigen Flüchtlingscamps in Bangladesch unter katastrophalen Bedingungen. Besonders schlimm ist die Situation für Mädchen.

2017 sind insgesamt rund eine Million Rohingya aus dem Bundesstaat Rakhine im Westen Myanmars in das angrenzende Bangladesch geflüchtet. Seitdem leben sie auf engstem Raum zusammengepfercht im größten Flüchtlingscamp der Welt in der Region Cox’s Bazar im Südosten des Landes. Grund für den enormen Flüchtlingsstrom war ein eskalierender, gewaltsamer Konflikt zwischen Myanmars Armee und Rebellen.

Auch ein Jahr nach dem Beginn der Flüchtlingskrise sind die Lebensbedingungen der Menschen im Camp trotz internationaler Hilfeleistungen nach wie vor desaströs: Es gibt zu wenig Lebensmittel und Kleidung, kaum sauberes Wasser und nicht genügend Sanitäreinrichtungen, wodurch die Hygienesituation im Camp extrem schlecht ist. Die meisten Menschen leben noch immer in provisorischen, zeltartigen Unterkünften. Zeitweise sind sie bedroht von Überschwemmungen und Erdrutschen, da der Boden die Wassermengen starker Regenfälle nicht aufnehmen kann.

Wenngleich alle Geflüchteten unter den schwierigen Bedingungen im Camp leiden, zeigt eine neue Studie von Plan International: Mädchen sind ohne Zweifel die größten Opfer dieser humanitären Krise. Sie verbringen die meiste Zeit des Tages in ihren Zelten und sind in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Sie dürfen nur früh morgens oder spät abends ihre Zelte verlassen, beispielsweise um auf die Toilette zu gehen, Feuerholz zu sammeln oder Wasser zu holen. Tagsüber kümmern sich die meisten von ihnen um ihre jüngeren Geschwister, putzen und kochen. Nur 28 Prozent der Mädchen im Camp besuchen eine Schule oder irgendeine Form von Unterricht. Wenn sie raus gehen, haben sie Angst vor Übergriffen oder sexueller Belästigung. Doch auch in den Zelten sind sie häufig nicht sicher. Eines von vier Mädchen hat bei der Befragung angegeben, kürzlich Gewalt erfahren zu haben - fast 90 Prozent davon waren Fälle von häuslicher Gewalt. Zudem sind sie der ständigen Gefahr ausgesetzt, verheiratet zu werden.

Ein Teil von Plans Nothilfemaßnahmen vor Ort ist bereits speziell auf die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen ausgerichtet, zum Beispiel das Errichten sicherer Waschgelegenheiten oder das Verteilen von Menstruations-Sets. Plan International leistet seit Oktober 2017 Nothilfe in den Flüchtlingscamps, hauptsächlich in den Bereichen Hygiene, Kinderschutz und Bildung.



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