Eine junge Person hält ihr Smartphone in der Hand und ist am Tippen.
© krisenchat

I see you: Digitale psychosoziale Hilfe für junge Menschen in Krisen

Seit 2021 sind mentale Erkrankungen und Verhaltensstörungen eine der häufigsten Ursachen für stationäre Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen in all ihrer Diversität. Gleichzeitig erschweren Bürokratie, lange Wartezeiten und fehlende Angebote den Zugang zu psychosozialer Hilfe. Genau an diesem Punkt setzen Plan International Deutschland e.V. in Kooperation mit krisenchat gGmbH an, um ein anonymes, niedrigschwelliges, kostenloses und digitales Beratungsangebot zu fördern und zugleich gendersensible sowie inklusive Zugänge zur psychosozialen Ersthilfe für Kinder und Jugendliche in ihrer Vielfalt zu stärken.

Das Projekt in der Übersicht

Projekttitel:
ICU – I see you (deutsch: Ich sehe dich) – Digitale psychosoziale Unterstützung für Kinder und Jugendliche in Krisen – sicher, inklusiv und geschlechtergerecht

Projektregion:
Deutschland (deutschlandweit, digitales Angebot)

Projektlaufzeit:
01.01.2026 bis 31.12.2027

Umsetzungspartner: 
krisenchat gGmbH

Ziel:
Verbesserung der psychosozialen Ersthilfe für junge Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren in Deutschland durch ein niedrigschwelliges, digitales Angebot, das gezielt gendersensible und inklusive Zugangswege berücksichtigt und fördert.

Maßnahmen:

  • Einführung und Schulung neuer Berater:innen.
  • Umsetzung von regelmäßigen Workshops zu Gender & Inclusion sowie von Supervisions- und Intervisionsangeboten für Berater:innen.
  • Durchführung digitaler qualifizierter psychosozialer Beratung für Kinder und Jugendliche rund um die Uhr.
  • Weiterleitung an lokale und regionale Hilfsangebote bei Bedarf.
  • Social-Media-Kampagne zu mentaler Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus gendersensibler und inklusiver Perspektive.
  • Leitfaden/ Orientierungshilfe und Online-Infoveranstaltung für Eltern und weitere Sorgeberechtigte.
  • Digitaler Fachtag zur psychosozialen Ersthilfe mit Fokus auf Gender & Inclusion.

Hintergrund des Projektes

Aktuelle Studien belegen einen hohen Unterstützungsbedarf junger Menschen in ihrer mentalen Gesundheit: Laut der COPSY-Studie sind rund 23 % der 15- bis 24-Jährigen psychisch belastet – das entspricht etwa zwei Millionen jungen Menschen in Deutschland.  Auswirkungen der Corona-Pandemie, ebenso wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen des Klimawandels, haben vorhandene Belastungen zusätzlich verschärft. Trotz steigender Nachfrage bleibt der Zugang zu ambulanter psychotherapeutischer Versorgung für Jugendliche und junge Erwachsene unzureichend. Besonders betroffen sind sozial benachteiligte junge Menschen. Hier knüpft das ICU-Projekt an: Es bietet Kindern und Jugendlichen bei psychosozialen Krisen eine kostenlose, anonyme, niedrigschwellige und digitale Ersthilfe. Der Kooperationspartner, krisenchat gGmbH, fungiert hierbei als unmittelbarer Erstkontaktpunkt. Um die Bedürfnisse der Zielgruppe bestmöglich zu adressieren, berücksichtigt das ICU-Projekt gezielt gender- und inklusionsspezifische Aspekte. Ziel ist es, Barrieren im Zugang zu Beratung abzubauen, Räume zu schaffen, in denen sich alle jungen Menschen sicher, respektiert und gesehen fühlen, und ihre Selbstwirksamkeit sowie Resilienz nachhaltig zu stärken.

Was wir für den Projekterfolg tun

Damit Kinder und Jugendliche gut unterstützt werden können, braucht es qualifizierte Menschen, die ihnen zuhören und helfen. Zur Sicherung der Beratungsqualität und zur kontinuierlichen fachlichen Weiterentwicklung der Berater:innen sind Workshops, Supervisionen sowie Intervisionen fest im Projekt verankert, die Raum für Reflexion, Austausch und Kompetenzaufbau bieten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stärkung der professionellen Haltung und Handlungssicherheit sowie emotionale Entlastung. Zusätzlich finden Schulungen zu Gender & Inclusion statt, um Wissen zu vertiefen, konkrete Impulse für die praktische Projektarbeit zu geben und für die Thematik zu sensibilisieren.

krisenchat bietet eine kostenlose, rund um die Uhr erreichbare psychosoziale Krisenberatung für junge Menschen via Chat an. Die digitale Beratung erfolgt in Echtzeit, ist vertraulich und erfordert keine Registrierung. Diese Modalitäten sind ein wichtiges Prinzip der Beratung, das Kindern und Jugendlichen, vor allem in besonders sensiblen Krisen, den Erstzugang zu psychosozialer Hilfe erleichtert. Bei Bedarf werden sie in passende Unterstützungs- und Gesundheitsangebote vermittelt, wie beispielsweise Schulsozialarbeit, Familienzentren oder Kinderschutzambulanzen.

Um wirksam auf allen Ebenen zu handeln und dem ganzheitlichen Ansatz des Projekts gerecht zu werden, stärkt das Projekt nicht nur die direkte Unterstützung junger Menschen, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung und den fachlichen Austausch zur psychosozialen Ersthilfe - insbesondere im Hinblick auf geschlechtsspezifische Bedarfe und inklusive Zugänge. Eine Social-Media-basierte Awareness-Raising-Kampagne macht Themen sichtbar, die viele junge Menschen beschäftigen zum Beispiel Stress, der Einfluss sozialer Medien auf das Selbstbild oder Unsicherheiten in Beziehungen. Das soziale Umfeld der jungen Menschen wird durch die Entwicklung eines Leitfadens einbezogen, welcher sich an Eltern und weitere Bezugspersonen richtet. Zum Abschluss des Projekts werden die Ergebnisse in einem öffentlichen Fachtag präsentiert, um den fachlichen Austausch zu stärken und Impulse für eine nachhaltige Weiterentwicklung der psychosozialen Ersthilfe in Deutschland zu setzen. 

Kooperation

In Kooperation mit krisenchat gGmbH

Die gemeinnützige Organisation krisenchat wurde 2020 gegründet und ist heute Deutschlands größtes digitales Beratungsangebot für junge Menschen in akuten seelischen Notlagen mit bislang +200.000 Beratungen. Beratungen bei krisenchat sind anonym, kostenlos und rund um die Uhr möglich. Hilfesuchende treffen auf ein Team aus mehr als 400 Personen mit psychosozialer Fachausbildung. Zusätzlich zu der 1:1-Beratung betreibt krisenchat zielgruppengerechte Psychoedukation über soziale Medien, um Stigmatisierung abzubauen, Wissen zu vermitteln und frühzeitig Hilfebedarf sichtbar zu machen.