Vernichtung von Verhütungsmitteln im Wert von rund 9,7 Mio. US-Dollar durch die US-Regierung
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Bundesminister,
sehr geehrte Frau Bundesministerin,
wir, ein Bündnis von 16 zivilgesellschaftlichen Organisationen, wenden uns anlässlich der geplanten Vernichtung von Verhütungsmitteln im Wert von rund 9,7 Millionen US-Dollar an Sie. Die Produkte waren ursprünglich für USAID-Programme zur Familienplanung und reproduktiven Gesundheit vorgesehen, die Anfang des Jahres von der US-Regierung eingestellt wurden. Berichten zufolge lagern die Bestände derzeit in Belgien und sollen zur Verbrennung nach Frankreich überführt werden – obgleich zahlreiche der Produkte noch bis 2027, teilweise sogar bis 2031 haltbar sind.
Die Vernichtung der Bestände könnte gravierende Folgen haben: Sie würde absehbar zu 362.000 unbeabsichtigten Schwangerschaften, 161.000 ungeplanten Geburten, 110.000 unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen, und 718 vermeidbaren Todesfällen von Müttern führen und den bereits bestehenden Mangel an Verhütungsmitteln, der sich bereits vielerorts in Stock-Outs zeigt, massiv verschärfen. Insbesondere in Krisen- und Konfliktregionen führen unbeabsichtigte Schwangerschaften oft zu schwerwiegenden Komplikationen mit Todesfolge. Ein selbstbestimmtes Leben bleibt für viele so unerreichbar.
Durch den Wegfall der USAID-Bestände werden lokale Gesundheitssysteme zusätzlich unter Druck gesetzt. Keine Organisation kann diese Lücken kurzfristig schließen! Angebote anderer Organisationen, die Verteilung zu übernehmen, wurden von den USA abgelehnt.
Wir bitten Sie, jetzt entschieden zu handeln und Ihre diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um:
- Druck auf alle beteiligten Parteien auszuüben, um die geplante Vernichtung essenzieller Gesundheitsprodukte auf europäischem Boden zu verhindern,
- die Bestände an Länder und Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Bedarf weiterzuleiten, z.B. durch direkte Verteilung über Gesundheitsministerien,
- gemeinsam mit internationalen Partnern praktikable Lösungen für Transport und Verteilung sicherzustellen.
Eine schnelle Intervention kann verhindern, dass diese dringend benötigten Mittel verloren gehen und so erhebliche gesundheitliche und humanitäre Rückschritte eintreten.
Wir danken Ihnen vorab für Ihren Einsatz und stehen Ihnen jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), im Namen der zeichnenden Organisationen
action medeor e.V.
Aktionsbündnis gegen Aids e.V.
Ärzte der Welt e.V.
Ärzte ohne Grenzen e.V.
Better Birth Control e.V.
Care Deutschland e.V.
Deutsche Aidshilfe e.V.
Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V (Difäm Weltweit)
Help Hilfe zur Selbsthilfe e.V.
Lichtbrücke e.V.
Medica Mondiale e.V.
Oxfam Deutschland e.V.
Plan International Deutschland e.V.
TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e.V.
The ONE Campaign