Grafik CSW65
Auf der diesjährigen 65. Konferenz der UN-Frauenrechtskommission ging es um das Thema Teilhabe von Mädchen und Frauen.
29.03.2021 - von Plan-Redaktion

Echte politische Teilhabe für junge Frauen

Auf der diesjährigen 65. Konferenz der UN-Frauenrechtskommission ging es um das Thema Teilhabe von Mädchen und Frauen. Plan International hat gemeinsam mit Vertreterinnen des BMZ und BMFSFJ und jungen Aktivistinnen aus der ganzen Welt eine Parallel-Veranstaltung organisiert, auf der die Jugendlichen ihre Standpunkte zum Thema politische Teilhabe von jungen Frauen verdeutlichten.

Jedes Jahr tagt die UN Frauenrechtskommission, eine von zehn Fachkommissionen des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen, um über die Gleichstellung der Geschlechter zu beraten. Hauptthema in diesem Jahr war die vollständige und wirksame Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben und an Entscheidungsprozessen sowie die Beseitigung von Gewalt. Das sind auch Kernthemen von Plan International. Die 65. Sitzung der UN Frauenrechtskommission (CSW) fand vom 15. bis 26. März 2021 statt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden zum ersten Mal in ihrer Geschichte alle Treffen digital abgehalten.


Mit dabei war auch Greta vom Plan-Jugendbeirat, die als eine von drei Aktivistinnen aus der ganzen Welt gemeinsam mit Plan International ein „Parallel-Event“ zum Thema politische Teilhabe von jungen Frauen mit dem Titel „Wir sind nirgendwo auch nur annähernd beteiligt“ veranstaltete. Ziel der Veranstaltung war es, zu diskutieren, wie echte Partizipation von Mädchen und jungen Frauen - auch in entwicklungspolitischen Kontexten - verbessert werden kann.

Junge Frauen brauchen mehr Möglichkeiten in Politik und Gesellschaft

Den Auftakt machte Dr. Birgit Schweikert, Leiterin der Unterabteilung für Gleichstellung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): „Wir teilen die Sicht von Plan International, dass junge Frauen mehr Möglichkeiten in Politik und Gesellschaft haben müssen, um soziale Normen in ihrem Umfeld und in ihrer Gesellschaft zu ändern. Nur zwei Prozent aller Parlamentarierinnen weltweit sind weiblich und unter 30 Jahren. Dabei ist es so wichtig, dass junge Menschen und vor allem Frauen Vorbilder in Politik und Gesellschaft finden, an denen sie sich orientieren können“, sagte Birgit Schweikert. Sie räumte ein, dass Deutschland nicht das beste Beispiel sei, wenn es um weibliche Teilhabe in der Politik gehe: „Zwölf von über 700 Parlamentarier:innen im Deutschen Bundestag sind jünger als 30 und unter ihnen gibt es nur eine einzige Frau.“ Insgesamt seien nur 31 Prozent der Mitglieder des Bundestages weiblich, das sei die niedrigste Zahl seit 20 Jahren. Schweikert sprach von einem „Backlash“ und bekundete Sorge über die zunehmende digitale und analoge Gewalt, die politisch aktive Frauen täglich erfahren.

"Ich will nicht, dass Menschen mir für meine Meinung applaudieren. Ich will, dass sie sie berücksichtigen."

Junge Aktivistinnen wie Greta wollen sich nicht länger abspeisen lassen. Die 22-Jährige, die seit 2017 Mitglied des Plan-Jugendbeirates ist, hielt eine bewegende Rede auf dem „Parallel Event“: „Ich bin hier, weil ich will, dass meine Stimme und die anderer Feministinnen gehört wird – aber ich will vor allem, dass ihr zuhört“, sagte Greta. Jugendpartizipation sei für die meisten Menschen lediglich ein „nice to have“, dem keine Taten und kein echter Wille für die Beteiligung von jungen Menschen folgten. „Politische Partizipation muss nicht nur institutionalisiert sein, sondern muss auch finanziert werden“, forderte sie. Es könne nicht vom privaten Portemonnaie abhängen, ob Jugendliche politisch aktiv werden könnten oder nicht. „Wir wollen nicht jedes Mal darum kämpfen müssen. Um es mit sehr klaren Worten zu sagen: Ich bin es leid, dass wir nicht ernst genommen werden. Ich will nicht, dass Menschen mir dafür applaudieren oder sich freuen, dass ich eine Meinung habe. Ich will, dass sie meine Meinung berücksichtigen. Von echter Teilhabe können wir alle profitieren. Wir brauchen jeden und jede von euch, um diesen Wandel zu schaffen“, appellierte sie.

Die Pandemie verschärft Schwierigkeiten von Mädchen und Frauen weltweit

Die 19-jährige Julia aus Guatemala forderte, dass junge Mayafrauen wie sie die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben bekommen müssten: „Ungleichheit beginnt bei unserer Geburt und zieht sich durch das ganze Leben. In unseren Gemeinden werden Tausende Mädchen ungewollt und viel zu früh schwanger und müssen dann ihre Lebensträume aufgeben.“

Für Dr. Heike Kuhn, Abteilungsleiterin des Bildungsreferats im Entwicklungsministerium (BMZ), verschärft die Pandemie die Schwierigkeiten vieler junger Frauen und wirke sich schwer auf ihre Zukunftschancen aus – insbesondere in Ländern des globalen Südens. Viele Mädchen würden nach dem Lockdown nicht wieder zur Schule zurückkehren.


Das Parallel-Event im Livestream zum Nachschauen

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