Wo Kinderhorte die Gemeinschaft fördern
Der Tag beginnt für die Kinder früh am Morgen – und mit Freizeit. Die Mädchen und Jungen aus dem Osten von Ruanda singen, spielen und interagieren. Los geht es für sie schon ab 7 Uhr. Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist ein verbrieftes Kinderrecht – und wird hier in den Betreuungszentren von Bugesera und Gatsibo nach Kräften unterstützt. Einerseits von Hilfsorganisationen, andererseits von den Eltern selbst, die zum Beispiel Spielzeug für die jungen Schützlinge herstellen oder im angegliederten Gemüsegarten aushelfen.
Auf Nachfrage berichten die Kinderbetreuerinnen, dass die Freizeitaktivitäten für das psychische Wohlbefinden und die soziale Entwicklung der Mädchen und Jungen unerlässlich sind – insbesondere für diejenigen, die schüchtern sind oder denen es an Selbstvertrauen fehlt. Doch es geht um mehr.
Zwei solcher „Irerero“ genannten Kindergärten laufen mit Unterstützung von Plan International. Rund sechs Dutzend Familien profitieren allein dort von dem Angebot, das wochentags von morgens bis mittags besteht. Die Zentren werden vorwiegend von den Eltern aus der Gemeinde sowie professionellem Betreuungspersonal betrieben und sind eng mit dem Alltag der Menschen verknüpft.
In Ruanda gibt es 115 solcher Förderungszentren, die insgesamt 1.279 Kinder betreuen und 908 Familien unterstützen. Denn neben frühkindlicher Entwicklung durch Spiel, Sport oder Gesang stehen hier auch Themen rund um ausgewogene Ernährung und Hygiene sowie die Elternbildung auf dem Programm.
„Die Kinder finden ihre Lebensfreude und stärken ihre psychische Gesundheit.“
Judith, eine Betreuerin aus Bugesera, hat bemerkenswerte Veränderungen bei den jungen Schützlingen in ihrem Förderzentrum beobachtet: „Einige Kinder kamen hier hoffnungslos, schüchtern und schweigsam an“, erinnert sich die 41-Jährige. „Mit lokal hergestelltem Spielzeug und verschiedenen Aktivitäten finden sie ihre Lebensfreude und stärken ihre psychische Gesundheit.“ Und sie ergänzt, dass die Kinder, die in diesem Zentrum betreut werden, selbstbewusster, kontaktfreudiger und lernbegieriger werden. Solche Fortschritte ermutigten sie, ihre Arbeit als Betreuerin fortzusetzen.
Für die Menschen in den Distrikten Bugesera und Gatsibo stellen die Zentren eine wichtige Einrichtung zur Förderung der Entwicklung ihrer Kinder dar und sie tragen gleichzeitig zur Stärkung der elterlichen Fürsorge sowie Stabilität der Haushalte bei. „Irerero“ nennen sie ihre Kinderzentren – ein Wort aus der lokalen Sprache Kinyarwanda, das einen „sicheren Ort“ umschreibt, an dem Kinder betreut und großgezogen werden.
Ein sicherer Ort, an dem Kinder betreut und großgezogen werden
Die Zentren dienen zudem als Lernorte für Eltern, von denen viele Kleinbauern sind, die lange Arbeitstage mit familiären Verpflichtungen in Einklang bringen müssen. Im Rahmen des Programms erhalten die Erwachsenen Beratung zu guter Ernährung, Hygiene sowie der Frage, was es bedeutet, Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen – allesamt Themen, von deren Bedeutung einige vor ihrer Teilnahme kaum etwas gewusst haben.
So zum Beispiel auch Marie Jeanne, die sagt, sie habe Mühe gehabt, dem Wohlergehen ihrer Kinder neben der Arbeit auf dem Feld Priorität einzuräumen. Die 28-jährige Mutter gibt zu, dass sie kaum darauf geachtet habe, was sie für ihre Kinder zubereitete.
„Ich habe nicht darauf geachtet, was meine Kinder aßen. Das hat sich negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt.“
„Ich habe nicht besonders darauf geachtet, was meine Kinder aßen, und wir haben ihnen auch nicht genug Zeit gewidmet“, sagt Marie Jeanne. „Das hat sich negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt, wie ich später in unserem Irerero erfahren habe.“
Nachdem andere Betreuerinnen aus dem Kindergarten bei der jungen Mutter Hausbesuche durchgeführt haben, schloss sich Marie Jeannes Familie ebenfalls dem gemeinschaftlich geführten Zentrum an. Über die Ernährungsaufklärung hinaus werden den Eltern in den Zentren praktische Lösungen für die Versorgung ihrer Kinder nahegebracht. Sogenannte Hausgärten bieten beispielsweise eine leicht zugängliche Quelle für nahrhafte Nahrungsmittel und dienen dadurch der Bekämpfung von Unter- und Fehlernährung.
Das Hausgartenprogramm fördert ganz nebenbei die wirtschaftliche Stabilität der Familien, die sich parallel in Spargruppen organisieren. Die teilnehmenden Eltern zahlen wöchentlich kleine Beträge in eine Gemeinschaftskasse ein. Diese bietet den Gruppenmitgliedern eine Art Sparmechanismus, bei dem gegen einen überschaubaren Zinssatz Mikrokredite für Investitionen vergeben werden.
Das Wohlergehen der Kinder im Blick und Ressourcen für die Zukunft planen
In Gatsibo haben die Mitglieder derzeit Ersparnisse von 46.000 Ruanda-Franc (etwa 27,- Euro) pro Person aufgebaut. Das ist viel Geld für Menschen, die in der Landwirtschaft umgerechnet im Durchschnitt 0,30 Euro pro Stunde verdienen. Die Mitglieder des Sparclubs nutzen die eingezahlten Mittel, um kleine Unternehmen zu gründen, beispielsweise durch Investitionen in Vieh oder die Herstellung handwerklicher Produkte, um dadurch das Familieneinkommen zu erhöhen.
Über die finanziellen Strukturen hinaus dienen die Spargruppen als regelmäßige soziale Treffpunkte, bei denen Eltern Erfahrungen austauschen, ihr Wissen rundum das Wohlergehen der Kinder vertiefen und Möglichkeiten für eine weitergehende Verbesserung des familiären Zusammenhalts erkunden.
Dieser Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Ruanda aufgeschrieben.