Anwältin für den Frieden
Sie gilt als eine der ärmsten Regionen Kolumbiens, die Provinz Cauca im Südwesten des Landes. Inmitten artenreicher Natur wuchs Yadis auf – in einem Departamento, dessen Bevölkerung vor allem vom Anbau von Bananen, Kaffee, Mais und Zuckerrohr lebt. „Was ich an meiner Gemeinde liebe, ist ihre Vielfalt – sowohl in der Natur als auch im Miteinander der Menschen“, sagt Yadis.
Trotz der Herausforderungen, die bewaffnete Konflikte zwischen Rebellengruppen, Paramilitärs und Drogenkartellen seit den 1960er-Jahren mit sich bringen, zeigen die Menschen im Alltag viel Solidarität untereinander. Das stärkt ihre Widerstandskraft und ist besonders für die Kinder wichtig, die dort aufwachsen. Denn wo Gewalt um sich greift, braucht es Strategien, um Bildung, Schutz und soziale Teilhabe zu sichern. Schulen, Nachbarschaftstreffs sowie lokale Organisationen werden zu Orten, an denen Mädchen und Jungen lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und an der Seite dieser Kinder bleibt – quasi als Mentorin – die heute 23-jährige Yadis.
Von der Geförderten zur Fürsprecherin
Schon als junges Mädchen lernte die Jugendaktivistin ihre Rechte kennen. Im Rahmen der Patenschaftsprogramme von Plan International wurde Yadis klar, dass Gesundheit, Bildung oder der Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch keine Gefälligkeiten, sondern verbriefte Kinderrechte sind. In Jugendforen engagierte sie sich für die Verteidigung der Kinderrechte ebenso, wie später als Gemeindevertreterin für Teilhabe und Chancengleichheit.
„Wir müssen friedliche Räume schaffen, in denen junge Menschen ihr Potenzial entfalten können.“
Yadis arbeitet heute als Juristin und berät öffentliche Dienste. Ihr Fokus liegt dabei auf dem Schutz von Kindern vor Rekrutierung im bewaffneten Kampf und Gewalt sowie der Stärkung ihrer Mitspracherechte. Und das ehemalige Plan-Patenkind wird nicht müde zu betonen, wie wichtig alternative Angebote sind, um der Gewalt in dem südamerikanischen Land etwas entgegenzusetzen: Gute Bildung, kulturelle Angebote sowie die Stärkung sozialer Organisationen fördern den Umgang mit den schädlichen Folgen von bewaffneten Konflikten. „Wir müssen friedliche Räume schaffen, in denen junge Menschen ihr Potenzial entfalten können“, sagt Yadis.
Kunst als Mittel für die Mitgestaltung
Über das Projekt „Kunst für den Frieden“, das Plan International seit 2019 in Kolumbien unterstützt, ist Yadis auch heute noch mit der Kinderrechtsorganisation verbunden. Bei diesem bürgerschaftlichen Engagement werden Frieden und Erinnerungskultur über Kunst und Kultur vermittelt. Über 10.000 Menschen in den kolumbianischen Konfliktregionen haben bislang daran teilgenommen. Yadis arbeitet dort als juristische Beraterin und Trainerin von Gemeindeorganisationen mit.
In dem Kunstprojekt nutzen die jungen Teilnehmenden verschiedene Ausdrucksformen wie Malerei, Musik und Performance, um ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Perspektiven auf das Aufwachsen in einer konfliktreichen Umgebung sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um künstlerische Kreativität, sondern auch um die kollektive Verarbeitung von Alltagssituationen. Soziale Bindungen sollen gestärkt werden, damit schon Kinder und Jugendliche lernen, gemeinsam Verantwortung für eine friedliche Zukunft zu übernehmen. Diese Formen der Mitgestaltung schaffen Räume der Solidarität, in denen junge Menschen ihre Stimme einbringen, einander unterstützen und aktiv zu einem friedlicheren Miteinander beitragen.
„Kinder und Jugendliche sind Ziel von Anwerbungsversuchen bewaffneter Gruppen und Mädchen besonders von sexualisierter Gewalt bedroht.“
„Jede Altersgruppe erlebt die Folgen des Konflikts anders“, erklärt Yadis. „Kinder wachsen oft ohne sichere Räume auf, Jugendliche sind Ziel von Anwerbungsversuchen bewaffneter Gruppen und Mädchen besonders von sexualisierter Gewalt bedroht.“ Für Mädchen und Jungen bedeutet dagegen Frieden, dass ihre Rechte gesichert sind und sie ihren Alltag ohne Angst gestalten können.
Yadis’ Engagement zeigt, dass Jugendliche nicht nur Betroffene schwelender Konflikte, sondern auch aktiv Gestaltende ihrer Lebensräume sind. Durch Kunst machen sie ihre Erfahrungen sichtbar und entwickeln Friedensräume. „In meine Gemeinde zurückzukehren bedeutet, anderen Menschen zu zeigen, dass Veränderung möglich ist“, sagt Yadis.
Dieser Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Kolumbien aufgeschrieben.