Kinderschutz muss Behinderungen mitdenken

Foto: Plan International

Die Gewalt durch terroristische Gruppen in Burkina Faso nimmt immer weiter zu. Millionen von Menschen – darunter viele Kinder und Frauen – flüchten und werden zu Vertriebenen im eigenen Land. Ihre Bedürfnisse sind komplex und vielfältig. Kinder mit Behinderungen dürfen dabei nicht vergessen werden.

Der sechsjährige Rahim kann weder sprechen noch laufen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er versteckt im Haus seiner Eltern. Kinder, die wie Rahim mit einer Behinderung leben, werden in Burkina Faso aufgrund traditioneller Überzeugungen und mangelnder Informationen häufig diskriminiert – ihre Geburt wird für die Familien als Schande angesehen, sogar als Bestrafung. Als Rahim geboren wurde, sagt seine Mutter Assetou, habe er wie jedes andere Neugeborene ausgesehen. Erst mit der Zeit habe sie festgestellt, dass sich Rahim nicht so schnell entwickelte wie andere Kinder in seinem Alter. „Es dauerte lange, bis er sich selbstständig aufsetzen könnte. Er musste auch lange Zeit gefüttert werden“, berichtet sie.

Eine Frau hat einen Jungen auf dem Schoß und ein weiteres Kleinkind steht daneben und hält dem Jungen die Hand hin
Assetou mit Rahim (rechts) und seinem Bruder (links) im Geflüchteten-CampPlan International

Assetou und ihr Mann flohen mit Rahim und seinen Geschwistern wegen der bewaffneten Konflikte und der unsicheren Lage aus ihrem Heimatdorf in der Region Centre-Nord: „Bei einem Angriff in unserem Dorf wurden Menschen getötet“, erzählt sein Vater Zakaria. Die Familie lebt nun in einem Camp für Binnenvertriebene in der Provinz Bam. „Wir kamen mit einem Karren, dachten, wir würden vielleicht in einem anderen Dorf bleiben können. Doch wir mussten unseren Weg fortsetzen und haben schließlich hier Zuflucht gefunden.“

Inklusive Schutzräume für Kinder mit und ohne Behinderung

Plan International arbeitet in dem Camp, in dem Rahims Familie lebt. Wir bieten Schutz, Bildung und Aufklärung, Hygienemöglichkeiten sowie finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus stellen wir kinderfreundliche Schutzräume zur Verfügung, sowohl für Binnenvertriebene als auch für Kinder aus den umliegenden Gemeinden. Diese sollen die Integration der schwächsten Kinder erleichtern, indem wir sicherstellen, dass unsere Spielaktivitäten inklusiv sind und auf die Bedürfnisse aller zugeschnitten. Wir ermitteln auch Kinder, die das Plan-Zentrum noch nicht besuchen, und ermutigen ihre Eltern, sie an den angebotenen Aktivitäten teilnehmen zu lassen.

Ein Junge sitzt auf dem Boden und spielt mit bunten Holzklötzen
Rahim spielt mit bunten Holzklötzen.Plan International
Ein Junge sitzt auf dem Boden, schlägt auf Bongo-Trommeln und schaut lachend in die Kamera
Rahim lernt zu Trommeln und freut sich über die Gemeinschaft und die Töne, die das Instrument macht.Plan International

„Bei der Anmeldung waren viele Eltern und Kinder da“, berichtet Adèle Sawadogo-Zoungrana, die an den kinderfreundlichen Aktivitäten mitwirkt. Neben dem Angebot von Spielen besteht Adèles Arbeit auch darin, Aufklärungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen mit Eltern und Kindern zu bestimmten Themen durchzuführen. „Einer unserer Kollegen sah Rahim, der sehr isoliert war, versteckt hinter einem Zelt. Wir versuchten, die Situation zu verstehen. Die Eltern schämten sich für Rahim und taten alles, was sie konnten, um ihn zu verstecken. „Unsere Psychologin hat mit seinen Eltern gesprochen – und es hat etwas bewirkt. Denn als wir danach mit den Kindern spielten, brachte Rahims Mutter ihren Sohn mit“, erzählt Adèle. Rahim besucht nun regelmäßig das kinderfreundliche Plan-Zentrum. Seine Eltern nehmen wahr, wie sehr er diese Zeit genießt und wie das Zusammensein mit anderen Kindern seine Entwicklung fördert.

„Rahim hatte solche Angst vor der Außenwelt. Jetzt ist er so gut integriert, dass er keine Angst mehr hat – sondern Spaß.“

Assetou, Rahims Mutter
Ein Mann und eine Frau haben jeweils ein Kind auf dem Schoß, der Mann schaut zu dem Kind auf dem Schoß der Frau und lacht. Ein Mädchen steht zwischen den beiden.
Die Familie ist glücklich.Plan International

„Rahim ist zufriedener“, sagt seine Mutter Assetou. „Als wir noch im Dorf lebten, wollten wir nicht einmal, dass er aus dem Haus geht. Auch, weil er solche Angst vor der Außenwelt hatte. Jetzt ist er so gut integriert, dass er keine Angst mehr hat – sondern Spaß.“

Die Mitarbeiter:innen des kinderfreundlichen Zentrums verbringen viel Zeit mit Rahim und helfen ihm, sich sicher und geborgen zu fühlen. „Wir können Rahim nicht zum Fußballspielen auffordern. Während die anderen Kinder mit den Bällen spielen, gibt es aber andere Aktivitäten, die Rahim mag und die wir mit ihm machen können", erklärt Adèle. „Kinder, die mit einer Behinderung leben, brauchen Zuneigung und Aufmerksamkeit.“

Auch Rahims Eltern sind für ihren Sohn und seine besonderen Bedürfnisse sensibilisiert und für ihn da. „Wir erziehen ihn mit viel Zärtlichkeit. Wir wollen ihm so viel Liebe geben, dass er diese Liebe spürt und merkt, dass wir ihn verstehen.“

Die Geschichte von Rahim und seiner Familie wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Burkina Faso aufgeschrieben.

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