„Die Heirat hat mir nichts gebracht“

Foto: Karoliina Paatos

Mit 14 Jahren heiratet Catherine – aus Armut. Sie bricht die Schule ab und kämpft heute um die Versorgung ihrer Kinder. Für diese wünscht sich die zweifache Mutter eine bessere Zukunft.

 

Ein Feuer entflammt in den trockenen Zweigen, die Catherine auf einer Kochstelle vor ihrer Hütte angehäuft hat. Im Hintergrund ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Der Wind, der ein Gewitter ankündigt, wirbelt roten Sand auf und facht zugleich die Flammen an. Die 18-Jährige geht mit Bedacht zu Werke, da sich ihre Tochter Peace (1) an ihr Bein klammert und ihr Erstgeborener Frank (3) um die Feuerstelle tobt.

Bald brodelt Wasser in einem Topf über offenem Feuer. Catherine rührt Maismehl hinein, und „Posho“, ein dickflüssiger weißer Brei, gart darin. Er ist hier im Osten von Uganda ein Grundnahrungsmittel für die Kinder und wird sowohl zu Hause als auch an den Schulen serviert.

Eine Frau in buntem Kleid schüttet ein weiß-gelbes Mehl in einen Kochtopf auf offenem Feuer.
Die zweifache Mutter Catherine (18) ist für den Haushalt und die Versorgung ihrer Kinder verantwortlich Karoliina Paatos

Wäre ihre eigene Kindheit anders verlaufen, dann könnte Catherine jetzt in diesem Augenblick selbst in einer Schulkantine „Posho“ und Bohneneintopf essen. Vielleicht würde sie sich gerade auf ein naturwissenschaftliches Studium vorbereiten, denn in der Schule liebte sie die Naturwissenschaften. Stattdessen ist die zweifache Mutter nun dafür verantwortlich, ihre beiden Kinder und ihren Mann zu versorgen sowie sich von morgens bis abends um den Haushalt zu kümmern.

Die Corona-Pandemie unterbrach den Schulbesuch und bremste Zukunftspläne

Catherines Schulbesuch nahm 2020 ein jähes Ende, als sich das Coronavirus weltweit ausbreitete. In vielen Ländern wurden die Schulen vollständig geschlossen – darunter auch hier in ihrer Heimat Uganda, wo nur wenige Kinder Zugang zu Fernunterricht hatten. In dem ostafrikanischen Land blieben die Schulen vielmehr länger geschlossen als in jedem anderen Staat: von Februar 2020 bis Oktober 2021.

Infolge der Schließung brach schätzungsweise jedes zehnte ugandische Kind seinen Schulbesuch endgültig ab – darunter auch die damals 14-jährige Catherine. „Wir konnten uns die Gebühren nicht mehr leisten“, sagt Catherine.

Eine Frau in buntem Kleid und mit einem Kleinkind auf dem Rücken gebunden tritt aus einer Hütte aus Ziegeln nach draußen.
Mit ihrem Erstgeborenen Frank (3) in einem Tuch auf den Rücken gebunden erledigt Catherine die Hausarbeit Karoliina Paatos

„Wir konnten uns die Schulgebühren nicht mehr leisten.“

Catherine (18), zweifache Mutter aus dem ugandischen Kamuli
Im Schatten eines Obstbaums sind die Umrisse von zwei Personen zu erkennen.
Catherine (l.) und ihr Bruder Emmanuel (19) pflücken Obst Karoliina Paatos
Eine Frau in bunt gemustertem Kleid steht auf einem sandigen Platz vor einer runden Hütte aus Lehm.
Mehrere kleine Gebäude aus Lehmziegeln stehen auf dem Hof, den Catherine (Mitte) im Osten von Uganda bewirtschaftet Karoliina Paatos

Damals wurde die Familie noch von Catherines Großmutter unterstützt, die sich um sie und ihren ein Jahr älteren Bruder Emmanuel kümmerte. Die Großmutter baute Gemüse an und verkaufte es auf dem Markt. Doch sowohl die Ernten als auch das Einkommen fielen gering aus und waren unregelmäßig. Auch hier, in den ländlichen Gemeinden von Kamuli, sind die Folgen des Klimawandels immer stärker spürbar. Vor allem Dürren führen vermehrt zu Ernteeinbußen.

Wo Krankheiten und Drogensucht Armut verschärfen

Doch weitere Schicksalsschläge belasten die Familie: Catherines Oma war HIV-positiv und litt zudem an Krebs, ihr Bruder Emmanuel hatte genau wie seine Schwester die Schule unfreiwillig abgebrochen – und irgendwann angefangen, Drogen zu nehmen. Er wurde straffällig. Das Einkommen der Familie reichte nicht einmal aus, um die Grundbedürfnisse wie ausreichend Nahrung, Seife oder neue Bekleidung zu decken.

„Ich dachte, dass mein Partner mir ein besseres Leben bieten könnte.“

Catherine (18), zweifache Mutter aus dem ugandischen Kamuli

„Ich habe mich schlecht gefühlt“, erinnert sich Catherine. „Ich vermisste die Schule und saß einfach gelangweilt rum, nachdem die Hausarbeit erledigt war. Als mein Partner mich fragte, ob ich ihn heiraten wolle, dachte ich, er könnte mir ein besseres Leben bieten.“

Damals hatte der 16-jährige Bräutigam durch eine Zuckerrohrernte Geld verdient und seiner 14-jährigen Braut den Eindruck vermittelt, wohlhabend zu sein. „Ich fühlte mich auch zu ihm hingezogen und wollte heiraten“, sagt Catherine. Das junge Paar geht eine informelle Ehe ein und lässt sich auf dem Hof von Catherines Großmutter nieder, der aus mehreren kleinen Gebäuden besteht – allesamt ohne Strom oder fließendes Wasser.

Eine Frau hält ein kleines Kind im Arm und steht auf dem sandigen Vorplatz einer Hütte aus Lehmsteinen.
Mit einer Teenager-Schwangerschaft brachte Catherine (18) ihren Sohn Frank (3) zur Welt Karoliina Paatos

Obwohl die Gesetzgebung Ehen von Kindern unter 18 Jahren verbietet, sind frühe Heirat und Teenager-Schwangerschaften in Uganda nach wie vor verbreitet, insbesondere in ländlichen Gemeinden. In der Region Kamuli herrscht traditionell die Überzeugung vor, dass es gut für ein Mädchen sei, gleich nach Beginn seiner Menstruation zu heiraten.

Doch allmählich findet auch auf dem Land ein Umdenken statt – befördert durch die Aufklärungsarbeit von Organisationen wie Plan International. An Schulen informieren Fachleute beispielsweise über die Gefahren früher Mutterschaft und in Gesundheitszentren wird die Sexualaufklärung verstärkt. Gesellschaftliche Einstellungen wandeln sich indes nur langsam: Noch immer heiratet jedes dritte ugandische Mädchen vor seiner Volljährigkeit. Catherine gehört sogar zu den sieben Prozent jener jungen Frauen in Uganda, die schon vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet werden.

Eine junge Frau in buntem Kleid steht mit geschulterter Spitzhacke vor einer Hütte aus Lehmziegeln.
Für den Lebensunterhalt ihrer Familie arbeitet Catherine auf den Feldern, die zum Hof gehören Karoliina Paatos

Inzwischen ist der Maisbrei verzehrt und das Ofenfeuer erloschen. Catherine sitzt in der Tür ihres Hauses aus Ziegeln und Lehm und ruht sich von der Feld- und der Hausarbeit aus. Der staubige Stoff, der den Eingang schützt, flattert im Wind, der noch immer aus der Ferne weht. Ihre Kinder Peace und Frank schlafen drinnen mittlerweile in eine Decke gewickelt.

Kinderheirat und frühe Mutterschaft fesseln ans Zuhause

Der Vater der Kinder – Catherines Mann – ist nicht anwesend. Sie weiß nicht genau, wo er sich aufhält. Das Eheleben verläuft nicht so, wie Catherine es sich vor vier Jahren erhofft hatte. „Die Wurzel unseres Unglücks ist die Armut. Mein Mann versorgt mich weder mit Essen noch mit Kleidung, und ich kann es mir nicht einmal leisten, mir die Haare flechten zu lassen“, sagt sie und streicht sich über ihren rasierten Kopf.

„Mein Mann versorgt mich weder mit Essen noch mit Kleidung.“

Catherine (18), zweifache Mutter aus dem ugandischen Kamuli

Catherine hat keinen festen Job, weil ihre kleinen Kinder sie an ihr Zuhause binden. Auch verfügt sie nicht über die beruflichen Fähigkeiten, die eine Ausbildung mit sich brächte. Sie lebt einzig von dem, was sie zusammen mit ihrem Bruder auf den Feldern erwirtschaftet und verkauft. Wenn sie Zeit hat, backt Catherine Mandazi-Brot, ein luftiges Gebäck, um es ebenfalls auf den Markt zu bringen. Ihr Bruder Emmanuel hat derweil mit den Drogen aufgehört und möchte die Familie seiner Schwester stärker unterstützen.

Das ehemalige Familienoberhaupt – ihre Großmutter – ist vor einem Jahr verstorben. Ihr Grab befindet sich am Rande des Hofes, den nun Catherine mit ihrem Bruder führt. Oft sitzt Catherine am Grabstein, um ihrer geliebten Großmutter zu gedenken, die immer ein offenes Ohr für ihre Enkelin hatte – auch in der Zeit ihrer frühen Mutterschaft.

Eine Frau in bunt gemustertem Kleid sitzt auf der steinernen Platte eines Grabes inmitten von Gestrüpp auf sandigem Boden.
Regelmäßig besucht Catherine die Grabstätte ihrer Großmutter Karoliina Paatos

Als 15-jähriges Mädchen Mutter werden

Catherine wurde kurz nach ihrer Heirat, im Alter von erst 15 Jahren Mutter. Sie hatte nie etwas von Verhütung, Sex oder Familienplanung gehört – und wurde von ihrer eigenen frühen Schwangerschaft überrascht. „Ich wusste absolut nichts über die Geburt. Es war ein Schock.“

Heute weiß Catherine einiges über sexuelle und reproduktive Gesundheit. Sie hat an Treffen der Jugendgruppe von Plan International teilgenommen. Jamira, eine junge Plan-Aktivistin und Jugendausbilderin aus dem Dorf, hat sie und andere junge Menschen über Themen wie körperliche Selbstbestimmung, Menstruationshygiene und die Förderung der frühkindlichen Entwicklung aufgeklärt.

Catherine schaut inzwischen regelmäßig mit ihren Kindern bei einer von Plan International unterstützten Klinik vorbei, wo sie Unterstützung, Antworten auf ihre Fragen und Verhütungsmittel erhält, die die junge Mutter mittlerweile anwendet. Catherine ist der Meinung, dass zwei Kinder vorerst die richtige Anzahl sind.

„Heiraten und Kinder bekommen sollte man mit 20 oder 30. Nicht früher!“

Catherine (18), zweifache Mutter aus dem ugandischen Kamuli
Zwei Erwachsene stehen auf sandigem Boden vor einer Steinhütte, beide halten ein Kleinkind im Arm.
Emmanuel (19, l.) hat mit dem Drogenkonsum aufgehört und unterstützt seine Schwester Catherine bei der Hausarbeit Karoliina Paatos

Ihren Traum von einer schulischen Ausbildung und einer wissenschaftlichen Berufslaufbahn hat die zweifache Mutter inzwischen zugunsten einer praktikableren Zukunftsidee aufgegeben: Catherine möchte Friseurin werden, weil sie geschickt mit den Händen ist und schöne Dinge mag. Die Nachfrage wäre garantiert, da dekorative Zöpfe in ihrer Gemeinde beliebt sind. Etwas, das Catherine selbst gerne hätte.

Allerdings wird eine solche Berufsausbildung nur weit weg von ihrem Dorf angeboten, und Catherine hat niemanden, der sich während der Schulzeit um ihre beiden Kinder kümmern könnte. „Ich denke oft über die Zukunft meiner Kinder nach. Wenn ich selbst keine Ausbildung machen kann, möchte ich sie zumindest meinen Kindern ermöglichen. Es wäre toll, wenn das eine Mechaniker und das andere Ärztin werden könnte.“
Egal, wie es für die junge Familie in Zukunft weitergeht, eines will Catherine ihrer Tochter Peace mit auf den Lebensweg geben: „Heiraten und Kinder bekommen sollte man mit 20 oder 30. Nicht früher!“

Mit einer Patenschaft helfen

In Uganda schützt und stärkt Plan International Jugendliche, insbesondere Mädchen. Im Dialog mit den Gemeinden werden Tabus aufgebrochen und lebenswichtige Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, Menstruationshygiene sowie Geschlechtergerechtigkeit geteilt. Kinder erhalten einen besseren Zugang zu inklusiver und qualitativ hochwertiger Bildung. Auch die berufliche Bildung wird gefördert, um nachhaltige Wege aus finanzieller Unsicherheit zu ebnen.

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