Mit Sonnenkraft gegen Klischees

Foto: Ernesto Rivas

In der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo erwerben junge Frauen technisches Know-how im Bereich Solarenergie – einem Berufsfeld, das bislang vor allem männlich geprägt ist

Wie können junge Frauen zu technischen Berufen finden, wenn diese traditionell kaum für sie vorgesehen sind? In der Dominikanischen Republik stehen viele junge Frauen vor genau dieser Frage. Der Einstieg in Berufe wie etwa in der Elektrizitäts- oder Energiebranche wird ihnen erschwert, da diese traditionell männlich geprägt sind. Doch der wachsende Sektor der erneuerbaren Energien braucht gut ausgebildete Fachkräfte. An dieser Schnittstelle setzt „Solar Girls“ an, ein Projekt von Plan International in Zusammenarbeit mit Fundación Abriendo Camino und der Nature Power Foundation

Fundación Abriendo Camino begleitet als lokale Partnerorganisation die jungen Frauen und die technische Ausbildung im Projekt. Die Nature Power Foundation bringt fachliche Expertise im Bereich Solarenergie ein und unterstützt die Qualifizierung im erneuerbaren Energiesektor.

Eine junge Frau sitzt an einem Arbeitstisch und bearbeitet mit einer Zange ein Kabel; sie trägt ein Projekt‑T‑Shirt und konzentriert sich auf die praktische Übung.
Mit Werkzeugen aus der Solartechnik vertieft eine Teilnehmerin ihre technischen Fähigkeiten Ernesto Rivas
Hände einer Projektteilnehmenden, die Kabel miteinander verbindet; auf dem Tisch liegen ein Messgerät und weitere elektronische Komponenten aus der praktischen Ausbildung.
Eine Teilnehmerin verbindet Kabel und misst elektrische Werte. Die praxisnahen Übungen helfen, theoretisches Wissen direkt anzuwenden Ernesto Rivas

Solar Girls: So verbindet das Projekt technische Ausbildung mit persönlicher Entwicklung

„Solar Girls“ ist Teil der Initiative „Green Future – The Future of Youth is Green” („Die Zukunft der Jugend ist Grün“), die darauf abzielt, jungen Menschen Zugang zu Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im Bereich des Umweltschutzes zu verschaffen. Das Projekt kombiniert theoretische Schulungen mit praktischen Workshops zur Installation und Wartung von Solaranlagen. Ergänzt wird das technische Training durch Praktika, Persönlichkeitsentwicklung und Workshops zu sogenannten Soft Skills wie Kommunikation, Empathie und Führung. Ziel ist es, jungen Frauen ganzheitliche Kompetenzen zu vermitteln und ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt der erneuerbaren Energien zu erleichtern. 

Partnerschaft auf Augenhöhe

Melissa Fermín von der Fundación Abriendo Camino, sagt über ihre Arbeit als technische Trainingskoordinatorin im Projekt: „Die Mitarbeit ist faszinierend und bereichernd. Es inspiriert mich, die Entwicklung und Stärkung junger Menschen aus meiner Gemeinde zu ermöglichen, die nach einem Weg suchen, voranzukommen.“ Sie betont außerdem die Bedeutung der Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen: „Die Synergieeffekte sind von unschätzbarem Wert.“ Denn damit „Solar Girls“ wirken kann, braucht es starke Partner:innen mit unterschiedlichen Kompetenzen. 

So bringt Plan International unter anderem die langjährige Erfahrung in der Arbeit mit jungen Menschen und in der Förderung von Chancengleichheit ein. Die lokalen Partnerorganisationen ergänzen auf Augenhöhe – sie kennen den Arbeitsmarkt und die Bedürfnisse vor Ort genau. So können Bildungsangebote entwickelt werden, die fachlich fundiert sind und zugleich die Lebensrealitäten der Teilnehmerinnen berücksichtigen. Die Stärke des Projekts, sagt Melissa Fermín, liege im ganzheitlichen Ansatz, der technische Ausbildung, persönliche Entwicklung und soziale Aspekte verbinde. 

Eine erwachsene Frau sitzt in einem Schulungsraum vor einer Tafel mit elektrischen Schaltplänen und begleitet die technische Ausbildung im Solar‑Girls‑Projekt.
Als Teil des „Solar Girls“‑Projekts begleitet Melissa Fermín die technische Ausbildung und unterstützt die Teilnehmerinnen fachlich und pädagogisch Ernesto Rivas

„Solar Girls ist aufgrund seines ganzheitlichen Ansatzes ein einzigartiges Projekt.“

Melissa Fermín, Trainingskoordinatorin „Solar Girls“
Eine junge Frau sitzt auf einem Hocker vor einer Tafel mit elektronischen Schaltzeichnungen; der Raum ist als Technik‑ und Lernumgebung mit Geräten und Unterrichtsmaterial erkennbar.
Melany sitzt im Schulungsraum vor einer Tafel mit Schaltplänen. Theorieunterricht und Praxis greifen im „Solar Girls“-Projekt eng ineinander Ernesto Rivas
Nahaufnahme von Händen, die mit einem Schraubenzieher an einem kleinen elektronischen Bauteil arbeiten; Messkabel und ein Smartphone liegen auf einem Tisch, der als Übungsfläche dient.
Praktische Übung in der Solartechnik: Die Projektteilnehmerinnen lernen, elektronische Bauteile zu prüfen und fachgerecht zu bearbeiten – ein zentraler Bestandteil der technischen Ausbildung bei „Solar Girls“ Ernesto Rivas

So erleben die Teilnehmerinnen den Einstieg in die Solarenergie

Für Melany war die Teilnahme an dem Projekt von einer Frage geprägt: „Ich dachte: ‚Wie kann eine Frau einen Männerjob machen?‘ Dann habe ich beschlossen, es einfach zu tun.“ In den Schulungen von „Solar Girls“ veränderte sich Schritt für Schritt ihre Sichtweise: „Anfangs war ich verwirrt darüber, wie die Sonne in Energie umgewandelt wird“, sagt sie. „Aber der Kurs hat mir geholfen, das zu verstehen.“ Wichtig waren für sie zudem die begleitenden Workshops, die über Technik hinausgehen: „Sie haben die Art und Weise verändert, wie ich mich anderen gegenüber ausdrücke, und ich konnte meine Führungsqualitäten entwickeln.“

Melany hat große Pläne. Sie möchte Elektrotechnik an der Universität studieren. Ihre Erfahrung bei „Solar Girls“ beschreibt sie als bestärkend: 

„Ein Mann kann das machen, und eine Frau auch.“

Melany, Projektteilnehmerin
Zwei junge Frauen arbeiten gemeinsam in einem Schulungsraum an elektronischen Geräten; sie tragen Projekt‑T‑Shirts und nutzen Werkzeuge, während im Hintergrund Regale mit Technikmaterial zu sehen sind.
Nicole (l.) und Lizmery (r.) arbeiten zusammen an technischen Aufgaben und sammeln praktische Erfahrung im Umgang mit Werkzeugen und Geräten Ernesto Rivas

Wie „Solar Girls“ den Alltag junger Frauen nachhaltig verändert

Für Nicole war ihre Teilnahme an dem Projekt ein Wendepunkt. „Meine Erfahrung war einzigartig. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viele Solarmodule zusammenbauen oder sie einer Drehmomentprüfung unterziehen würde“, sagt sie. Die praktischen Aufgaben hätten ihr geholfen, sich im Berufsfeld sicherer zu fühlen. „Auch wenn ich vor Herausforderungen stand, habe ich mich nie entmutigen lassen.“ Ihre Botschaft an andere Mädchen ist einfach, aber kraftvoll: „Mach weiter, und wenn du hinfällst, steh wieder auf. Du kannst es, denn ich habe es geschafft, und wenn ich es kann, kannst du es auch.“

Auch Lizmery spricht von konkreten Veränderungen. „Früher war ich unbeständig und habe nicht zu Ende gebracht, was ich angefangen habe. Aber jetzt bin ich leidenschaftlicher und bestrebt, mich jeden Tag zu verbessern“, sagt sie. Besonders bedeutsam seien für sie die neuen Kompetenzen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz: „Die Fähigkeiten, die ich entwickelt habe, bedeuten, dass ich zum Schutz der Umwelt beitragen kann.“ Gleichzeitig habe sie erfahren, wie wichtig es sei, andere junge Frauen zu ermutigen, ihren eigenen Bildungsweg zu gehen: „Ich möchte andere Frauen motivieren, neue Dinge zu lernen und Risiken einzugehen. Nichts im Leben ist einfach, aber alles summiert sich – jedes gewonnene Wissen ebenfalls.“

Porträt einer weiteren Projektteilnehmenden im Schulungsraum; sie sitzt vor einer beschrifteten Tafel mit Schaltplänen und trägt ein T‑Shirt des Ausbildungsprogramms.
Lizmery sitzt im Schulungsraum, der Platz für Theorie, Austausch und praktische Ausbildung im Bereich erneuerbare Energien bietet Ernesto Rivas

In der ersten Projektphase schlossen 32 junge Frauen die Ausbildung erfolgreich ab, 14 von ihnen absolvierten im Anschluss Praktika im Energiesektor. Diese Zahlen zeigen, dass gezielte Programme Barrieren abbauen und konkrete Beschäftigungsperspektiven eröffnen können. Darüber hinaus stärkt „Solar Girls“ weibliche Vorbilder in einem strategisch wichtigen Zukunftssektor. 

Bedeutung über den lokalen Ansatz hinaus

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation sind Frauen weltweit im Bereich erneuerbare Energien deutlich unterrepräsentiert, insbesondere in technischen Berufen. Programme wie „Solar Girls“ leisten einen Beitrag, diese Lücke zu schließen, Fachkräfte für die Energiewende zu gewinnen und gleichzeitig Chancengleichheit zu fördern. Damit wird deutlich: „Solar Girls“ ist mehr als ein lokales Ausbildungsprojekt. Es steht stellvertretend für einen Ansatz, der weltweit an Bedeutung gewinnt – junge Frauen gezielt für Zukunftsbranchen zu qualifizieren und strukturelle Ungleichheiten nachhaltig abzubauen.

Der Artikel wurde mit Material aus dem dominikanischen Plan-Büro erstellt.

Drei junge Frauen stehen und sitzen gemeinsam in einem Schulungsraum; eine Person sitzt auf einem Hocker, zwei weitere stehen unterstützend daneben, im Hintergrund eine Tafel mit technischen Zeichnungen und Geräteausstattung.
Zusammenhalt im Projekt: Lizmery, Melany und Nicole gemeinsam im Schulungsraum Ernesto Rivas

Mädchen gezielt fördern

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