Von der Kraft junger Stimmen
Fatou (26) lebt in Senegal. Als sie die Schule im zweiten Jahr der Sekundarstufe aus finanziellen Gründen verlassen musste, fragte sie sich, welche Möglichkeiten ihr künftig noch offenstehen würden. „Ich dachte, wenn ich die Schule abbreche, würden mich die Menschen in meiner Gemeinde weniger respektieren und die jungen Leute würden mich nicht ernst nehmen“, erinnert sie sich.
Ihre Sorge entstand nicht ohne Grund. In vielen Gemeinden werden wichtige Entscheidungen vor allem von älteren Erwachsenen getroffen, während junge Menschen, insbesondere junge Frauen, oft nur begrenzt Möglichkeiten haben, ihre Perspektiven einzubringen. Auch Fatou konnte sich lange nicht vorstellen, selbst Verantwortung in ihrer Gemeinschaft zu übernehmen.
Für viele junge Menschen können finanzielle Belastungen den Zugang zu Bildung zusätzlich erschweren. Wenn die Kosten für den Schulbesuch nicht getragen werden können, müssen manche ihre Schullaufbahn frühzeitig beenden. Damit verändern sich nicht nur ihre Bildungswege, sondern auch ihre Zukunftsperspektiven.
„Ich dachte, wenn ich die Schule abbreche, würden mich die Menschen in meiner Gemeinde weniger respektieren.“
Wie Fatou neue Möglichkeiten entdeckte
Neue Perspektiven eröffneten sich ihr, als sie einige Zeit nach ihrem Schulabbruch durch eine lokale Partnerorganisation auf ein Projekt zur Jugendbeteiligung aufmerksam wurde. Dort nahm Fatou an mehrtägigen Schulungen und Workshops teil. Sie lernte, vor Gruppen zu sprechen, Projekte zu planen und gemeinsam mit anderen Ideen für ihre Gemeinde umzusetzen. Ziel der Trainings war es, junge Menschen zu ermutigen, sich aktiver an Entscheidungen in ihrem Umfeld zu beteiligen.
„Mir wurde klar, dass ich Dinge anders angehen kann“, sagt sie. Im Austausch mit anderen Jugendlichen wurde Fatou bewusst, welche Herausforderungen es in ihrer Gemeinde gibt: ein Frühförderzentrum, in dem Kinder unter unsicheren und unhygienischen Bedingungen lernten, viele Schulabbrüche sowie frühe Schwangerschaften und Heirat, die insbesondere Mädchen betreffen.
Wie aus einer Idee ein Gemeinschaftsprojekt wurde
Fatou entschied sich, gemeinsam mit anderen aktiv zu werden. Sie brachte junge Menschen zusammen, suchte den Austausch mit lokalen Organisationen und sprach mit Verantwortlichen in ihrer Gemeinde. Gemeinsam entwickelten sie Ideen zur Verbesserung der Situation für Kinder und Jugendliche.
Im Rahmen des Projekts wurde Fatou Mitglied eines lokalen Jugendkomitees und übernahm dort koordinierende Aufgaben. Mit Unterstützung des Projekts und finanzieller Förderung wurde schließlich die örtliche Frühförderungseinrichtung saniert. „Jetzt kommen mehr Kinder zur Schule, die Einrichtungen sind sauber und geeignet, und die Eltern haben mehr Vertrauen“, erklärt sie.
Die Veränderungen wurden auch in der Gemeinde wahrgenommen. Menschen, die der Beteiligung junger Menschen zuvor skeptisch gegenüberstanden, begannen deren Rolle neu zu bewerten. Zudem zeigen Rückmeldungen aus dem Projekt erste Hinweise darauf, dass weniger Kinder die Schule vorzeitig verlassen.
Was sich für junge Menschen in der Gemeinde verändert
Neben den sichtbaren Verbesserungen im Frühförderzentrum hat sich auch die Rolle junger Menschen in der Gemeinde verändert. Fatou übernahm Verantwortung im Jugendkomitee und vertrat die Anliegen junger Menschen gegenüber lokalen Entscheidungsträgern.
Fatou moderiert heute Gespräche zwischen Jugendlichen und lokalen Verantwortlichen und bringt Vorschläge in Gemeindeprozesse ein.
Mit neuen Zielen in die Zukunft
Für Fatou selbst hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Aus einer jungen Frau, die an ihrem Platz in der Gemeinschaft zweifelte, ist jemand geworden, der Verantwortung übernimmt und andere inspiriert.
„Ich bin stolz darauf, als Führungskraft anerkannt zu werden“, sagt sie. „Mein Ziel ist es nun, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln, um meine Karriere voranzutreiben und meiner Gemeinschaft weiterhin zu helfen.“
Die Geschichte von Fatou wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Senegal aufgeschrieben.
Über das Projekt
Das Projekt „Jugendbeteiligung an der lokalen Verwaltung“ von Plan International unterstützt junge Menschen in Senegal dabei, sich aktiv an lokalen Entscheidungen zu beteiligen. In praxisnahen Trainings lernen sie, ihre Anliegen zu formulieren, im Team zu arbeiten und sich mit lokalen Entscheidungsträgern auszutauschen. Außerdem üben sie, Projekte zu planen und Lösungen für Probleme in ihrer Gemeinde zu entwickeln.
Anschließend setzen die Jugendlichen eigene Gemeinschaftsprojekte um, etwa zur Verbesserung von Schulen, frühkindlichen Bildungseinrichtungen oder zur Sensibilisierung in ihren Gemeinden. Dafür erhalten sie kleine Fördermittel sowie fachliche Begleitung durch lokale Partnerorganisationen. Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Stärkung junger Frauen, um ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen zu fördern und ihre Rolle in der Gemeinde langfristig zu stärken.