Der Preis des Regens

Foto: Plan International

Extreme Niederschläge sorgen in Teilen Südamerikas für zerstörerische Überflutungen. Wie sich Gemeinden in Peru auf die Folgen des nächsten El Niño vorbereiten.

Über der Region Piura lacht die Sonne. Doch der blaue Himmel hier im Norden von Peru trügt: Im Nu kann es sich wieder zuziehen und dunkle Wolken bringen dann sintflutartige Regenfälle mit sich. Schien am Morgen noch die Sonne, können abends schon die Straßen überflutet, Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten und der Alltag der Menschen lahmgelegt sein. Die 16-jährige Salomé kennt diese Unwägbarkeiten nur allzu gut.

Sie kann sich noch gut an das letzte El-Niño-Ereignis erinnern, jene Phase von Wetterextremen, die alle zwei bis sieben Jahre vor allem die Regionen in Zentral- und Südamerika betreffen. Für 2026 zeichnet sich ein außergewöhnlich starker El Niño ab. Die Folgen dessen wollen jetzt weder Salomé noch ihre Gemeinde tatenlos abwarten.

Eine junge Frau läuft entlang einer geziegelten Mauer im Sonnenschein.
Trügerischer Sonnenschein: Salomé (16) auf dem Weg zur Schule Plan International
Blick auf eine komplett überflutete sandige Straße zwischen kleinen Ziegelhäusern.
Sintflutartige Regenfälle sorgen in den Gemeinden im Norden von Peru immer wieder für überflutete Straßen Plan International
Blick aus der Vogelperspektive auf eine umgestürzte Brücke in einem Flussbett, umgeben von grünen Hügeln unter einem grauen Himmel.
Nach heftigen Regenfällen war 2023 die Malingas-Brücke in Piura zusammengebrochen. Der Straßenverkehr weicht auf einen provisorischen Damm aus Plan International

„Es schien, als würden die Regenfälle alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellte.“

Salomé (16), Schülerin aus Piura im Norden von Peru

Schon beim letzten Mal führte das Wetterphänomen El Niño zu heftigen Regenfällen in Salomés Viertel und bereitete den Familien große Schwierigkeiten: „Es schien, als würden die Regenfälle alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellte. Manchmal war der Himmel völlig klar, und dann wurde er plötzlich grau", erinnert sie sich. „Einmal schlug ein Blitz ganz in der Nähe meines Hauses ein, was sehr beängstigend war, weil wir das Gefühl hatten, nicht zu wissen, was als Nächstes passieren könnte.“

Wetterextreme sorgen im Norden von Peru immer wieder für Zerstörungen

Wenn es zu Überschwemmungen kommt, bricht in den betroffenen Gemeinden der Alltag zusammen. Straßen werden unpassierbar, Schulen schließen, und Familien kämpfen darum, ihren Alltag zu bewältigen. Das Hochwasser verursacht mehr als nur Schäden an der Infrastruktur. Stehendes Wasser schafft ideale Brutbedingungen für Mücken, was das Risiko für Krankheiten wie Dengue-Fieber erhöht. Familien verbringen ihre Abende damit, sich und ihre Häuser zu schützen.

So auch bei Salomés Familie, für die der Umgang mit den Überschwemmungen eine gemeinsame Herausforderung ist. „Meine Mutter, mein Bruder und ich kümmern uns um das Haus“, erklärt die 16-Jährige. „Die Überschwemmungen hindern uns auch am Lernen. Die Straßen sind blockiert, sodass wir nicht zur Schule gehen können, und viele von uns haben kein Internet für den Online-Unterricht.“

Eine junge Frau und ein junger Mann arbeiten vor einem Haus mit Spaten und schütten einen Erdwall auf.
Salomé (16) und ihr Bruder legen einen Entwässerungsgraben an, um das Risiko einer Überschwemmung ihres Hauses zu minimieren Plan International

„Die Überschwemmungen hindern uns am Lernen. Die Straßen sind blockiert, sodass wir nicht zur Schule gehen können.“

Salomé (16), Schülerin aus Piura im Norden von Peru
Eine junge Frau steht in der Küche an einem Herd und hantiert mit Töpfen.
Die Hausarbeit landet bei Not- und Krisensituationen vermehrt bei Salomé (16) Plan International
Eine junge Frau steht in einem Hausflur und blickt einen Jungen auf einem Fahrrad hinterher.
Salomé (16) kümmert sich zu Hause häufig um ihre jüngeren Geschwister Plan International

Die wiederkehrenden Unterbrechungen der Schulbildung gehören zu den Auswirkungen, die ihr am meisten Sorge bereiten. Zwar betreffen die Folgen von Klimakrise und Wetterextremen ganze Gemeinschaften, Regionen und Länder. Doch Salomé hat beobachtet, dass Mädchen oftmals mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert sind, wenn ihre Familien unter Druck stehen.

In Krisensituationen übernehmen Mädchen oft mehr Aufgaben im Haushalt

Wenn Schulen geschlossen werden und der Alltag stillsteht, wird von Mädchen oft erwartet, dass sie zu Hause mehr Verantwortung übernehmen – beispielsweise, indem sie sich um jüngere Geschwister kümmern oder bei der Hausarbeit helfen. Das kann die Fortsetzung ihrer Ausbildung zusätzlich erschweren.

„Wir Mädchen sind gezwungen, zu Hause zu bleiben und Hausarbeit zu verrichten.“

Salomé (16), Jugendaktivistin aus Piura im Norden von Peru

„In vielen Familien wird in Notsituationen der Fortsetzung des Studiums der Jungen und Männer Vorrang gegeben, während wir Mädchen und Frauen gezwungen sind, zu Hause zu bleiben und Hausarbeit zu verrichten – was unsere Bildung und Entwicklung behindert“, sagt Salomé.

Wenn aus einer Krise eine Notsituation wird

Krisen und Notsituationen wie Überschwemmungen können das Risiko erhöhen, dass vor allem Mädchen und junge Frauen die Schule abbrechen, als Kinderarbeiterinnen tätig werden – und Gewalt erfahren. Schutz und Fürsorge sind daher genauso wichtig wie die Instandhaltung der physischen Infrastruktur.

Eine junge Frau läuft mit Flipflops vor einem Haus im Sand.
Salomé engagiert sich inzwischen in ihrer Gemeinde für die Rechte von Mädchen und Frauen Plan International
Die nackten Füße einer jungen Frau stehen in einer Pfütze im Sand und es regnet.
Salomé hat bereits Überschwemmungen und schwere Notlagen in ihrem Dorf erlebt Plan International
Eine junge Frau steht barfuß vor einem Haus in einer Pfütze im Sand und es regnet.
Salomé hat Angst davor, was alles beim nächsten Wetterextrem El Niño passieren könnte Plan International

„Wir haben bereits eine sehr schwere Notlage erlebt, und jetzt heißt es, die nächste könnte noch schwerwiegender ausfallen“, sagt Salomé. „Ich habe Angst davor, was alles passieren könnte, denn viele Familien verfügen nicht über die Mittel, um eine Notlage zu bewältigen. Wenn diese eintritt, leiden meist diejenigen darunter, die am wenigsten haben.“

Anstatt tatenlos das nächste Wetterextrem abzuwarten, hat Salomé beschlossen, selbst aktiv zu werden. Im Rahmen eines Vorsorgeprojekts von Plan International hat sie an Workshops zur Notfallvorsorge und -bewältigung teilgenommen. Dabei geht es um Katastrophenprävention sowie Selbsthilfe und Risikomanagement im Fall von Stürmen, Hochwasser oder Erdrutschen.

Eine junge Frau zeigt ein Mobiltelefon mit einer Wetter-App.
Beim Vorsorgeprojekt von Plan International hat Salomé unter anderem eine Wetter- und Warn-App kennengelernt Plan International
Eine junge Frau sitzt mit einem kleinen Mädchen und einem Jungen in der hellbraunen Sitzgruppe eines Wohnzimmers.
Salomé gibt ihr Wissen zur Katastrophenvorsorge an ihre jüngeren Geschwister weiter Plan International

Die Teilnahme an dieser Initiative hat ihr Selbstvertrauen gestärkt und ihr Verständnis dafür verbessert, wie sich Gemeinden auf die Folgen von Wetterextremen vorbereiten können. „Wir haben gelernt, wie wir auf uns selbst aufpassen können, und haben für die gesamte Gemeinschaft Schulungen zum Thema Dengue-Fieber organisiert“, sagt sie.

Inzwischen gibt sie das Gelernte an ihre Geschwister, Nachbarn sowie Gleichaltrige weiter – und hilft dadurch, dass alle die Risiken in ihrer Umgebung verstehen und sich besser auf Notfälle vorbereiten können. „Ich habe gelernt, wie ich auf all das reagieren kann“, sagt Salomé. Ihre Entschlossenheit spiegelt ihre Überzeugung wider, dass junge Menschen, insbesondere Mädchen, in Entscheidungen über Katastrophenvorsorge und Klimaschutz einbezogen werden müssen. „Heute weiß ich, dass meine Stimme echte Veränderungen bewirken und andere dazu ermutigen kann, vorbereitet zu sein.“

Eine junge Frau und ein Mädchen stehen vor einem Haus und halten ein weißes Plakat mit schwarzer Schrift.
„Der Notfall ist bereits da. Handelt schnell, bevor es zu spät ist“ – steht auf dem Plakat, das Jugendaktivistin Salomé und ihre jüngere Schwester gebastelt haben Plan International

„Heute weiß ich, dass meine Stimme andere dazu ermutigen kann, vorbereitet zu sein.“

Salomé (16), Teilnehmerin an einem Plan-Schutzprojekt in Peru

Während sich die Region Piura im Norden von Peru für künftige Katastrophenszenarien wappnet, betont Salomé, wie wichtig es ist, insbesondere den Mädchen Gehör zu schenken. Hilfs- und Schutzmaßnahmen sollten nicht nur Häuser und Lebensgrundlagen, sondern auch die Rechte und Bildungschancen von Teenagern schützen. „Ich bitte die Behörden, uns zuzuhören, uns an den Entscheidungen teilhaben zu lassen und zu gewährleisten, dass die Träume keines Mädchens durch den Klimawandel zunichte gemacht werden.“

Für Salomé geht es bei der Vorbereitung auf den nächsten Notfall um mehr, als nur darum, drohende extreme Regenmengen zu überstehen. Es geht auch darum, dass Mädchen Gehör finden, geschützt werden und weiterhin die Zukunft gestalten können, die sie sich wünschen.

Vor allem Mädchen sollen in Krisensituationen Gehör und Schutz finden

„Meine Botschaft an andere Mädchen lautet: Ihr seid nicht allein. Ihr solltet euch weiterbilden, Unterstützung bei Menschen suchen, denen ihr vertraut, und euch darauf vorbereiten, diesen Risiken zu begegnen, ohne in Angst zu leben.“

Dieser Artikel wurde mit Material aus dem peruanischen Plan-Büro erstellt.

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