Ungenutztes Potential für Unternehmens-Engagement

Deutschland ist Exportweltmeister. Doch spiegelt diese Tatsache auch das gesellschaftliche Engagement der deutschen Wirtschaft wider? Dieser und anderen Fragen geht die Studie von Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ) im Stifterverband in Zusammenarbeit mit Plan International auf den Grund. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass es durchaus Aufholbedarf gibt, was die Verankerung von Kooperationen mit internationalen Nichtregierungsorganisationen (engl. INGO) angeht - insbesondere mit Hinblick auf die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs).

Ob die Sustainable Development Goals (SDGs) von der Weltgemeinschaft erreicht werden können, hängt auch von einer gelungenen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft ab. Folgerichtig haben die Vereinten Nationen diese Form der Zusammenarbeit als weiteren Fokus für nachhaltige Lösungen identifiziert. Ein Blick in den SDG-Katalog verdeutlicht, dass sogenannte “globale Herausforderungen” im Vordergrund stehen, etwa Entwicklungschancen von jungen Menschen im globalen Süden. Das bedeutet keineswegs, dass die SDGs in Deutschland keine Rolle spielen. Doch ohne Zusammenarbeit mit international agierenden NGOs werden Wirtschaftsunternehmen bezüglich der internationalen und globalen Herausforderungen kaum auskommen.

Gemeinsam haben sich deshalb ZiviZ im Stifterverband und Plan International Deutschland e.V. die Frage gestellt, inwiefern Unternehmen in Deutschland mit INGOs tatsächlich zusammenarbeiten. Herausgekommen sind dabei die ersten für Deutschland repräsentativen Daten zu dieser Fragestellung.

Die Ergebnisse der Studie haben wir der Übersicht halber in die folgenden fünf Abschnitte unterteilt:


I. 9 Prozent der Unternehmen in Deutschland arbeiten regelmäßig mit international agierenden NGO’s zusammen

  • 98% der deutschen Wirtschaft arbeitet im Rahmen des gesellschaftlichen Engagements mit gesellschaftlichen Partnern zusammen.
  • Geht es um eine regelmäßige Kooperation, fällt der Wert hingegen auf 60 Prozent.
  • Schauen wir auf die regelmäßige Zusammenarbeit mit INGOs, liegt der Anteil bei nur 9 Prozent (hochgerechnet 200.000 Unternehmen).
  • Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland, die sich gesellschaftlich engagieren, bringt sich vorwiegend auf lokaler (55 Prozent) oder regionaler (28 Prozent) Ebene ein.
  • Ein deutlich kleinerer Anteil (9 Prozent) ist auch oder vorwiegend auf europäischer oder internationaler Ebene mit gesellschaftlichem Engagement aktiv.
  • Unter diesen engagierten Unternehmen, die sich über Landesgrenzen hinweg vorwiegend in Europa oder weltweit gesellschaftlich engagieren, sind INGOs überdurchschnittlich häufige Kooperationspartner.

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Kontakt
Frau Angela Bergel
kooperationen(at)plan.de
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II. Eine Frage der Größe?

  • Allgemein ist die Wahrscheinlichkeit einer Partnerschaft mit einer INGO unabhängig von der Größe des Unternehmens: Es gibt sowohl kleinere Mittelständler, wie auch mittelgroße Betriebe, die sich engagieren.
  • Allerdings gibt es eine Ausnahme: Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weisen eine signifikant häufigere Zusammenarbeit mit INGOs auf. Bei diesen Unternehmen kooperieren mehr als vier aus zehn Unternehmen (43%) regelmäßig mit INGOs.
  • Fast alle Großunternehmen (92%), die mit INGOs kooperieren, geben an, dass die Geschäftsleitung über eine solche Zusammenarbeit entscheidet.


 

„Gerade größere und international agierende Unternehmen sollten sich zielgerichtet mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung auseinandersetzen und ihr Engagement möglichst langfristig aufsetzen.“

Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland e.V.


III. Ein Blick auf die Branchen

  • Die Wahrscheinlichkeit regelmäßig mit einer INGO zu kooperieren, hängt stark von der Branche des Partners ab.
  • Geht es ausschließlich um regelmäßiges Engagement mit INGOs, sind die Chemie/Pharma- sowie die Nahrungsmittelindustrie Spitzenreiter der Gruppe. Die beiden Branchen arbeiten vorwiegend regelmäßig mit INGOs zusammen.
  • Schlusslicht bildet die Fahrzeugbau/Zuliefererbranche: In dieser Branche wird auffällig selten oder kaum regelmäßig mit INGOs zusammengearbeitet (nur 1% der Unternehmen in dieser Branche). 16 Prozent engagieren sich jedoch in Einzelfällen mit INGOs.
  • Weitere Analysen zeigen, dass relativ viele Unternehmen, die mit INGOs zusammenarbeiten, entweder im Business-to-Business- (B2B) und im Business-to-Consumer (B2C) Bereich operieren. Die Kooperation mit INGOs ist somit nicht zwangsläufig mit einer bestimmten Unternehmensstruktur und Zielgruppenorientierung verknüpft.

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IV. Unternehmen verstehen den Mehrwert einer Kooperation

  • Fragt man Unternehmen nach Ihren Motiven für eine Kooperation mit INGOs sind die Gründe vielfältig. Mehrwerte die gesehen werden sind u.a. Mitarbeiterbindung steigern, Arbeitgeber- und Standortattraktivität erhöhen oder Kompetenzen der Mitarbeiter ausweiten.
  • Vergleicht man die Gruppe der mit INGOs kooperierenden Unternehmen gesondert mit der Gruppe der nicht mit INGOs kooperierenden Unternehmen, fällt auf, dass insbesondere die Rolle des guten Rufs und der Marke offensichtlich nur ein Thema neben anderen für die Unternehmen ist, die sich auf eine Kooperation mit INGOs einlassen Bei Unternehmen, die nicht mit INGOs kooperieren, liegt der Anteil deutlich höher


V. Engagement im globalen Süden

  • Es gibt eine starke Bindung zwischen Unternehmen und internationalen NGOs, wenn es um Themen und Menschen aus dem globalen Süden geht.
  • Engagieren sich Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern, so führt der Weg nicht an internationalen NGOs vorbei. Ganze 76 Prozent der Unternehmen antworten, sie arbeiten bei diesem Themenbereich mit INGOs zusammen.
  • Die Kooperation mit internationalen Organisationen ist dann hoch, wenn diese im Bezug zu internationalen und globalen Themen stehen wie Armutsreduktion, Klima- und Umweltschutz und Menschenrechte.

Was tun? Handlungsimpulse für die Wirtschaft

Unternehmen haben die Verantwortung, bei ihrem gesellschaftlichen Engagement Kenntnisse über gesellschaftliche Bedarfe zugrunde zu legen – gerade in internationalen Projekten kann dies eine Herausforderung sein. Die Entscheidung für einen zivilgesellschaftlichen Partner sollte darauf basieren, welche Themen das Unternehmensengagement prioritär verfolgt. Internationales Engagement kann ohne passende Expertise unbeabsichtigte Folgen mit sich bringen, z.B. durch die Fehlinterpretation lokaler Bedürfnisse. Suchen Sie sich Kooperationspartner!

Insbesondere größere und international agierende Unternehmen sollten sich mit den SDGs nicht nur oberflächlich auseinandersetzen. Ein Überblick über die eigene Aufstellung – die  Wertschöpfungskette im ganzheitlichen Sinne einerseits und bestehende gesellschaftliche Aktivitäten andererseits – ist aller Anfang. Hierauf basierend können Schwerpunkte für ein mögliches Engagement identifiziert werden, thematisch und geografisch. Wählen Sie daher tatsächliche Schwerpunkte für Ihr Engagement!

Gerade INGOs haben spezialisierte Expertise in SDG-relevanten Themenfeldern. In vielen Fällen können sie etwa für die exportierenden deutschen Unternehmen Partner für das gesellschaftliche Engagement werden. Allerdings: Gute Partnerschaften zwischen Unternehmen und INGOs erfordern Toleranz auf beiden Seiten. Daher sollten INGOs und Unternehmen gewillt sein, Ressourcen einzuplanen und Engagement-Projekte als soziale Investition, die sich langfristig auszahlt, zu betrachten. Klären Sie die jeweiligen Projektziele auch in gemeinnützigen Projekten explizit untereinander ab!


Kontakt

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Frau Angela Bergel
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