18 Jahre zuhören: Was wir von Mädchen lernen

Die wichtigsten Ergebnisse

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Situation vieler Mädchen verbessert, insbesondere durch bessere Bildung. Doch die Studie zeigt auch, dass dieser Fortschritt nicht selbstverständlich ist und dass es Faktoren gibt, die ihn bedrohen. Dabei ist die Pubertät ein entscheidender Wendepunkt für die Chancengleichheit von Mädchen.

Bildung: der wichtigste Motor für Veränderungen

Viele der Mädchen haben höhere Bildungsabschlüsse erreicht als ihre Mütter. Bis zum Ende der Studie im Jahr 2024 waren 65 Prozent der Mädchen in der Schule oder hatten ihre Sekundarschulbildung abgeschlossen. Einige studierten bereits. Bildung erweist sich als der wichtigste Motor für Veränderung: Sie stärkt Selbstbestimmung, eröffnet Zukunftsperspektiven und hilft, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen. 

Die Pubertät ist ein Wendepunkt

Die Pubertät erweist sich dabei als zentraler Zeitpunkt für die Mädchen, an dem ihnen oft der Weg zu gleichen Chancen versperrt wird: Ihre Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt, Erwartungen an ihr Verhalten werden strenger und ihre Verantwortung im Haushalt wächst. Gleichzeitig steigen Risiken wie Gewalt, frühe Schwangerschaft oder Schulabbrüche.

Zeitarmut: Alltag entscheidet über Zukunft

Für viele Mädchen beginnt nach der Schule ein zweiter Arbeitstag: Kochen, Wasser holen, die Geschwister betreuen – 95 Prozent der Mädchen übernehmen regelmäßig unbezahlte Care-Arbeit. Im Durchschnitt verbringen sie mehr als fünf Stunden täglich damit. Diese Zeit fehlt für Hausaufgaben, Erholung oder Freundschaften. 

Klimawandel bedroht Fortschritt

Die Mädchen berichten zunehmend von den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse zerstören Ernten, beschädigen Schulen und machen Wege unpassierbar. Dadurch verpassen viele Kinder Unterricht oder müssen die Schule ganz abbrechen. Gleichzeitig geraten Familien stärker unter wirtschaftlichen Druck, was die Bildung von Mädchen zusätzlich gefährdet.

Fast alle Mädchen erleben Gewalt

Ein alarmierendes Ergebnis der Studie: 91 Prozent der Mädchen berichteten, bereits vor ihrem 11. Geburtstag Gewalt erlebt zu haben. Diese Erfahrungen prägen und verstärken die Unsicherheit der Mädchen in ihrem Alltag.

Was die Studie einzigartig macht

„Real Choices, Real Lives“ ist eine der wenigen Studien weltweit, die dieselbe Gruppe von Kindern über so viele Jahre begleitet hat. Und sie ist die einzige, die sich dabei ausschließlich auf Mädchen fokussiert. 

Die Langzeitforschung zeigt, wie Faktoren wie Armut, Bildung, Geschlechternormen, Gewalt oder Klimawandel im Laufe eines Lebens zusammenwirken – und welche Entscheidungen und Möglichkeiten sie beeinflussen.

Vor allem aber macht sie eines sichtbar: die Stimmen der Mädchen selbst.

„Es tut gut, gehört zu werden. 
Zu wissen, dass sich Menschen für Mädchen interessieren.“

Bianca, im Alter von 17 Jahren, Brasilien

Real Girls, Real Stories

Hinter den Zahlen der Studie stehen persönliche Lebenswege. Über 18 Jahre hinweg erzählten Mädchen aus neun Ländern von ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und den Hindernissen, die sie überwinden müssen. Ihre Geschichten zeigen, wie Fortschritte – etwa beim Zugang zu Bildung – möglich sind, aber auch, wie schnell sie durch sich gegenseitig beeinflussende Faktoren gefährdet werden können.

Armut und Stigma begrenzen Chancen

Folamis Geschichte ist nicht ungewöhnlich. Sie lebt in einer ländlichen Gegen in Togo. Ihre Familie hatte die meiste Zeit ihres Lebens mit Armut zu kämpfen. Essen war immer schwer zu bekommen, die Schulgebühren zu bezahlen oft unmöglich. Folami, die älteste Tochter, übernahm mit neun Jahren Aufgaben im Haushalt, sodass ihre Mutter versuchen konnte, Arbeit zu finden. Als sie immer mehr Pflichten übernahm, wurde der Schulbesuch für Folami immer schwieriger. Mit 15 wurde sie schwanger und das damit verbundene Stigma, kombiniert mit dem wirtschaftlichen Druck, unter dem die Familie stand, bedeutete, dass sie die Schule verlassen musste. 

Folami kehrte nicht zur Schule zurück, erwog aber die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen: Sie hofft, eine Ausbildung zur Schneiderin beginnen zu können. 

Was ihre Geschichte zeigt
Was Folamis Geschichte zeigt:

Armut, wachsende Verpflichtungen im Haushalt mit Eintritt in die Pubertät und soziale Stigmatisierung während und nach einer Schwangerschaft, können die Bildung von Mädchen beenden und sie dazu zwingen, Entscheidungen zu treffen, die ihre Chancen im Leben limitieren.

 

Die Folgen des Klimawandels

Reyna wuchs in einer Küstenregion der Philippinen auf. Ihre Familie lebte von Landwirtschaft. Im Laufe der Jahre wurden die Ernten zunehmend durch extreme Wetterbedingungen beeinträchtigt: Dürren führten zu Wasserknappheit, Taifune zu Überschwemmungen der Felder. 

Als ein Taifun 2022 Häuser und Lebensgrundlagen in Reynas Gemeinde zerstörte, wurden auch die Schulen geschlossen. Viele Familien konnten sich zudem Schulmaterialien oder Gebühren nicht mehr leisten. Auch Reynas Bildung wurde zeitweise unterbrochen und sie übernahm mehr Verantwortung im Haushalt, während ihre Eltern zusätzliche Arbeit suchten. Dennoch schaffte sie es, die Sekundarschule abzuschließen und möchte jetzt studieren. Sie nutzt ihre Stimme, um auf die Folgen des Klimawandel aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen.

Was ihre Geschichte zeigt
Was Reynas Geschichte zeigt:

Der Klimawandel beeinflusst gleichzeitig mehrere Bereiche im Leben von Mädchen: Zerstörte Lebensgrundlagen führen zu Einkommensverlusten. Dadurch entsteht Nahrungsmittelknappheit und wirtschaftlicher Druck auf die Familien. Gleichzeitig müssen Mädchen häufiger mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen, während ihre Bildung durch Schulschließungen, fehlende finanzielle Mittel und die zusätzlichen Verpflichtungen unterbrochen wird. 

Wenig Freizeit und verinnerlichte Rollenbilder

Margaret übernahm schon als Kind Aufgaben im Haushalt. Mit zehn Jahren sagte sie, dass sie wegen ihrer Pflichten weniger Zeit zum Spielen habe als ihre Brüder. Seit der Pubertät lebt sie bei ihrer Tante, die ihr zunehmend mehr Aufgaben zuteilte. Ihre Tante erklärte, dass Margaret Hausarbeiten wie Kochen und Putzen lernen müsse, um später eine „gute Ehefrau“ zu sein. 

Mit 16 Jahren verließt Margaret die Schule. Sie erklärte, dass sie keine Zeit mehr habe, zu lernen. Heute hilft sie ihrer Tante beim Verkauf von Kosmetikprodukten auf dem Feld. Zwar träumt sie von einer Schneiderlehre, doch sagt selbst, dass es ihr „nichts bringen“ würde, eigene Zukunftspläne zu haben. 

Was ihre Geschichte zeigt
Was Margarets Geschichte zeigt:

Margarets Erfahrungen verdeutlichen, wie soziale Erwartungen und Verpflichtungen, die in der Pubertät zunehmen, wie unbezahlte Haus- und Care-Arbeit, zusammen mit Geschlechternormen darüber bestimmen, welche Chancen Mädchen haben und welche Zukunftspläne für sie überhaupt erreichbar scheinen.

Eine Mutter als Vorbild

Gabriela ist aus Brasilien und in ihrem letzten Jahr der Sekundarschule. Sie lebt mit ihrer Mutter und Schwester zusammen und einer zweijährigen Nichte, um die sie sich mit kümmert. In der Stadt, in der sie aufwuchs, gehören Gewalt und Kriminalität zum Alltag.  Anders als die anderen Eltern in der Studie glaubte Gabrielas Mutter, dass nicht Mädchen selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sein sollten, sondern die Gesellschaft insgesamt. Ihre Einstellung hatte großen Einfluss auf Gabriela. Sie begann Geschlechternormen bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen. Sie kritisierte, dass sich Jungen freier bewegen dürfen als Mädchen und dass Gewalt gegen Mädchen oft als unvermeidbar dargestellt wird.

Gabriela plant, nach der Schule Tiermedizin zu studieren. Sie sagt, dass die Unterstützung ihrer Mutter entscheidend dafür war, dass sie ihre Meinung äußern und ihre Ziele verfolgen kann.

Was ihre Geschichte zeigt
Was Gabrielas Geschichte zeigt:

Gabrielas Erfahrungen verdeutlichen, wie wichtig unterstützende Bezugspersonen für Mädchen sind, wenn sie gesellschaftliche Erwartungen hinterfragen. Die Haltung ihrer Mutter half ihr, gängige Vorstellungen über die Verantwortung von Mädchen für ihre eigene Sicherheit abzulehnen und sich für Gleichberechtigung einzusetzen. Ihre Geschichte zeigt, dass Mädchen Geschlechternormen nicht nur wahrnehmen, sondern – mit Unterstützung – auch aktiv herausfordern können.

Darum ist es wichtig, Mädchen zuzuhören

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