Tanzende Mädchen in traditionellen Kleidern
Tanzende Mädchen in traditionellen Kleidern aus Nicaragua ©Marieke Viergever

Feiertage in Lateinamerika und der Karibik

Jedes Land der Welt hat seine eigenen Feste und Bräuche, die auf lange Traditionen zurückblicken und mal mehr, mal weniger religiös geprägt sind. Neben den uns hier bekannten Festen wie Weihnachten, Ostern, Karneval, Schützenfeste und andere, gibt es in anderen Kulturen noch viele weitere Anlässe zum Feiern.

Brasilien: Festa Junina

Ähnlich populär wie der Karneval ist - vor allem im Nordosten Brasiliens - das Johannisfest "Festa Junina". Es findet statt im Juni, zur Jahresmitte, also im brasilianischen Winter. Die Brasilianer ehren mehrere Heilige, Allerdings steht Sao João (zu Deutsch Johannes) im Vordergrund. Die Portugiesen brachten diese Tradition während der Kolonialzeit nach Brasilien. Mit der Zeit haben die Brasilianer ihre eigenen Bräuche integriert, sodass sich das Johannisfest von dem in Portugal unterscheidet. Das Fest wird besonders von der ländlichen Bevölkerung gefeiert, aber auch viele weitere Menschen beteiligen sich an den Festlichkeiten. Die Frauen malen sich Sommersprossen ins Gesicht, tragen bunte kurze Kleider, häufig kariert gemustert und malen sich eine Zahnlücke. Die Männer ziehen große Strohhüte auf und tragen karierte Hemden. Bei dem Fest wird unter anderem gerösteter Mais gegessen und Forró getanzt. Dies ist ein traditioneller Paartanz zum Klang von Trommeln, Triangeln und Akkordeon.

Nicaragua: El Güegüense

El Güegüense ist ein Theaterstück, welches im 17. und 18. Jahrhundert von der indigenen Bevölkerung Nicaraguas entwickelt und viele Jahre ausschließlich mündlich weitergetragen wurde. Es handelt sich um eine Satire über die ablehnende und subtil revolutionäre Haltung der indigenen Bevölkerung der Kolonialherrschaft der Spanier gegenüber, gefüllt mit Doppeldeutigkeit und viel Humor. El Güegüense, auch Macho Ratón genannt, ist eine Kombination aus Theater, Tanz und Musik und wird vorrangig Mitte Januar, rund um den Feiertag des Heiligen Sebastian aufgeführt. Die Darstellerinnen und Darsteller tragen farbenfrohe Kostüme und aufwändige Masken. Die Stadt Diriamba in der Nähe von Managua ist besonders bekannt für ihre Straßentheater-Aufführungen. „Poner cara de Güegüense“, also sich das Gesicht des Güegüense aufsetzen, ist sogar im nicaraguanischen Sprachgebrauch zu einer Redewendung geworden. So werden Personen beschrieben, die sich augenscheinlich einer Autoritätsperson unterwerfen, insgeheim diese Autorität aber untergraben. 2005 wurde das Theaterstück aufgrund seiner politischen und gesellschaftlichen Relevanz zum UNESCO Kulturerbe erklärt.

Ecuador: Dia de los Difuntos (Allerseelentag)

In Ecuador wird der Allerseelentag, auf Spanisch Día de los Difuntos am 2. November groß gefeiert. Besonders innerhalb der indigenen Bevölkerung ist es Brauch an diesem Tag die Gräber verstorbener Verwandte und Freunde zu besuchen und symbolisch mit ihnen eine Mahlzeit zu teilen.

Darüber hinaus wird im ganzen Land um das Allerseelenfest herum die traditionelle Süßspeise "Colada Morada" gegessen. Diese wird zubereitet aus schwarzem Maismehl und Früchten. Dazu werden "Guaguas de pan" gegessen. Guagua ist Quechua und steht für Kind und pan ist das spanische Wort für Brot. Diese alte Tradition entwickelte sich ursprünglich innerhalb der indigenen Bevölkerung. Die Teigfiguren repräsentieren die Verstorbenen, speziell verstorbene Kinder.