Zukunft aus eigener Kraft
Wenn Nok über ihr Leben im Hochland der Provinz Bokeo im Norden von Laos spricht, erinnert sie sich zuerst an ihren großen Traum: „Ich wollte die Schule abschließen und für die Regierung arbeiten.“ Doch dann stirbt ihr Vater und alles ändert sich.
Mit 16 muss sie die Schule verlassen, um ihre Familie zu unterstützen. Statt auf der Schulbank zu sitzen, steht sie auf dem Feld. Sieben Jahre später ist sie Mutter eines kleinen Jungen und bewirtschaftet die vier Hektar Land, die ihr Vater hinterlassen hat, gemeinsam mit ihrem Mann. Sie bauen traditionellen Hochlandreis an, Hiobstränen (eine getreideähnliche Pflanze) und Kautschukbäume. Die Feldfrüchte sichern der Familie lange das Einkommen. Und dann – ändert sich wieder alles.
„Heute verdiene ich weniger als die Hälfte im Vergleich zu früher.“
Wenn Krisen den Boden unter den Füßen wegreißen
2022 gerät Laos in eine schwere Wirtschaftskrise. Die Landeswährung, der Kip, verliert stark an Wert. Die Preise steigen, die Einkommen sinken. „Früher habe ich mit Hiobstränen fast 1.000 Dollar verdient“, erzählt Nok. „Jetzt ist es weniger als die Hälfte.“ Ihre Ernten reichen plötzlich nicht mehr aus.
Gleichzeitig verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels die Lage: Stärkere Regenfälle, Überschwemmungen und unberechenbare Wetterbedingungen erschweren die Landwirtschaft zunehmend. Für viele Familien im Hochland bedeutet das: Ihre Lebensgrundlage ist bedroht.
Nok will das nicht einfach hinnehmen.
Neue Wege gehen – trotz Rückschlägen
Nok handelt. „Wenn die Ernte ausfällt, brauch ich etwas anders, auf das ich zurückgreifen kann“, sagt sie. Um die Zukunft ihrer Familie zu sichern, beginnt sie, neben dem Ackerbau Tiere zu halten. Zunächst Rinder und Schweine, dann versucht sie es mit Geflügel, weil sich Hühner schneller verkaufen lassen. Ihr erster Versuch schlägt fehl. Die Hälfte ihrer Herde stirbt. Doch Nok macht weiter: „Ich musste lernen und nicht aufgeben“, so die 23-Jährige.
Sie meldet sich freiwillig für Schulungen im Community Innovative Learning Centre (Gemeinschaftliches Innovations- und Lernzentrum). Dieses ist Teil des Projekts Climate Change Adaptation in the Uplands (Anpassung an den Klimawandel in Bergregionen), das von Plan International in ihrer Gemeinde durchgeführt wird. Dort lernt Nok, wie man Hühner richtig versorgt: saubere Ställe, Schutz vor Krankheiten, geeignetes Futter. Sie erfährt, welche Impfstoffe wichtig sind und wie sie ihre Tiere gesund hält. Sie lernt auch, wie man finanzielle Unterstützung beantragt, um ein eigenes Vorhaben umzusetzen.
„Ich verlor 15 Küken. Ich wollte nicht, dass das noch einmal passiert.“
Diese Fähigkeiten zahlen sich aus. Anfang 2025 erhält Nok eine kleine Förderung und 75 Küken. Doch erneut muss sie einen Rückschlag erleben: Starke Regenfälle überschwemmen ihr Land. „Ich verlor 15 Küken“, so die junge Mutter. „Ich wollte nicht, dass das noch einmal passiert.“
Sie baut einen erhöhten Stall aus Bambus, näher an ihrem Haus. Dann sichert sie ihn mit Plastikplanen ab, sodass kein Wasser eindringen kann. Der Einsatz lohnt sich: „Als ich 120 Dollar durch den Verkauf von Hühnern verdiente, wurde mir klar: Das kann funktionieren“, erinnert sich Nok.
120 Dollar mögen wenig erscheinen. Doch für Nok bedeuten sie Sicherheit. Eine Wahlmöglichkeit. Und einen Schritt in Richtung Unabhängigkeit.
Vom eigenen Erfolg zur Unterstützung anderer
Mit neuem Mut kauft Nok eine elektrische Brutmaschine, um selbst Küken auszubrüten. Doch das Gerät geht fast sofort kaputt. Wieder ein Rückschlag? Nok sucht lieber Rat: „Ich möchte von erfolgreichen Landwirten lernen. Welche Rassen sind robuster? Wo bekomme ich Vitamine und Impfstoffe? Wo kann ich eine bessere Brutmaschine kaufen?“, so die junge Unternehmerin.
Ihre Entschlossenheit wird zu ihrer größten Stärke. Heute führt Nok nicht nur ihre kleine Geflügelzucht weiter, sie hat auch zusätzlich einen kleinen Laden an ihrem Haus eröffnet. Seife, Snacks, Alltagswaren – eine weitere Einkommensquelle. Und Nok träumt noch weiter: „In fünf Jahren möchte ich Reishändlerin sein. Wenn ich Reis von meinen Nachbarn kaufe und auf größeren Märkten verkaufe, kann ich genug verdienen, damit meine Kinder so lange zur Schule gehen können, wie sie möchten.“
Durch das Plan-Projekt wird Nok außerdem zur sogenannten Dorfmoderatorin. Sie unterstützt nun andere junge Landwirt:innen – besonders Frauen aus ethnischen Minderheiten – dabei, ihre Anbaumethoden anzupassen und neue Einkommensquellen zu finden. So wollen sie die Risiken des Klimawandels bewältigen.
Gemeinsam testen sie alternative Produkte wie Chili, Besenhirse oder Inka-Bohnen. Sie tauschen Erfahrungen aus und lernen voneinander, wie sie mit den Risiken des Klimawandels umgehen können.
Hilfe zur Selbsthilfe ist entscheidend
Der Klimawandel trifft ländliche Regionen besonders hart. Wenn sich Regenzeiten verschieben oder Überschwemmungen Ernten zerstören, verlieren Familien oft ihr einziges Einkommen. Plan International setzt genau hier an: Junge Menschen werden geschult, Frauen gezielt gestärkt und Gemeinden entwickeln gemeinsam Lösungen. So bleibt das Wissen vor Ort und wirkt langfristig. Die Menschen werden befähigt, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Veränderung beginnt mit einer einzigen Entscheidung
Für Nok ist klar: Jeder Rückschlag ist auch eine Lektion. „Ich möchte eine bessere Zukunft für meine Familie und mein Dorf. Wir können stärker sein, wenn wir gemeinsam lernen.“ Ihre Geschichte zeigt: Veränderung beginnt oft mit einer einzigen Entscheidung – nicht aufzugeben.
Noks Geschichte wurde mit Material aus dem laotischen Plan-Büro aufgeschrieben.