Umwelt gemeinsam erforschen und bewahren
Im Distrikt Mulanje im südlichen Malawi sind Wasser, fruchtbare Böden und Wälder für viele Menschen unverzichtbar, sie sichern die Ernährung der Familien und bilden die Grundlage für ihr Einkommen. In den letzten Jahren verändert sich jedoch das gewohnte Bild: Einst dichte Wälder werden lichter, Bäche führen nicht mehr regelmäßig Wasser, und immer mehr Müll sammelt sich in der Landschaft. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf den Alltag aus: Felder lassen sich schwerer bewässern, sauberes Trinkwasser wird knapper und Brennholz ist oft schwer zu finden.
Auch Liness (24) ist in Mulanje aufgewachsen und erlebt diese Veränderungen jeden Tag. Sie sieht, wie immer mehr Bäume gefällt werden, Bäche zeitweise ganz austrocknen und Landwirtschaft unter neuen Bedingungen betrieben werden muss. Informationen über die Umwelt werden meist informell weitergegeben und sind nicht für alle gleich zugänglich. Bis 2022 hatte Liness noch keine Möglichkeit, die Ursachen und Folgen dieser Veränderungen gezielt nachzuvollziehen oder zu erforschen.
Wie vielen jungen Menschen war auch Liness lange nicht bewusst, wie schädlich diese Entwicklungen sind und was man dagegen tun kann. Das änderte sich 2022 durch ein Projekt von Plan International, das sich für den Schutz der Natur und bessere Lebensbedingungen im südlichen Malawi einsetzt. Das Programm bildet Freiwillige aus, als Bürgerwissenschaftler:innen systematisch Umweltdaten zu erheben und das Wissen mit der Gemeinde zu teilen.
Heute weiß Liness, wie man etwa Wasser auf Nitrate und Phosphate testet, Bodenproben nimmt und Biodiversität beobachtet. „In einem der Schulungskurse ging es darum, wie man Wasser auf Nährstoffe testet, und wie man die Wasserqualität bewertet“, erklärt sie. „Durch diese Schulung habe ich gelernt, wie Chemikalien im Wasser die Nährstoffe im Boden beeinflussen.“
Gemeinsam Ergebnisse teilen und Maßnahmen umsetzen
Jeden Monat fasst Liness ihre Messungen zusammen und präsentiert die Ergebnisse zunächst der Dorfleitung. Anschließend stellt sie die Resultate auch bei Gemeindeversammlungen vor und erläutert, was steigende Phosphatwerte, zunehmende Trübung oder mehr Plastikverschmutzung für die Gemeinschaft bedeuten. Bislang hat sie dies bei sechs großen öffentlichen Gemeindesitzungen getan.
„Ich möchte nicht, dass in meiner Gemeinde Plastik verwendet wird.“
Vor dem Projekt wusste Liness nicht, welche Auswirkungen Plastik und Agrarchemikalien auf die Umwelt haben. Nachdem sie das erfahren hatte, wurde Abfallmanagement ein zentrales Thema für sie. „Ich möchte nicht, dass in meiner Gemeinde Plastik verwendet wird. Ich habe gelernt, dass Plastik schlecht ist“, sagt sie entschlossen. „Wir müssen seine Verwendung vermeiden. Wenn es doch verwendet wird, muss es ordnungsgemäß entsorgt werden.“
Sie nutzt Versammlungen, Treffen und informelle Gespräche, um ihr Wissen weiterzugeben. „Wenn wir die Informationen präsentieren, geben wir den Menschen Zeit, Fragen zu stellen“, beschreibt sie. „Dank dieser Vorgehensweise beginnen die Menschen nun, die Probleme mit dem Wasser und dem Boden zu verstehen.“
Umweltwandel als gemeinsamer Prozess
Gemeinsam mit rund 390 anderen Bürgerwissenschaftler:innen hat Liness in den letzten Jahren Veränderungen angestoßen. „Die Gemeinde hat Baumschulen eingerichtet und Tausende von Setzlingen gezüchtet, um abgeholzte Hänge und Flussufer wieder aufzuforsten“, sagt sie. Bürgerwissenschaftler:innen haben auch zum Schutz von über 8.800 Hektar Wald beigetragen, und fast 3.800 Haushalte verwenden nun effiziente Öfen, die den Druck auf die Wälder verringern.
Auch wenn noch viele Herausforderungen bleiben, blickt Liness nach vorne. „Als Bürgerwissenschaftlerin hoffe ich, dass sich die Lage mit der Zeit verbessern wird. Die Erkenntnisse, die wir in Wasser und Boden gewonnen haben, helfen uns, uns mit vereinten Kräften für das Wohl unserer Gemeinde einzusetzen“, sagt Liness.
Die Geschichte von Liness wurde mit Material aus dem malawischen Plan-Büro aufgeschrieben.