Humanitäre Präsenz im Süden Libanons

Foto: Plan International

Ein Besuch im Süden Libanons erfordert Flexibilität. Vor Ort wird deutlich, was es bedeutet, Bildungsangebote unter eingeschränkten Bedingungen aufrechtzuerhalten.

Eine Fahrt von der libanesischen Hauptstadt Beirut in den Süden des Landes ist für Alam Janbein, örtlicher Programmdirektor von Plan International, herausfordernd. Die dafür benötigte Sicherheitsfreigabe kommt erst kurz vor der Abfahrt, und Berichte über erneute Gewaltereignisse in angrenzenden Gemeinden machen die Lage unvorhersehbar. Mehrere Dörfer im Süden sind nur schwer erreichbar, sodass das Team aus humanitären Helfern heute eine indirekte Route wählt.

Unterwegs passieren sie Houla, einst ein Dorf mit belebten Straßen und Häusern, besteht es nun überwiegend aus Trümmern. Der Zugang zu dieser Region erfolgt durch Kontrollpunkte und ist geprägt von eingeschränkten Mobilfunkverbindungen sowie einer begrenzten Bewegungsfreiheit. Die humanitäre Situation ist angespannt: Sämtliche Schulen in der Region sind bis auf Weiteres geschlossen und viele davon wurden zu Notunterkünften umfunktioniert, weil durch den Krieg mittlerweile rund 30.000 offiziell erfasste Vertriebene Schutz suchen. Diese Bedingungen beeinflussen jede Entscheidung auf der Reise und zeigen, wie flexibel humanitäre Arbeit in Libanon organisiert werden muss.

 

Ein Mädchen erhält von einem Plan Mitarbeiter die benötigten Schulpakete
Ein Mädchen erhält dringend benötigte Schulpakete, die Hoffnung und Ermutigung bringen Plan International
Ein Plan Mitarbeiter im Süden Libanons betrachtet ein Gebäude in Trümmern
Viele Teile des Südens Libanons sind durch anhaltende Konflikte und Zerstörung schwer beschädigt Plan International

Unterstützung für öffentliche Schulen

Das Ziel dieser Reise ist die Verteilung von Schulranzen an die Kinder von zwei öffentlichen Schulen nahe der südlichen Grenze. Viele Familien haben in dieser Region keine oder kaum grundlegende Unterrichtsmaterialien und öffentliche Schulen arbeiten unter anhaltendem Druck. Wirtschaftliche Belastungen, begrenzte Ressourcen und Unsicherheit aufgrund bewaffneter Konflikte stellen den Schulbetrieb vor tägliche Herausforderungen. Die Schulleitung übernimmt neben Unterrichtsaufgaben auch organisatorische und administrative Verantwortung, oft ohne umfassende externe Unterstützung.

Die bereitgestellten Schulranzen kommen da wie gerufen, füllen eine akute Versorgungslücke und decken den Bedarf der Schulkinder. Allein bei der ersten Schule wurde rund 350 Taschen vergeben, just am Internationalen Tag der arabischen Sprache, für den die Mädchen und Jungen Gedichte und andere kulturelle Beiträge im Klassenverband einstudiert haben.

Kontinuität im Schulbetrieb

Laut Plan-Projektfachmann Janbein ist die zweite besuchte Schule die einzige öffentliche im betreffenden Einzugsgebiet; die Bildungseinrichtung betreut etwa 600 Kinder. Sie hat damit eine zentrale Rolle im lokalen Bildungssystem und ist für viele Familien die einzige Anlaufstelle für schulische Förderung und Betreuung.

Die Schulleitung betont, dass der Unterricht hier selbst während der bewaffneten Eskalation im Jahr 2023 fortgesetzt wurde, um den Familien vor Ort ein Stück Stabilität und den Kindern Perspektiven zu bieten.

Einige der Kinder, die von Plan Schulutensilien erhalten zeigen ihre neuen Rucksäcke
950 Kinder im Süden Libanons erhalten Schulutensilien von Plan International Plan International
Ein Mädchen erhält ein Motivationsabzeichen von einem Plan-Mitarbeiter
Ein Mädchen erhält ein Motivationsabzeichen, das eine Botschaft der Stärke und Widerstandskraft trägt Plan International
Eine Tüte mit Abzeichen, auf denen motivierende Botschaften für die Kinder drauf stehen
Kinder erhalten zusammen mit ihren Schulpaketen Abzeichen mit motivierenden Botschaften Plan International

Um einen kontinuierlichen Unterricht zu ermöglichen, waren zusätzliche Maßnahmen notwendig; unter anderem die Bereitstellung alternativer Unterkünfte für Lehrkräfte, die sicherstellten, dass der Schulbetrieb auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten werden kann, sowie zusätzliche Mittel für den laufenden Betrieb, einschließlich Heizmaterialien im Winter.

Unterdessen packen die Kinder ihre neuen Schulranzen aus. Jeder enthält Unterrichtsmaterialien sowie eine kleine Ansteckplakette mit kurzen Botschaften: „Meine Zukunft liegt in meinen Händen“, „Morgen wird es schöner“ und „Nichts ist unmöglich“.

Präsenz als Arbeitsprinzip

Für Projektleiter Janbein bedeutet humanitäre Präsenz mehr, als vor Ort zu sein. Humanitäre Hilfe heißt, geplante Maßnahmen auch unter schwierigen Bedingungen konsequent umzusetzen, gemeinsam mit Schulen Bedarfe zu erkennen und vorhandene Strukturen bestmöglich zu unterstützen.

Die Verteilung von Schulmaterialien ist dabei nur eine Maßnahme innerhalb eines umfassenderen Engagements für Bildung. Jede kleine Entscheidung, jede Handlung vor Ort trägt überdies dazu bei, dass Hilfe nicht abstrakt bleibt, sondern spürbare Wirkung entfaltet. Präsenz schafft Sichtbarkeit und Vertrauen.

Der Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Libanon aufgeschrieben.

Ein Mädchen erhält ihre neue Schulausstattung von einem Plan Mitarbeiter
Ein Mädchen erhält ihre neue Schulausstattung von Plan International Plan International

Humanitäre Hilfe für den Nahen Osten

Die aktuelle Eskalation des Konflikts in Iran hat spürbare Auswirkungen auf die gesamte Region, insbesondere auf Libanon und den Gazastreifen. In Libanon wurden über 500.000 Menschen vertrieben, Schulen sind geschlossen oder werden als Notunterkünfte genutzt. Kinder verlieren Schutz, Bildung und Stabilität.

Wir beobachten die Entwicklungen in der Region kontinuierlich und passen unsere Hilfe laufend an. 

Ihre Spende hilft, Kinder und ihre Familien in Libanon und Gaza in dieser unsicheren Lage zu unterstützen!

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