Ein Neuanfang nach der Flucht

Foto: Plan International

Seit Jahren leben viele Familien im Norden Mosambiks mit den Folgen des bewaffneten Konflikts. Kinder und Jugendliche stehen nach Flucht und Vertreibung vor der Herausforderung, wieder Vertrauen, Sicherheit und Zukunftsperspektiven zu finden.

Lucia (18) lebt in der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks. Als bewaffnete Gewalt ihre Heimat erreicht, muss sie fliehen. Während der Flucht verliert sie den Kontakt zu ihren Eltern. Monatelang weiß sie nicht, ob sie noch am Leben sind.

Die Ungewissheit begleitet sie jeden Tag. Erst Monate später erhält sie die Nachricht, auf die sie so lange gehofft hat. „Der glücklichste Tag meines Lebens“, erinnert sie sich, „war der Tag, an dem ich erfahren habe, dass meine Eltern noch am Leben sind und sich an einem anderen Ort in Sicherheit befinden.“

Lucias Geschichte steht stellvertretend für viele Kinder und Jugendliche in Cabo Delgado. Der bewaffnete Konflikt hat zahlreiche Familien auseinandergerissen und den Alltag vieler Kinder grundlegend verändert. Viele mussten ihre Heimat verlassen, ihre Schulbildung unterbrechen und fern von ihrem Zuhause einen neuen Alltag beginnen.

Lucia (18) trägt ein grünes T-Shirt und steht draußen in ihrer Gemeinde in Cabo Delgado
Lucia (18) fand mithilfe der Familienzusammenführung ihre Eltern wieder Plan International

„Der glücklichste Tag meines Lebens war der Tag, an dem ich erfahren habe, dass meine Eltern noch am Leben sind.“

Lucia (18), wurde während der Flucht von ihren Eltern getrennt
Kinder nehmen in einem geschützten Raum an einer spielerischen Lernaktivität teil
In kinderfreundlichen Räumen erhalten Kinder Unterstützung, um Erlebtes zu verarbeiten und wieder Vertrauen zu gewinnen Plan International
Eltern und Jugendliche nehmen gemeinsam an einer Gesprächsrunde teil
Familien und Gemeinschaften entwickeln gemeinsam Wege, um Kinder besser zu schützen und zu unterstützen Plan International

Wie Familien Unterstützung finden

Für viele Kinder endet die Flucht nicht, sobald sie einen sicheren Ort erreicht haben. Neben dem Verlust ihres Zuhauses müssen sie sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden und belastende Erfahrungen verarbeiten. Gleichzeitig fehlen vielerorts Angebote, die ihnen Schutz, Orientierung und einen geregelten Alltag ermöglichen.

Um Kinder und ihre Familien auf diesem Weg zu unterstützen, arbeitet Plan International gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen Helpcode und PROMURA. Familien werden wieder zusammengeführt, sichere Lern- und Begegnungsorte geschaffen und Angebote aufgebaut, die Kinder schützen und sie im Alltag begleiten. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen nach der Flucht wieder Stabilität und Zukunftsperspektiven zu geben.

Die Suche nach den Angehörigen

Wenn Kinder während der Flucht von ihren Angehörigen getrennt werden, beginnt oft eine lange und belastende Suche. Gemeinsam mit den Sozialdiensten und den Gemeinden unterstützen geschulte Fachkräfte dabei, Familien ausfindig zu machen und wieder zusammenzuführen.

Ist das zunächst nicht möglich, werden Kinder vorübergehend in geeigneten Pflegefamilien oder anderen sicheren Betreuungsformen untergebracht. Gleichzeitig arbeiten die beteiligten Stellen daran, Angehörige zu finden und eine sichere Rückkehr in die Familie zu ermöglichen. Auch Lucia findet auf diesem Weg ihre Eltern wieder. Nach Monaten der Ungewissheit kann sie endlich wieder nach vorn blicken.

Eine Familie lässt ein Kind registrieren. Mitarbeitende prüfen Dokumente und unterstützen die Familie beim Ausfüllen der Unterlagen
Durch die Registrierung erhalten Kinder offizielle Ausweisdokumente und damit besseren Zugang zu staatlichen Leistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung Plan International
Sara (14) steht draußen und hält ihre Handfläche in Richtung Kamera
Sara (14) erhält durch das Projekt Zugang zu Lernmaterialien und neuen Bildungschancen Plan International

Mehr als ein Ort zum Lernen

Für die 14-jährige Sara bedeutet der Besuch eines sicheren Begegnungsortes vor allem eines: Endlich kann sie wieder lernen. „Lange Zeit hatte ich keine Mittel für die Schule, nicht einmal Hefte“, erzählt sie. „Aber jetzt hat uns das Projekt mit Schulmaterial versorgt.“

Die Angebote vermitteln jedoch weit mehr als Unterricht. Kinder und Jugendliche können dort lernen, spielen, kreativ sein und Zeit mit Gleichaltrigen verbringen. Gleichzeitig erhalten sie Informationen zu Themen, die sie in ihrem Alltag stärken und ihnen helfen, informierte Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen. Für Sara gehören dazu auch Gespräche über die Risiken von Frühehen und frühen Schwangerschaften. „Wir sollten nicht heiraten, solange wir noch Kinder sind“, sagt sie. „Wenn wir als Kinder schwanger werden, ist die Geburt eine große Herausforderung.“

„Wir sollten nicht heiraten, solange wir noch Kinder sind.“

Sara (14), Teilnehmerin eines Kinderschutzprojekts von Plan International

Wie Familien neuen Halt finden

Kinder brauchen nach belastenden Erfahrungen nicht nur Unterstützung außerhalb der Familie, sondern auch ein stabiles familiäres Umfeld. Deshalb begleitet das Projekt Eltern und Jugendliche dabei, ihre Beziehungen zu stärken und den Familienalltag gemeinsam neu zu gestalten. In Gesprächen und Workshops lernen Familien, besser miteinander zu kommunizieren, Konflikte gemeinsam zu lösen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. So können Eltern und Kinder Schritt für Schritt wieder Orientierung und Stabilität im Alltag gewinnen. 

Mitarbeiter spricht mit einem Kind im Rahmen eines Unterstützungsangebots.
Projektmitarbeitende unterstützen Kinder, die von Trennung oder Gewalt betroffen sind, und helfen bei der Suche nach familiären Lösungen Plan International
In Cabo Delgado setzt sich das PROTEGE-Projekt dafür ein, gefährdete Kinder zu schützen und ihnen Sicherheit zu geben
Das PROTEGE-Projekt unterstützt besonders gefährdete Kinder und hilft dabei, Familien wieder zusammenzuführen Plan International

Damit Familien auch langfristig Unterstützung erhalten, arbeiten geschulte Fachkräfte eng mit Gemeinden und Sozialdiensten zusammen. Gemeinsam stärken sie lokale Anlaufstellen, an die sich Familien wenden können, wenn Kinder besonderen Schutz oder Hilfe benötigen. 

„Wir arbeiten mit Familien daran, ihre Beziehungen zu stärken und Kindern wieder ein sicheres Umfeld zu geben“, sagt Leila Nhantumbo, Projektleiterin der lokalen Partnerorganisation PROMURA.

Kinder nehmen an einer gemeinsamen Aktivität in einem kinderfreundlichen Raum teil
14 kinderfreundliche Räume des PROTEGE-Projekts bieten seit Mai 2025 mehr als 9.680 Kindern Unterstützung, Spiel und Lernmöglichkeiten Plan International

Neue Perspektiven für Teresa

Kinder und Jugendliche erleben Krisen auf ganz unterschiedliche Weise. Manche benötigen deshalb eine besonders intensive Begleitung. Dazu gehört auch Teresa*. Mit 13 Jahren bekommt sie ein Kind und fühlt sich in dieser Zeit häufig allein. Regelmäßige Gespräche mit Sozialarbeiter:innen geben ihr Halt. „Sie haben mir sehr geholfen und mich unterstützt, als ich mich einsam fühlte“, erinnert sie sich.

Neben der psychosozialen Begleitung erhält Teresa individuelle Unterstützung, damit sie sich um ihr Kind kümmern und ihren Alltag Schritt für Schritt wieder selbst gestalten kann. Heute richtet sich ihr Blick vor allem auf die Zukunft ihres Sohnes. „Ich hoffe, dass mein Sohn später einmal Krankenpfleger wird und der ganzen Gemeinschaft hilft“, sagt sie.

*Name zum Schutz der Identität geändert.

Teresa (14) hält ihr Kind im Arm und steht in ihrer Gemeinde
Teresa (14) erhielt Unterstützung, um für ihr Kind zu sorgen und neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln Plan International
Ein Mitarbeitender interagiert spielerisch mit Kindern in einem geschützten Umfeld
Durch verlässliche Unterstützung gewinnen Kinder in Cabo Delgado wieder Vertrauen und Zuversicht Plan International
Kinder sitzen und spielen gemeinsam in einem geschützten Umfeld
Spiel, Lernen und Austausch helfen den Kindern, nach dem Konflikt wieder Stabilität zu finden Plan International

Mit Zuversicht nach vorn

Die Folgen des bewaffneten Konflikts prägen das Leben vieler Familien in Cabo Delgado bis heute. Die Geschichten von Lucia, Sara und Teresa zeigen zugleich, wie wichtig verlässliche Unterstützung für Kinder und Jugendliche sein kann.

Für viele beginnt der Weg zurück in den Alltag mit kleinen Schritten. Dazu gehören das Wiedersehen mit der Familie, die Rückkehr in die Schule oder die Gewissheit, in schwierigen Situationen nicht allein zu sein. Diese Erfahrungen geben Kindern und Jugendlichen Orientierung und helfen ihnen dabei, ihren Alltag Schritt für Schritt wieder selbst zu gestalten.

Die Geschichten von Lucia, Sara und Teresa* wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Mosambik erstellt. 

Über das Projekt

Das Projekt PROTEGE unterstützt Kinder und Familien, die vom bewaffneten Konflikt im Norden Mosambiks betroffen sind. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen Helpcode und PROMURA stärkt Plan International den Kinderschutz in den Distrikten Nangade, Mueda, Muidumbe und Macomia.

Zu den Maßnahmen gehören die Familienzusammenführung, sichere Lern- und Begegnungsorte für Kinder sowie psychosoziale Unterstützung für besonders gefährdete Mädchen und Jungen. Darüber hinaus arbeitet das Projekt mit Familien und Gemeinden daran, Schutzstrukturen langfristig zu stärken und Kindern den Zugang zu Bildung und Unterstützung zu ermöglichen. Das Projekt wird durch die Europäische Union über die Generaldirektion für europäische Katastrophenschutz- und humanitäre Hilfsmaßnahmen (ECHO) finanziert.

Mit einer Patenschaft Perspektiven schaffen

Mit einer Plan-Patenschaft in Mosambik unterstützen Sie Kinder und Familien, die von Konflikten und Vertreibung betroffen sind. 

Ihre Patenschaft hilft dabei, Kinder zu schützen, Familien zu stärken und ihnen den Zugang zu Bildung, psychosozialer Unterstützung sowie sicheren Lern- und Begegnungsorten zu ermöglichen. So können Kinder Schritt für Schritt wieder Sicherheit, Orientierung und neue Zukunftsperspektiven gewinnen.

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