Ein Garten, der die ganze Familie ernährt

Foto: Emdadul Islam Bitu

Nach ihrer Flucht musste Yasmin in Bangladesch eine neue Lebensgrundlage finden. Mit Saatgut, Schulungen und einem Stück Land wagt die 25-Jährige einen Neuanfang in der Landwirtschaft.

Zwischen Bambusgerüsten wachsen Kürbisse, Auberginen und Chilischoten – ein Anfang ist gemacht, ist sich Yasmin sicher. Die 25-Jährige bewirtschaftet den Garten gemeinsam mit ihrem Mann, der ihnen und ihren drei Kindern Nahrung bietet. Was übrigbleibt, verkauft sie auf lokalen Märkten.

Dass Yasmin heute mit ihrer Familie eigenes Gemüse anbauen kann, war lange keine Selbstverständlichkeit. Nach ihrer Flucht aus Myanmar musste sie sich im benachbarten Bangladesch eine neue Lebensgrundlage aufbauen. Der Gemüseanbau hilft ihr heute, ihre Familie mit frischen Lebensmitteln zu versorgen und zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Wie sich die Ernährung von Familien langfristig sichern lässt, steht auch im Mittelpunkt des Welternährungstags am 16. Oktober.

Yasmin hockt in ihrem Garten in Bangladesch
Yasmin (25) kümmert sich um ihren Küchengarten im bangladeschischen Cox’s Bazar Emdadul Islam Bitu

Die Landwirtschaft gehörte schon in Myanmar zu Yasmins Leben. Ihre Familie besaß eigenes Land und Tiere und konnte von der Bewirtschaftung ihrer Felder leben. „Ich erinnere mich noch gut an unser Land und die schönen Zeiten, die wir hatten“, erzählt Yasmin.

Ein Leben, das sie zurücklassen musste

Doch bewaffnete Konflikte trieben sie zur Flucht. Sieben Tage lang war die Familie mit kaum etwas zu essen in den Hügeln unterwegs. An der Küste mussten sie weitere zwei Tage warten, weil ihnen das Geld für eine Bootspassage fehlte. Um die Überfahrt schließlich bezahlen zu können, bettelten sie und nahmen Gelegenheitsarbeiten an. Seit fünf Jahren lebt Yasmin mit ihrer Familie nun in einem Geflüchtetenlager in Cox’s Bazar im Süden von Bangladesch.

Mit 16 Jahren hatte sie geheiratet, heute zieht sie drei Kinder groß. Für die Familie zu sorgen, war eine große Herausforderung. Zusätzlich verschärfte sich ihre Lage, als ihr Mann nach einem Verkehrsunfall nicht mehr arbeiten konnte. Sein Bein ist seit vier Jahren verletzt, sodass eine wichtige Einkommensquelle der Familie wegfiel. „Ich stand vor vielen Schwierigkeiten. Ich musste mir um alles Sorgen machen: Essen, Unterkunft und so weiter“, erzählt Yasmin.

Besonders die Ernährung ihrer Kinder bereitete ihr Sorgen. Ohne regelmäßiges Einkommen konnte sie ihnen nur schwer ausreichend nahrhafte Lebensmittel bieten. Auch die Kosten für ihre Schulbildung waren kaum zu stemmen.

Yasmin und ihr Mann stehen zusammen in ihrem Garten in Bangladesch
Yasmin und ihr Mann bauen gemeinsam Gemüse an, nachdem er durch einen Verkehrsunfall arbeitsunfähig wurde Emdadul Islam Bitu
Yasmins Mann gießt die Pflanzen im eigenen Garten
Yasmins Mann pflegt die Pflanzen, die einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Familie leisten Emdadul Islam Bitu

„Ich habe neues Saatgut gewonnen, aus dem ich größere Pflanzen gezogen habe.“

Yasmin (25), Landwirtin aus Myanmar

Mit Saatgut und Schulungen zurück zur Landwirtschaft

Ein lokaler Partner von Plan International unterstützte Yasmin mit Saatgut, landwirtschaftlichen Hilfsmitteln und Schulungen zum Gemüseanbau. Die Landwirtschaft war ihr bereits vertraut, durch die Schulungen lernte sie nun weitere Anbaumethoden kennen und erfuhr, welche Jahreszeiten sich für bestimmte Gemüsesorten eignen und wie Pflanzen auch in Töpfen angebaut werden können.

„Ich habe das Saatgut nach und nach eingesetzt, mich um die Pflanzen gekümmert und aus ihnen neues Saatgut gewonnen, aus dem ich größere Pflanzen gezogen habe“, sagt Yasmin. Zunächst legte sie einen kleinen Garten am Haus an. Da die Erträge für nennenswerte Einnahmen noch nicht ausreichten, pachteten sie und ihr Mann später zusätzliches Land. Auf der größeren Fläche bauen sie nun gemeinsam Gemüse an.

Eine größere Ernte bringt mehr Einkommen

Mit der zusätzlichen Anbaufläche konnte Yasmin ihre Ernte steigern. Heute wachsen in ihrem Garten unter anderem Kürbisse, Auberginen und Chilischoten. Einen Teil behält die Familie für den Eigenbedarf, den Rest verkauft sie. „Früher konnte ich nur zwei bis drei Kilogramm verkaufen, jetzt sind es fünf bis sieben“, sagt Yasmin.

Je nach Ernte verdient sie mit dem Verkauf zwischen 2.000 und 3.000 bangladeschische Taka (etwa 14 bis 21 Euro). Das Geld hilft ihr, die laufenden Ausgaben der Familie zu bestreiten. Gleichzeitig spart sie Ausgaben für Lebensmittel, weil sie einen Teil des Gemüses selbst anbaut. Von den Verkaufserlösen kann sie zudem weitere Lebensmittel finanzieren, die sich die Familie früher nur schwer leisten konnte.

Yasmin hält einen Teil ihrer Ernte, die sie auf dem Markt verkauft in ihrem Garten
Yasmin hält einen Teil ihrer Ernte, die sie auf dem Markt verkauft Emdadul Islam Bitu

„Wenn ich diese Arbeit nicht hätte, könnte ich die Ausbildung meiner Kinder nicht finanzieren.“

Yasmin (25), dreifache Mutter aus Myanmar

Besseres Essen und Schulmaterial für die Kinder

Vor allem die Ernährung ihrer Kinder hat sich durch den Garten verbessert. Das selbst angebaute Gemüse ergänzt ihre Mahlzeiten. Von den Verkaufserlösen kann Yasmin außerdem Fisch, Fleisch und Obst kaufen. „Früher konnten wir unsere Kinder nicht mit nahrhaftem Essen versorgen, weil wir kein Einkommen hatten“, sagt sie. „Wenn man auch nur ein kleines Stück Land bewirtschaftet und Obst und Gemüse anbaut, kann man seine Kinder damit ernähren.“

Auch die Schulbildung ihrer Kinder kann Yasmin inzwischen besser finanzieren. Sie kauft Bücher und Stifte und kann notwendige Ausgaben für die Kinder decken. „Wenn ich diese Arbeit nicht hätte, könnte ich die Ausbildung meiner Kinder nicht finanzieren“, sagt sie. „Jetzt kann ich sie dabei unterstützen, weiter zu lernen.“

Yasmin gibt ihr Wissen weiter

Der Gemüseanbau hat für Yasmin nicht nur wirtschaftliche Bedeutung. Die Arbeit hilft ihr auch, mit den schwierigen Erfahrungen der vergangenen Jahre umzugehen. „Ich habe mein Leben lang mit Kummer und Entbehrungen gelebt. Durch die Arbeit in der Landwirtschaft überwinde ich diese Schwierigkeiten allmählich“, erzählt sie. „Wenn ich nur zu Hause bleiben würde, würden meine Sorgen zunehmen und ich würde nichts verdienen.“

Inzwischen interessieren sich auch andere Menschen in ihrer Nachbarschaft für Yasmins Garten. Sie fragen sie, wo sie den Gemüseanbau gelernt hat und wie sie ihre Pflanzen pflegt. Yasmin erklärt ihnen, worauf es beim Anbau ankommt, und vermittelt bei Interesse den Kontakt zu der Organisation, die sie unterstützt hat. So gibt sie ihr Wissen weiter und ermutigt andere, den Gemüseanbau selbst auszuprobieren.

Yasmin schaut sich ihr Gemüse in ihrem Garten an
Yasmin gibt ihre Erfahrungen im Gemüseanbau an andere Menschen in ihrer Nachbarschaft weiter Emdadul Islam Bitu

„Durch die Arbeit in der Landwirtschaft überwinde ich allmählich die Sorgen und Entbehrungen.“

Yasmin (25), Projektteilnehmerin in Bangladesch

Ersparnisse für die Zukunft

Trotz der Fortschritte macht sich Yasmin weiterhin Gedanken über die Zukunft ihrer Kinder. Sie möchte finanziell besser für unerwartete Ausgaben gewappnet sein und die Ausbildung ihrer Kinder langfristig sichern.

Inzwischen hat sie rund 11.000 bangladeschische Taka gespart (etwa 79 Euro). Das Geld gibt ihr etwas Sicherheit – falls unvorhergesehene Kosten anfallen. „Ich möchte meine Ersparnisse vergrößern. Das Geld will ich vor allem für die Ausbildung meiner Kinder ausgeben“, sagt sie.

Die Geschichte von Yasmin wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Bangladesch aufgeschrieben.

Über das Projekt

Plan International unterstützt seit 2017 Familien in Bangladesch, die von Vertreibung betroffen sind. Gemeinsam mit dem lokalen Partner Friends in Village Development Bangladesh (FIVDB) fördert die Organisation unter anderem den Anbau von Küchengärten.

Das von der Australian Humanitarian Partnership (AHP) finanzierte Programm stellt Saatgut, landwirtschaftliche Hilfsmittel und praktische Schulungen bereit. Familien können so Gemüse für den Eigenbedarf anbauen und Überschüsse verkaufen, um ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Ziel ist es, die Ernährung der Familien zu verbessern und ihre Möglichkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts zu stärken.

Wichtige Hilfsprojekte unterstützen

Mit Ihrer Spende für den Sonderprojekt-Fonds von Plan International unterstützen Sie Kinder, Jugendliche und ihre Familien dort, wo Hilfe besonders dringend benötigt wird. Die Kinderrechtsorganisation fördert unter anderem Projekte zur Ernährungssicherung sowie Einkommen schaffende Maßnahmen und den Zugang zu Bildung für Kinder.

Plan International stärkt Familien in schwierigen Lebenssituationen, schafft neue Perspektiven und trägt dazu bei, dass Kinder gesund aufwachsen und ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können.

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