Ein Brunnen für Marie-Rose

Foto: Plan International

Was hat ein Brunnen mit Bildung zu tun? An Marie-Roses Schule in Guinea zeigt sich: eine ganze Menge. Denn sauberes Wasser schützt nicht nur die Gesundheit – es kann auch darüber mitentscheiden, ob Kinder regelmäßig am Unterricht teilnehmen können

Bis vor Kurzem gehörte zu Marie-Roses Schulalltag eine Herausforderung, die mit Unterricht zunächst wenig zu tun zu haben scheint: Es fehlte an Wasser. Trinken, Hände waschen oder die Toilette benutzen – all das war an ihrer Schule nicht ohne Weiteres möglich.

Wie viele Kinder in ländlichen Regionen Guineas lebt sie in einer Gegend, in der der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht gesichert ist. Landesweit hat fast ein Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 

Die zwölfjährige Marie-Rose steht mit einem Eimer Wasser am neuen Brunnen auf dem Gelände ihrer Schule in Guinea.
Ein neuer Brunnen versorgt Marie-Rose und ihre Mitschüler:innen direkt auf dem Schulgelände mit sauberem Wasser Plan International
Zwei Schüler stehen am Brunnen ihrer Schule und trinken dort Wasser.
Durst löschen, ohne dafür das Schulgelände verlassen zu müssen: Der Brunnen ermöglicht den Kindern jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser Plan International

Wo sauberes Wasser nicht direkt verfügbar ist, müssen Familien häufig weite Wege bis zur nächsten Wasserquelle zurücklegen. Das Wasserholen gehört dabei vielerorts zu den Aufgaben der Kinder. Manchmal machen sie sich noch vor dem Unterricht mit Kanistern oder anderen Behältern auf den Weg, um Wasser für ihre Familien zu holen – Zeit, die ihnen für die Schule fehlt. Sind die Wege besonders lang, kommen Kinder zu spät zum Unterricht oder verpassen ihn ganz.

Eine fehlende Wasserversorgung an Schulen verschärft die Situation zusätzlich: Kinder müssen das Schulgelände verlassen, um Wasser zu holen, mangelnde Hygiene kann sie krank machen, Durst die Konzentration im Unterricht erschweren. Wasser wird damit auch zur Bildungsfrage.

Wasser direkt auf dem Schulgelände

An Marie-Roses Schule hat sich die Situation inzwischen grundlegend verändert. Ein neuer Brunnen versorgt Kinder und Lehrkräfte direkt auf dem Schulgelände mit sauberem Wasser. Statt Wasser von weit entfernten und teilweise unsicheren Quellen holen zu müssen, haben die Schüler:innen nun direkt auf dem Schulgelände Zugang zu sauberem Wasser.

„In den Pausen kann man immer etwas trinken oder sich die Hände waschen“, erzählt Marie-Rose.

Für die Sechstklässlerin kommt die Veränderung zu einem wichtigen Zeitpunkt. Marie-Rose bereitet sich auf ihre Aufnahmeprüfung für die weiterführende Schule vor. Weil Wasser nun direkt auf dem Schulgelände verfügbar ist, verbringt sie weniger Zeit außerhalb des Unterrichts damit Wasser zu holen und kann sich ohne Durst besser auf das Lernen konzentrieren.

Porträt der Lehrerin Yaramou Louag an Marie-Roses Schule in Guinea.
Lehrerin Yaramou Louag erlebt, wie die Wasserversorgung den Schulalltag verändert – von besserer Hygiene bis zum Umgang mit der Menstruation Plan International
Marie-Rose steht am Brunnen ihrer Schule und pumpt mit einer Handpumpe Wasser.
Für Marie-Rose bedeutet der Brunnen mehr als sauberes Trinkwasser: Er schafft bessere Voraussetzungen dafür, dass sie sich auf die Schule und ihre Zukunft konzentrieren kann Plan International

Doch der Brunnen erleichtert nicht nur Marie-Roses Alltag. Eine verlässliche Wasserversorgung kann darüber mitentscheiden, ob Kinder regelmäßig zur Schule gehen können – insbesondere Mädchen.

Wenn die Periode zum Hindernis wird

Wie wichtig Wasser dabei ist, hat Lehrkraft Yaramou Louag selbst erlebt. Sie erinnert sich besonders an eine Schülerin, die während des Unterrichts ihre Periode bekam. Dank des Wassers an der Schule konnte das Mädchen die Toilette nutzen, sich waschen und umziehen – und anschließend in den Unterricht zurückkehren. Vor der Versorgung mit Wasser hätte das Mädchen nach Hause gehen müssen, um sich zu waschen.

„Daran sieht man, wie wichtig Wasser ist“, sagt Yaramou Louag.

Wo Wasser und geeignete Sanitäranlagen fehlen, kann die Menstruation so zum Bildungshindernis werden. Eine funktionierende Wasser- und Sanitärversorgung schafft dagegen die Voraussetzungen dafür, dass Mädchen ihre Menstruation hygienisch bewältigen und weiter am Unterricht teilnehmen können.

Für Yaramou Louag geht es deshalb um weit mehr als Durst oder Sauberkeit: „Ohne Wasser hätten wir nicht rechtzeitig reagieren können. Hier ist Wasser nicht nur zum Trinken da – es schützt die Würde der Kinder.“

Marie-Rose trägt nach dem Unterricht eine mit Wasser gefüllte Kanne vom Schulgelände nach Hause.
Nach dem Unterricht nimmt Marie-Rose Wasser aus dem Schulbrunnen mit nach Hause. Auch über den Schultag hinaus profitiert ihre Familie so von der neuen Wasserquelle Plan International

Ein Brunnen, von dem viele profitieren

Auch Schulleiter Faustin Delamou erlebt täglich, wie sehr sich der Schulalltag durch den Brunnen verändert hat. „Wasser ist lebenswichtig. Wir trinken es jeden Tag und wir nutzen es für die Toiletten.“

Wie groß der Bedarf in der Region ist, zeigt sich direkt an seiner Schule. Denn nicht nur die eigenen Schüler nutzen die neue Wasserquelle. Auch Kinder einer anderen Schule, die keinen eigenen Brunnen hat, kommen hierher, um Wasser zu holen.

Für den Schulleiter besteht ein enger Zusammenhang zwischen Wasserversorgung, Hygiene und Gesundheit. „Wenn die Kinder Zugang zu Wasser haben, können sie auf Hygiene und Sauberkeit achten. Aber ohne sauberes Wasser funktioniert das nicht und die Kinder werden häufig krank.“

Sauberes Wasser schafft Bildungschancen

Der Brunnen an Marie-Roses Schule ist Teil einer Initiative von Plan International und der Orange Foundation, die den Zugang zu sauberem Trinkwasser in ländlichen Gemeinden Guineas verbessern soll. Im Mittelpunkt stehen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene – kurz WASH. Eine unzureichende Versorgung in diesen Bereichen kann die Gesundheit, Bildung und das Wohlergehen von Kindern erheblich beeinträchtigen.

Verlässliche Wasserquellen an Schulen helfen dabei, die hygienischen Bedingungen zu verbessern und das Risiko wasserbedingter Krankheiten zu verringern. Gleichzeitig schaffen sie ein Lernumfeld, in dem Kinder sicherer und regelmäßiger am Unterricht teilnehmen können. Besonders für Mädchen ist das wichtig, denn geeignete Wasser- und Sanitärangebote ermöglichen ihnen auch während ihrer Menstruation einen Schulbesuch in Würde.

Für Marie-Rose ist diese große Wirkung längst Teil ihres Alltags geworden. Sie kann sich auf das konzentrieren, was für sie jetzt zählt: ihre Aufnahmeprüfung und den nächsten Schritt ihrer Schulbildung.

 

Die Geschichte von Marie-Rose wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Guinea erstellt. 

Spendenbox

In Guinea setzen wir uns dafür ein, die Lebensumstände und Zukunftsperspektiven von Kindern und ihren Familien zu verbessern. Wir sorgen unter anderem dafür, dass sie gerechten Zugang zu inklusiver und hochwertiger Bildung erhalten. Außerdem bestärken wir Mädchen und Jungen darin, ihre Rechte wahrzunehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Mit der Übernahme einer Patenschaft für ein Kind in Guinea helfen Sie uns dabei, wichtige Hilfsprojekte vor Ort umzusetzen, von denen nicht nur Ihr Patenkind, sondern auch seine Familie und die ganze Gemeinde profitiert.

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