Konflikt trifft Kinder in Libanon
Die erneute Eskalation der Gewalt im Nahen Osten hat gravierende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung in Libanon – besonders auf Kinder. Seit Anfang März hat sich die Sicherheitslage im Land deutlich verschärft. Luftangriffe und Evakuierungsanordnungen zwingen viele Familien zur Flucht und erschüttern den Alltag ganzer Gemeinden.
Plan International reagiert mit umfassender humanitärer Hilfe, um betroffene Familien zu unterstützen, Kinder zu schützen und den Zugang zu grundlegender Versorgung zu sichern.
Konflikt eskaliert – hunderttausende Menschen auf der Flucht
Am 2. März erreichte der Konflikt eine neue Eskalationsstufe. Innerhalb weniger Tage wurden landesweit mehr als 1.161 Kampfhandlungen registriert. Luftangriffe trafen unter anderem dicht besiedelte Gebiete in den südlichen Vororten von Beirut sowie Regionen im Süden des Landes und im Bekaa-Tal.
Die humanitären Folgen sind gravierend: Mindestens 486 Menschen wurden getötet, darunter 83 Kinder, und über 1.300 weitere verletzt. Gleichzeitig sind rund 668.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht.
Viele Familien mussten ihre Häuser verlassen. Öffentliche Gebäude wurden zu Notunterkünften umfunktioniert. Insgesamt wurden bereits 567 Sammelunterkünfte eingerichtet, die vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
Kinder, die aus betroffenen Regionen fliehen mussten, benötigen dringend psychosoziale Unterstützung.
Wenn Schulen zu Notunterkünften werden
Die Krise trifft besonders Kinder. Landesweit wurden Schulen vorsorglich geschlossen, während viele Schulgebäude als Sammelunterkünfte genutzt werden. Mindestens 328 öffentliche Schulen dienen derzeit als Notunterkünfte. Dadurch verlieren rund 104.200 Kinder vorübergehend den Zugang zu Bildung. Gleichzeitig sind etwa 45.000 der Vertriebenen selbst schulpflichtige Kinder.
Der Ausfall des Unterrichts bedeutet weit mehr als Lernrückstände. Schulen bieten Kindern Struktur, soziale Kontakte und einen sicheren Ort. Wenn diese Räume wegfallen, verlieren viele Mädchen und Jungen wichtige Unterstützung im Alltag.
Kinder, die aus den betroffenen Regionen fliehen mussten, benötigen dringend psychosoziale Unterstützung. Durch Vertreibung, Schulschließungen und den Mangel an sicheren, kinderfreundlichen Räumen steigt das Risiko psychischer Belastungen für Kinder erheblich.
Ein Land mit begrenzten Ressourcen
Die aktuelle Eskalation trifft Libanon zu einem Zeitpunkt, an dem das Land bereits unter einer schweren wirtschaftlichen Krise leidet. Staatliche Institutionen und Kommunen verfügen nur über begrenzte Ressourcen, um auf die neue Notlage zu reagieren.
In vielen Sammelunterkünften fehlt es an grundlegender Ausstattung wie Matratzen, Decken oder Hygieneartikeln. Gleichzeitig geraten Wasser-, Sanitär- und Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck. Überfüllte Unterkünfte erhöhen zudem den Bedarf an Trinkwasser, Hygieneartikeln und medizinischer Versorgung.
Auch die Versorgung mit Lebensmitteln wird schwieriger. Viele vertriebene Familien haben keinen Zugang zu Kochmöglichkeiten oder Märkten. Besonders landwirtschaftliche Haushalte verlieren durch die Kämpfe ihre Einkommensgrundlage und damit ihre wichtigste Lebensquelle.
Diese Entwicklungen gefährden die Kinderrechte in Libanon massiv – insbesondere das Recht auf Schutz, Bildung und eine sichere Entwicklung.
Wie Plan International hilft
Plan International hat gemeinsam mit lokalen Partnern eine umfassende Nothilfe-Reaktion gestartet. Ziel ist es, besonders gefährdete Kinder und ihre Familien schnell zu unterstützen und grundlegende Versorgung sicherzustellen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
Soforthilfe in Sammelunterkünften: Plan International verteilt dringend benötigte Hilfsgüter wie Matratzen, Decken und Hygieneartikel, um die Lebensbedingungen in überfüllten Unterkünften zu verbessern.
Bargeldhilfe für betroffene Familien: Viele Haushalte erhalten direkte finanzielle Unterstützung. Diese Cash-Hilfen ermöglichen es Familien, Lebensmittel, Medikamente oder andere dringend benötigte Güter selbst zu kaufen.
Psychosoziale Unterstützung für Kinder: Programme zur psychosozialen Unterstützung helfen Kindern, Stress und belastende Erfahrungen zu verarbeiten. Dazu gehören unter anderem Beratungsangebote und unterstützende Aktivitäten für Kinder.
Bildung trotz Krise ermöglichen: Gemeinsam mit Partnern unterstützt die Kinderrechtsorganisation flexible Lernangebote sowie Programme, die psychosoziale Unterstützung mit Bildung verbinden, damit Kinder trotz der Krise weiter lernen können.
Besonderer Fokus auf Mädchen
Frauen und Mädchen sind in Konflikten besonders gefährdet. Vertreibung und unsichere Lebensbedingungen erhöhen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt deutlich. Plan International stellt deshalb den Schutz von Mädchen und jungen Frauen in den Mittelpunkt seiner Programme.
Gemeinsam Hoffnung geben
Die Situation in Libanon bleibt angespannt. Weitere militärische Eskalationen könnten die humanitäre Krise weiter verschärfen.
Umso wichtiger ist es, Kinderrechte in Libanon zu schützen und Familien in dieser schwierigen Zeit nicht allein zu lassen. Und kein Kind sollte die Last von Konflikten tragen müssen. Humanitäre Hilfe im Nahen Osten kann Leben retten, Stabilität schaffen und Kindern in Libanon eine Perspektive geben.
Der Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Libanon erstellt.