In 84 Ländern sind Schulen oft keine sicheren Orte

Foto: Signe Vilstrup

Der globale Bericht „Education under Attack 2022“ untersucht die Gewalt gegen Schüler:innen, Lehrkräfte und Bildungsinstitutionen weltweit. In den vergangenen zwei Jahren gab es in 84 Ländern entsprechende Vorfälle.

Weltweit haben die Angriffe auf das Bildungswesen zugenommen. In den Jahren 2020 und 2021 ermittelte die „Global Coalition to Protect Education from Attack“ – Globale Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen (GCPEA) – über 5.000 gemeldete Angriffe auf das Bildungswesen und Fälle von militärischer Nutzung von Schulen und Universitäten. Mehr als 9.000 Schüler:innen und Lehrkräfte wurden dabei entführt, verhaftet, verletzt oder getötet.  

Alle zwei Jahre erstellt die GCPEA, in der Plan International im Lenkungsausschuss sitzt, den Bericht „Education Under Attack 2022“ („Bildung unter Beschuss“), der die einzige globale Dokumentation und Analyse von Angriffen auf Schulen und Universitäten sowie deren Studenten und Mitarbeiter weltweit darstellt. Erfasst wurden sechs Formen von Rechtsverletzungen in Bezug auf Bildung: 1.) Angriffe auf Schulen; 2.) Angriffe auf Schüler:innen, Lehrkräfte und weiteres Bildungspersonal; 3.) militärische Nutzung von Schulen und Universitäten; 4.) Rekrutierung von Kindern in der Schule oder auf dem Weg dorthin; 5.) sexualisierte Gewalt durch bewaffnete Gruppen in Schulen oder Universitäten oder auf dem Weg dorthin; sowie 6.) Angriffe auf die Hochschulbildung.  

Eine leere Schulbank
Alf Berg
Ein leeres Klassenzimmer mit einer Tafel, ohne Tische und Stühle.
Alf Berg

Die wichtigsten Ergebnisse 

In 84 Ländern sind Schulen oftmals keine sicheren Orte. Insgesamt sammelte die GCPEA 2020 und 2021 Berichte über mehr als 3.000 Angriffe auf Schulen weltweit. 28 der betroffenen Länder werden in „Education under Attack 2022“ näher vorgestellt. In diesen Ländern ermittelte die GCPEA über 630 Attacken, die sich direkt gegen Schüler:innen, Lehrkräfte und weiteres Bildungspersonal richteten und bei denen mehr als 2.400 Personen verletzt, getötet, entführt oder bedroht wurden. Etwa 2.300 wurden festgenommen oder inhaftiert. 

In 24 Ländern wurden Schulen und Universitäten militärisch genutzt. Weltweit ermittelte die GCPEA über 570 gemeldete Fälle – mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. In vier Ländern wurden Kinder in der Schule, auf dem Weg dorthin oder auf dem Heimweg von bewaffneten Gruppen rekrutiert, darunter auch gezielt Mädchen. Die GCPEA stellte außerdem in sieben Ländern Berichte über sexualisierte Gewalt im Zusammenhang mit dem Schul- oder Universitätsbesuch fest.  

320 Angriffe gab es auf die Hochschulbildung, wovon sich 240 gegen Studierende und Hochschulpersonal richteten und mehr als 80 auf Einrichtungen abzielten. Viele Studierende wurden verhaftet oder Gewalt ausgesetzt, um bildungsbezogene Proteste zu unterdrücken. In den am stärksten betroffenen Ländern im Kontext der Angriffe auf Hochschulbildung war Sprengstoff eine häufig eingesetzte Waffe.  

Leeres Klassenzimmer in Vietnam
Minna Kumpulainen

Auswirkungen von Covid-19 

Die GCPEA stellte fest, dass die Corona-Pandemie unterschiedliche Auswirkungen auf die verschiedenen Arten von Angriffen auf das Bildungswesen hat. Dabei kommt es zu erheblichen Unterschieden zwischen Ländern und Regionen. Allerdings sind Trends zu erkennen:  

In einigen Ländern konnte während der anfänglichen Schließungen im Jahr 2020 ein Rückgang der Angriffe auf das Bildungswesen festgestellt werden. Darauf folgte jedoch ein sprunghafter Anstieg, als die Schulen wieder geöffnet wurden. In einigen Ländern nutzten bewaffnete Kräfte und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen leerstehende Schulen für militärische Zwecke. Proteste gegen die Schließung von Schulen und Universitäten sowie gegen weitere Maßnahmen in der Pandemie, die mit der Bildung zusammenhängen, wurden in einigen Ländern von Polizei und Sicherheitskräften gewaltsam unterdrückt. 

Empfehlungen 

Aus den Ergebnissen des Berichts hat die GCPEA wichtige Empfehlungen und Forderungen abgeleitet. Auch und gerade fordert die Organisation die sofortige Beendigung der Angriffe auf das Bildungswesen und die Umsetzung der Erklärung und Leitlinien für sichere Schulen. Gleichzeitig soll die Überwachung von und Berichterstattung über Angriffe auf das Bildungswesen verstärkt, Täter:innen zur Rechenschaft gezogen und Überlebenden Hilfe angeboten werden. GCPEA fordert wirksame Strategien, um während eines bewaffneten Konflikts das Risiko von Angriffen zu verringern und den sicheren Zugang zu Bildung aufrechtzuerhalten. 

Alle Ergebnisse, Empfehlungen und Forderungen sind hier zu finden: „Education under Attack 2022“  

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