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Gleichberechtigung fördern - Gender Pay Gap schließen

Sind wir gleichberechtigt? Leider nein. Ein deutliches Beispiel dafür ist die Lohnlücke, der so genannte Gender Pay Gap: Frauen in Deutschland verdienen durchschnittlich etwa 20 Prozent weniger als Männer. Selbst bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Ausbildung besteht in der Bezahlung immer noch ein Unterschied von 6 Prozent! Deutschland hat sich als Mitglied der UN verpflichtet, die Nachhaltigen Entwicklungsziele bis 2030 umzusetzen – dazu gehört auch: gleichwertiges Entgelt für gleiche Arbeit unabhängig vom Geschlecht. Das ist bislang noch nicht der Fall.

Wir finden: Das kann nicht sein! Welche Gründe es dafür gibt, warum wir das ändern müssen, was Plan fordert und wie es in unseren Programmländern um die finanzielle (Un-)Abhängigkeit von Mädchen und Frauen steht – das erfahrt ihr im Folgenden!

Der Gender Pay Gap ist der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Er zeigt durch statistische Berechnungen auf, dass Frauen für ihre Arbeit schlechter entlohnt werden als Männer.

In Deutschland wird zwischen zwei Indikatoren unterschieden. Der unbereinigte Gender Pay Gap stellt den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen dar. 2019 betrug er 20 Prozent, Frauen verdienten also im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen berechnet den Verdienstunterschied von Männern und Frauen bei vergleichbaren Berufen (also einer ähnlichen Tätigkeit, ähnlichen Qualifikationen und ähnlicher Erwerbsbiografie). Die letzte Berechnung durch das statistische Bundesamt zeigte, dass Frauen für die gleiche Arbeit 6 Prozent weniger Gehalt bekommen als Männer.

Der Gender Pay Gap zeigt uns, dass Frauen und Männer in unserer Gesellschaft nach wie vor nicht die gleichen Chancen haben. Es gibt also – auch hier in Deutschland -  Nachholbedarf bei der Gleichstellung der Geschlechter. Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

So halten sich Stereotype über „Frauenberufe“ und „Männerberufe“ hartnäckig – doch durch Sichtweisen wie „Frauen sind Verkäuferinnen, Männer sind Manager“ werden Rollen-Klischees weiter reproduziert. Eine Vielzahl an unabdingbaren Service-, Dienstleistungs- und Pflegeberufen ist jedoch gesellschaftlich geringgeschätzt und wird dazu noch schlecht bezahlt: Dazu gehören beispielsweise Tätigkeiten im Einzelhandel aber auch im Gesundheitswesen. Oft sind es gerade solche Berufe, in denen Frauen arbeiten. Das geringere Entgeltniveau dieser Berufe trägt zur Lohnlücke bei. Soziale Berufe müssen deshalb nicht nur gesellschaftlich attraktiver und angesehener werden, sondern auch besser entlohnt werden, um das Gender Pay Gap zu schließen.

Gesellschaftliche Normen sind auch Ursache dafür, dass Frauen meist die Rolle der Familienbetreuung und der Care-Arbeit zugeschrieben wird, während Männer für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig gemacht werden. Auch wenn heutzutage mehr Frauen berufstätig sind, fällt ihnen diese Last meist noch zusätzlich zu. Das führt dazu, dass Frauen häufiger in Teilzeit oder Minijobs arbeiten oder ihre Berufstätigkeit unterbrechen, etwa für die Kindererziehung oder Pflege. Während 47 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 64 Jahren in Teilzeit beschäftigt sind, trifft dies auf nur rund 9 Prozent der Männer zu.

Auch innerhalb von Unternehmen werden Frauen häufig benachteiligt und am Karriereaufstieg gehindert. So bekleiden meist Männer die höher bezahlten Positionen in den oberen Führungsetagen von Unternehmen und Organisationen, während Frauen oft nicht über Posten im mittleren Management zu finden sind. Grund dafür ist häufig,  dass es bei Einstellungs- oder Beförderungsgesprächen Vorbehalte gegenüber weiblichen Angestellten geben kann und Männer bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Dieses Phänomen heißt „gläserne Decke“.

Deutschland hat sich als Mitglied der UN verpflichtet, die Nachhaltigen Entwicklungsziele bis 2030 umzusetzen - dazu gehört auch gleichwertiger Lohn für gleiche Arbeit unabhängig vom Geschlecht (festgeschrieben im SDG 8.5). Wie wir sehen, ist das bislang noch nicht der Fall. Deshalb fordern wir von Plan, dass Maßnahmen umgesetzt werden, die die Gehaltslücke schließen.

Geschlechterrollenbilder müssen sich langfristig verändern, um nachhaltig gesellschaftliche Normen und Strukturen für die Gleichstellung zu verbessern. Wir brauchen eine gesellschaftliche Akzeptanz von gleichberechtigter Elternschaft, damit Frauen und Männer die gleichen Chancen und Verpflichtungen im Familiengefüge haben können, ohne dabei berufliche und finanzielle Einbußen fürchten zu müssen. Dafür müssen nicht nur Job-Strukturen an die Bedürfnisse und Kapazitäten von allen Menschen angepasst und unter anderem das Modell der Führung in Teilzeit gefördert werden. Auch die Diskriminierung, die Frauen daran hindert, in Führungspositionen zu kommen, muss beendet werden.

Zu den Maßnahmen, den Gender Pay Gap zu schließen, gehört zudem, dass das Entgeltniveau von systemrelevanten, aber geringgeschätzten Berufen - in denen schließlich vor allem Frauen tätig sind – angehoben wird. Darüber hinaus müssen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder verbessert und vergünstigt werden, damit Unternehmen und der Staat kinderfreundlicher werden, und Frauen ihre Berufstätigkeit nur dann einschränken müssen, wenn sie das ausdrücklich wünschen.

Zu guter Letzt soll die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit in die wirtschaftliche Gesamtrechnung einfließen. Sie ist ebenfalls vollwertige Arbeit, ohne die das System nicht funktionieren würde, und eine offizielle Anerkennung würde dazu beitragen, die Entgeltlücke abzuschwächen.

In diesem Rahmen begrüßen wir die jüngst verabschiedete nationale Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung und fordern, dass diese in allen Bereichen umgesetzt wird. Ziele der Gleichstellungsstrategie sind unter anderem die Entgeltgleichheit, die bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, gleichberechtigte Karrierechancen und Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen sowie die Stärkung sozialer Berufe. Alle künftigen Gesetze und Förderprogramme sollen die Gleichstellung von Frauen und Männern berücksichtigen.

Im weltweiten Vergleich bekommen Frauen etwa 16 Prozent weniger Geld als Männer. Zudem gibt es global deutlich weniger weibliche als männliche Berufstätige, und Frauen arbeiten durchschnittlich weniger Stunden als Männer. Bezogen auf das Gehaltsniveau gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. So verdienen Frauen in Pakistan 34 Prozent weniger als Männer, während auf den Philippinen Frauen über 10 Prozent mehr verdienen als Männer.

Es gibt leider nicht zu allen Ländern detaillierte, belastbare Zahlen. Betrachtet man die (wissenschaftlich erwiesenen) Ursachen für einen Gehaltsunterschied, lassen sich aber bestimmte Schlussfolgerungen ziehen: Ökonomen haben beispielsweise einen wichtigen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Normen und dem Gender Pay Gap gefunden: In Ländern, in denen die Norm herrscht, dass Frauen für die Kindererziehung und den Haushalt verantwortlich sind, ist die Lohnlücke am größten. Dazu gehören in der EU zum Beispiel Deutschland und Österreich, aber diese Ansicht findet man auch häufig in unseren Projektländern.

Dort gibt es noch viel grundlegendere Herausforderungen für Frauen, was Arbeit und Bezahlung betrifft. Viele Frauen haben gar keine eigene Einkommensquelle – unter anderem, weil sie durch frühe Heirat und frühe Schwangerschaften nicht in der Lage waren, einen Schulabschluss, geschweige denn eine Berufsausbildung zu erlangen.

Es geht in unserer Projektarbeit also häufig erst einmal darum, dass grundlegende Hürden aus dem Weg geräumt werden, sodass Frauen eine Chance auf einen Job haben und so ihr Leben selbst und unabhängig finanzieren können. Daher zielen unsere Projekte darauf ab, Schulabschlüsse zu sichern, und Kinder-, Früh- und Zwangsheirat und frühe Schwangerschaften zu verhindern. Außerdem unterstützen wir junge Frauen dabei, eine Berufsausbildung zu machen, eigene Unternehmen zu gründen und sich damit eine eigene, unabhängige Lebensgrundlage zu schaffen.

Im Rahmen unserer globalen Kampagne Girls Get Equal fordern wir echte Gleichberechtigung auf allen Ebenen - weltweit. Diese ist aber bislang noch in keinem Land erreicht - selbst hier in Deutschland nicht, obwohl die Gleichberechtigung seit über 70 Jahren im Grundgesetz verankert ist.

Sehr deutlich wird diese fehlende Gleichberechtigung in Deutschland anhand des Gender Pay Gap - auch hierzulande, in einer der modernsten Industrienationen, verdienen Frauen deutlich weniger als Männer für gleichwertige Arbeit.

Die Ursache dafür sind - wie in unseren Programmländern auch - ungleiche Machtstrukturen und überholte Rollenbilder und Stereotype.

In unseren Projektländern wird die Lohnlücke häufig bereits durch schlechtere Bildungschancen für Mädchen und Frauen begründet, die schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeuten. Vor allem in Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen zwingt dies Frauen häufiger, Jobs im informellen Sektor oder in prekären Verhältnissen anzunehmen, auch, weil dort eher Jobs für Ungelernte, in Teilzeit oder in Heimarbeit zu bekommen sind.

In Industrienationen kommt die Lohnlücke eher durch den größeren Anteil an Teilzeit-Arbeit und die Unterbrechung von Berufstätigkeit für Kindererziehung und Pflege-Zeiten zustande.

In nahezu allen Ländern sind jedoch die Sektoren und Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, geringgeschätzt und schlechter bezahlt.

Gleichberechtigung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gerechtere Welt: Wir als Kinderhilfsorganisation zeigen Barrieren und Hürden auf, die Mädchen und junge Frauen daran hindern, ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zu führen. In diesem Fall am Beispiel der Lohnlücke, die es überall auf der Welt gibt, und die Ausdruck fehlender Gleichberechtigung ist.

Wir haben überall auf der Welt Handlungsbedarf, weil selbst in fortschrittlichen Ländern, in denen es uns augenscheinlich gut geht, wie hier, keine völlige Gleichstellung zwischen den Geschlechtern erreicht ist. Dies zeigt, wie aktuell und relevant die Forderungen von Plans Kampagne Girls Get Equal sind und wie wichtig es ist, dass wir uns global für Gleichberechtigung einsetzen. Im Rahmen der Kampagne zeigen wir immer wieder exemplarisch Bereiche auch in Deutschland, in denen die Gleichstellung der Geschlechter noch nicht erreicht ist.

Das Plakat bezieht sich auf deutsche Verhältnisse, weil es als Kommunikationstool Menschen, die in Deutschland leben, ansprechen und Aufmerksamkeit erregen soll. Am meisten Engagement zeigen Menschen, wenn sie etwas selbst und ihre eigenen Lebensverhältnisse betrifft. Es soll mit einem naheliegenden Beispiel ein zwar reales, aber auch etwas abstraktes Problem verdeutlichen - und zum Einsatz für Gleichberechtigung animieren.

Die Nachhaltigen Entwicklungsziele, die SDGs, schreiben die Verwirklichung von Gleichberechtigung als Auftrag an uns alle fest. Auch hier in Deutschland können wir uns in diesem Bereich verbessern. Wir können nicht nur auf andere Länder zeigen und sagen, dort müsse sich etwas ändern. Wir müssen auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Das können wir, indem wir uns ansehen, wo bei uns positive Veränderungen und ein Mehr an Gleichberechtigung nötig sind. Dies ist auch bei uns der Fall, auch hier muss die geschlechtsspezifische Lohnlücke geschlossen werden.

#Girlsgetequal