Hoffnung für die Schulkinder von Ganze

Foto: Plan International

Mangelhafte Ernährung hat oft auch verheerende Folgen für die Bildung von Kindern, etwa im dürregeplagten Kenia.

Eigentlich liefert diese Region genügend Erträge für das Leben aller Familien. Eigentlich gibt es entlang der Küstengebiete Kenias ausreichend Platz und Ressourcen für alle. Doch seit 2021 herrscht Dürre über dem Land, das im Westen hügelig wird und im Osten von den Weiten des Indischen Ozeans begrenzt ist. Der fehlende Niederschlag stellt die Menschen vor die Überlebensfrage.

Ramla (14) in der kenianischen Gemeinde Ganze
Ramla (14) in der kenianischen Gemeinde GanzePlan International
Wasserstellen und Bäche sind ausgetrocknet, viele Regionen in Kenia verdorrt
Wasserstellen und Bäche sind ausgetrocknet, viele Regionen in Kenia verdorrtPlan International

„Die Lage ist schwierig, und wir müssen unsere Eltern unterstützen – ob wir wollen oder nicht“, erzählt Ramla aus dem Unterbezirk Ganze. Die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Dorf seien gravierend, die Dürre alltäglich. „Als Kinder verbringen wir viel Zeit damit, zu arbeiten, Bäume für Holzkohle zu fällen oder Brennholz zu sammeln, um es zu verkaufen, anstatt zur Schule zu gehen“, sagt die 14-Jährige.

Tribute der Mädchen

Doch die extreme Dürre fordert derzeit einen weitaus höheren Tribut von den Mädchen, die in der Regel viel mehr Verantwortung übernehmen müssen als die Jungen. Die Hausarbeit wird traditionell von Mädchen und Frauen erledigt – darunter Feuerholz- und Wasserholen, kochen, die Viehzucht sowie Produktion von Holzkohle. Dadurch bleibt den Mädchen weniger Zeit für ihre Ausbildung.

Feuerholz sammeln, kochen und den Haushalt führen sind traditionell die Aufgaben von Mädchen und Frauen in Kenia
Feuerholz sammeln, kochen und den Haushalt führen sind traditionell die Aufgaben von Mädchen und Frauen in KeniaPlan International

Da sie ohnehin seltener zur Schule gehen als Jungen, müssen sich Mädchen in einer Hungerkrise verstärkt um jüngere Geschwister kümmern, damit ihre Eltern nach Nahrung suchen können. Allzu oft sind sie gezwungen, die Schule abzubrechen. Das beeinträchtigt längerfristig nicht nur ihre Zukunftsaussichten, sie sind auch einem größeren Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt, Frühverheiratung oder Teenager-Schwangerschaft aussetzt.

Ein Junge wartet auf sein Essen
Ein Junge wartet auf sein EssenPlan International
Schulkinder bekommen mindestens eine Mahlzeit am Tag
Schulkinder bekommen mindestens eine Mahlzeit am TagPlan International

Schulspeisung für Ernährung, Schutz und Bildung

Die Dürre und der Hunger haben in Kenia und seinen Anrainerstaaten ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Viele Wasserstellen sind ausgetrocknet, das Vieh stirbt flächendeckend. Aufgrund der geringen Niederschläge fehlt es an Weideland und wegen der geringen Ernteerträge sind 2,1 Millionen Menschen in dem ostafrikanischen Land von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht.

„Unsere Rechte werden jeden Tag verletzt.“

Ramla (14), in der kenianischen Gemeinde Ganze

„Unsere Rechte auf Ernährung, Schutz und Bildung werden jeden Tag verletzt“, sagt Ramla. „Aber die Schule hat im Moment keine Priorität.“ Gleichwohl habe die Einführung eines Programms für Schulspeisung durch Plan International viele Kinder wieder zurück in den Unterricht gebracht.

Die nahrhaften Speisen schmecken allen Schulkindern
Die nahrhaften Speisen schmecken allen SchulkindernPlan International
Ramla (14) bekommt ihre Schulmahlzeit
Ramla (14) bekommt ihre SchulmahlzeitPlan International

Das Kinderhilfswerk reagiert auf die Dürre- und Ernährungskrise in den am stärksten betroffenen Bezirken Kenias: Plan-Teams verteilen Lebensmittelpakete an bedürftige Familien und unterstützen die Versorgung der Schulen, damit die Mädchen und Jungen dort täglich mindestens eine nahrhafte Mahlzeit – bestehend aus Bohnen und Mais – erhalten. Das schafft nebenbei einen Anreiz dafür, weiterhin am Unterricht teilzunehmen, wo die Kinder sicher sind und ihre Ausbildung fortsetzen können.

„Wir tun das Richtige“

„Bevor es in der Schule die Essensrationen gab, haben wir den Unterricht geschwänzt, um Wasser zu holen, zu arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt Ramla. Diejenigen, die in der Schule geblieben waren, seien in der Mittagspause meistens nach Hause gegangen und hätten viel Zeit mit oft weiten Hin- und Rückwegen verschwendeten, was ebenfalls zu schlechteren Leistungen beigetragen hätte.

„Mit den Schulspeisungen reduzieren wir die Fehlzeiten“, sagt Lehrer Kaingu Kazungu. „Von einer Klasse mit 50 Kindern kamen jeden Tag nur noch 20 oder weniger zur Schule. Seit das Essen da ist, sind die Klassen wieder voll besetzt. In einigen sitzen sogar sehr junge Mädchen und Jungen, die noch nicht schulpflichtig sind, aber wegen der schwierigen Situation zu Hause erlauben wir ihnen, mit ihren älteren Geschwistern in die Schule zu kommen, damit sie eine Mahlzeit haben.“

 

Auch der Notendurchschnitt bei den Prüfungen verbessere sich: Von 191 auf 231 von 500 Punkten, die Kinder seien wieder konzentrierter bei ihren Aufgaben. „Das bedeutet, dass wir das Richtige tun und hoffentlich noch mehr erreichen werden“, sagt Kazungu. Ramla nickt und ergänzt: „Die Mahlzeiten haben vielen Kindern Hoffnung gegeben.“

 

Marc Tornow arbeitete 2016 in Kenia und hat Ramlas Geschichte mit Material aus dem örtlichen Plan-Büro aufgeschrieben.

Lehrer Kaingu Kazungu (links) und das Plan-Team füllen die Vorräte der Schule auf
Lehrer Kaingu Kazungu (links) und das Plan-Team füllen die Vorräte der Schule aufPlan International

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