Auf Gedeih und Verderb vom Wetter abhängig
Sobald sich am Himmel über Mulanje die Wolken ballen, spürt Winny, wie sich ihr Körper innerlich zusammenzieht. Seit Jahren bringen die Regenfälle hier im Süden von Malawi keine Erleichterung, sondern Zerstörung. Und davon ist auch die 35-Jährige betroffen, die mit ihren fünf Kindern dort lebt. Das jüngste ist ein Waisenkind, um das sie sich kümmert, und auch Winny selbst hatte keine leichte Jugend: „Ich habe mit 14 die Schule abgebrochen, weil meine Eltern starben – und ich habe keine Hilfe bekommen. Mit 19 habe ich geheiratet.“
Doch nun, im Erwachsenenalter, zeichnen sich neue Herausforderungen ab: Überschwemmungen und Wirbelstürme haben aufgrund der Klimakrise immer häufiger Ernteausfälle zur Folge – und dadurch leben auch Winny und weitere Familien in ständiger Angst, erneut vor dem Nichts zu stehen. Das trifft auch und gerade auf die Menschen in einem tiefergelegenen Gebiet zu, wo ein Flusslauf jedes Jahr näher an die bewohnten Gebiete heranrückt.
Mehr Ernteausfälle durch Überschwemmungen und Wirbelstürme
„Von 2022 bis 2024 haben wir immer wieder Ernten verloren.“
Als Winnys Mann starb, wurde die junge Mutter zur alleinigen Ernährerin der Familie. Diese Bürde ist mit jedem Sturm gewachsen. Drei Jahre lang folgten im südlichen Afrika neue Wirbelstürme, es ging Schlag auf Schlag. „Die Unwetter haben uns großes Leid gebracht“, sagt Winny leise. „Von 2022 bis 2024 haben wir immer wieder Ernten verloren. Wir haben Mais, Strauchbohnen und Vieh verloren.“
Im Jahr 2023 beschädigte der Zyklon Freddy Winnys Haus schwer, und die Familie verlor fast alles. Ihr Land, einst fruchtbar und ertragreich, steht nun fast das ganze Jahr über unter Wasser. Nachdem Zyklon Jude Anfang 2025 über das Land gezogen war, ging das Hochwasser gar nicht mehr zurück. „Im Moment ist unser Hof überflutet. Ich kann derzeit nichts auf meinem Land anbauen.“
Bevor sich die Katastrophen verschärften, konnte Winny zweimal im Jahr Mais, Sorghum, Reis und Sojabohnen ernten. In guten Jahren füllte dies ihren Vorratsspeicher; sie ernährte ihre Kinder gut und verkaufte den Überschuss, um Kleidung, Seife sowie Schulmaterialien zu bezahlen. „Mais war besonders ertragreich“, erinnert sie sich. „Bei einer Rekordernte konnte ich stets einen Teil verbrauchen und den anderen verkaufen.“
Wegen der Klimakrise kämpft Winnys Familie ums Überleben
Inzwischen geht es für die Familien ums Überleben. „Ich bin auf andere angewiesen und mache mir Sorgen, ob ich mein Land für den Anbau je zurückbekommen werde“, gibt sie zu. Schon vor den Wirbelstürmen machten gelegentliche Dürreperioden das Leben in Malawi schwer – aber nichts von alledem war vergleichbar mit der Verwüstung der letzten Jahre. Frühwarnungen könnten einen Unterschied machen, doch oft kommen sie zu spät. „Wenn die Warnungen rechtzeitig kämen, könnten wir aus den tiefergelegenen Gebieten in höher gelegene ziehen“, sagt Winny.
„Es gibt kaum eine Möglichkeit, andere Sorten anzubauen.“
Der Fluss hat mit jedem Extremniederschlag seinen Lauf verändert, ihre Felder unterspült und die ohnehin geringe Planungssicherheit, die Winny noch geblieben war, geraubt. „Ich habe kein anderes Land und kein Haus“, sagt sie. „Es ist schwer, sich vor Überschwemmungen zu schützen. Und es gibt auch kaum eine Möglichkeit, andere Sorten anzubauen.“
Die Auswirkungen, die das veränderliche Klima auch auf ihre Kinder hat, belasten Winny sehr. Ohne jedes Einkommen scheint selbst der Schulbesuch für ihre Kinder unerreichbar. „Die Zyklone haben meine Kinder emotional mitgenommen. Ich konnte sie nicht zur Schule schicken, und sie wollten irgendwann auch nicht mehr hingehen“, sagt sie. „Ich sage ihnen, dass unser Leben vielleicht nie wieder normal sein wird. Wir müssen vielleicht das Land anderer Leute bewirtschaften, nur, um zu überleben.“
„Unser Leben wird vielleicht nie wieder normal sein“
Trotz aller Not hält Winny an ihren Träumen fest, sowohl für sich selbst als auch für ihre Kinder. „Ich hoffe, einen Ort zu finden, an dem ich ein Haus bauen und ein kleines Geschäft eröffnen kann, um meine Familie zu ernähren“, sagt sie. Vor allem möchte sie, dass ihre Töchter die Schule weiter besuchen. „Wenn meine Kinder trotz der Herausforderungen wieder lernen könnten, wäre das besser.“
In den Zeiten schwerster Not hat Plan International in Malawi sowie den Nachbarländern entscheidende Hilfe geleistet, etwa nach dem Zyklon Freddy. Damals erhielt Winnys Familie Lebensmittel, Decken, Wassereimer und Hygieneartikel von der Kinderrechtsorganisation. Als dann 2025 Zyklon Jude hereinbrach, reagierte Plan International erneut und leistete für betroffene Haushalte weitere humanitäre Soforthilfe. „Ich weiß, dass Plan auch Bücher für Schulen bereitstellt. In Katastrophenzeiten sorgen sie für Lebensmittel und mehr“, sagt sie.
Ohne Hilfe von außen können viele Familien nicht überleben
Auch innerhalb ihrer Gemeinde bekam Winny Unterstützung. Der örtliche Dorfvorsteher hat der alleinerziehenden Mutter vorübergehend etwas Land und eine Unterkunft zur Verfügung gestellt. Das sind für sie viele gute Gründe, zutiefst dankbar zu sein. Aber Winny weiß auch, dass der Wiederaufbau ihres eigenen Stück Landes Zeit und weitergehende Unterstützung erfordert. „Unsere Probleme sind noch nicht vorbei“, ist sie überzeugt.
Während sie über die durchnässten Felder blickt, auf denen ihre Pflanzungen eher schlecht als recht wachsen, bleibt Winny hoffnungsvoll und ängstlich zugleich. Hoffnungsvoll, dass ihr eigenes Stück Land irgendwann wieder trocken wird; ängstlich, dass der nächste Sturm aufziehen könnte und ihre Situation weiter verschlimmert.
Eines ist indes sicher: Winny wird weitermachen – für ihre Kinder und für deren Zukunft. Alles in der Hoffnung, dass der Regen eines Tages wieder für ein besseres Leben anstatt für Verlust sorgen wird.
Die Geschichte von Winny und ihren Kindern wurde mit Material aus dem malawischen Plan-Büro erstellt.