Youth Advocates: Gemeinsam stark für junge Menschen mit Fluchterfahrung

Foto: Plan International

Die Youth Advocates engagieren sich für mehr gesellschaftliche und politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- und Migrationserfahrung bei Plan - dabei fing alles ganz klein an.

Gruppenfoto von Jugendlichen die vor Bundestag stehen.
Die Youth Advocates vor dem Bundestag. Johannes Berndt

Dürfen wir vorstellen: Das sind die Youth Advocates! Zwölf Jugendliche unterschiedlichster Herkunft, die sich im Rahmen unseres deutschen Kinderschutzprogramms für mehr gesellschaftliche und politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- und Migrationserfahrung einsetzen. Angefangen hat es 2016 mit einigen jungen Geflüchteten, die sich gemeinsam mit uns in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Kinderschutz, Integration und einen interkulturellen Austausch engagierten. Wir wollten mehr über die Entstehung der Gruppe wissen und haben darüber mit unserem Plan-Kollegen Johannes Berndt, Referent im Kinderschutzprogramm und Gruppenkoordinator der Youth Advocates, gesprochen.

Wie und wann sind die Youth Advocates entstanden?

Die ersten Mitglieder der Gruppe waren Jugendliche und junge Erwachsene, die in einer Hallenunterbringung für Geflüchtete wohnten, in der 2016 unsere Programmarbeit in Deutschland begann. Dort engagierten sie sich an unserer Seite für andere geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien vor Ort. So wurden sie zu einem festen Bestandteil unseres Kinderschutzprogrammes.

Im Laufe der Zeit wuchs die Gruppe und weitere ihr Engagement auch auf andere Unterkünfte aus. Für uns waren sie als sprachliche und kulturelle Brücken zu den Bewohner:innen sehr wertvoll. Sie fungierten als verlängerter Arm in die Unterkünfte und halfen dabei Kontakt und Vertrauen zu den Familien aufzubauen. In dieser Anfangszeit nannten sie sich noch Community Mobilizer. Aus ihnen entsprang dann erst später die heutige Gruppe der Youth Advovcates.

Wie sah zu Beginn die Arbeit der Gruppe aus?

In der ersten Phase arbeiteten wir mit den Community Mobilizern eigentlich nur vor Ort in der Unterkunft. Später trafen wir uns dann mit der Gruppe regelmäßig im Büro bei Plan um die verschiedenen Aktivitäten der einzelnen Mitglieder zu koordinieren und zu planen. Einige der Teilnehmer:innen boten zum Beispiel Formate zum kulturellen Austausch an oder begleiteten Kinder und Familien bei Ausflügen. Andere organisierten Sportangebote für Jugendliche, machten Musik mit den Kindern oder halfen uns kleine Kino-Veranstaltungen in den Unterkünften durchzuführen.

4 Youth Advocates vor dem UNHCR.
Die Youth Advocates beim UNHCR in Genf. Foto: Plan International
Zwei Mädchen halten eine Trophäe mit Mann im Anzug.
Den Youth Advocates wurde 2019 der UWP-Sonderpreis für ihre herausragende Medienarbeit verliehen. Foto: Plan International

Wie entstanden daraus die Youth Advocates, und wieso dieser Name?

Der Name entstand in einer Zeit, als die Gruppe noch vor allem auf Englisch kommunizierte. Durch das wachsende politische Engagement der Mitglieder, verstand sich die Gruppe zunehmend auch als Sprachrohr und Fürsprecher für die Rechte anderer Geflüchteter. Es gab zwischenzeitig Versuche einen etwas weniger sperrigen Namen zu finden, aber es scheiterte bislang an einer prägnanten Übersetzung ins Deutsche.

Wie ist daraus dann eine feste Jugendgruppe gewachsen, die sich mittlerweile für politische Themen stark macht?

Die Youth Advocates wollten politisch Gehör verschaffen und auf Integrationshürden und die prekären, teilweise unzumutbaren Verhältnisse in den Einrichtungen für Geflüchtete aufmerksam machen. Sie wollten politischen Entscheidungsträger:innen aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten und sich dafür einsetzen, damit Kinder und Familien besseren Schutz erhalten und sich Integrationsmaßnahmen verbessern. So konnten die Youth Advocates in den vergangen Jahren im Austausch mit Politiker:innen auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene ihre Anliegen adressieren. In den vergangenen zwei Jahren wuchs dann stärker das Interesse an Kampagnen- und Medienarbeit. In dieser Zeit mischte sich die Gruppe erneut und es kamen erstmals Teilnehmer:innen hinzu, die keine eigene Fluchtgeschichte haben, sich aber für die Belange von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund einsetzen wollten.

„Die Youth Advocates wollten politisch Gehör verschaffen und auf Integrationshürden und die prekären, teilweise unzumutbaren Verhältnisse in den Einrichtungen für Geflüchtete aufmerksam machen.“

Johannes Berndt, Referent im Kinderschutzprogramm und Gruppenkoordinator der Youth Advocates

Wie sieht die heutige Arbeit der Youth Advocates aus?

Momentan besteht die Gruppe aus 12 Jugendlichen. Wir treffen uns aktuell jede Woche zu einem virtuellen Meeting. Darüber hinaus fallen je nach Projekt für jede/n Teilnehmer:in zusätzliche Aufgaben an. Wir hoffen uns als Gruppe bald auch wieder persönlich treffen zu können. Vor allem für neue Mitglieder ist der Zugang zur Gruppe bei der jetzigen Kontaktbeschränkung schwieriger. Seit Frühjahr 2020 steht bei uns das Projekt „Youth Advocates on Air“ im Fokus, bei dem wir vom Hamburger Ausbildungskanal TIDE unterstützt werden.

Die Gruppe wurde für das Projekt redaktionell geschult, hat ein eigenes Sendungskonzept erarbeitet und produziert nun eigenständig Kurzvideos, die über die unsere Social Media Kanäle und den YouTube Channel von TIDE gepostet werden. In den bisher fünf produzierten Videos ging es vor allem um integrationspolitische Themen, zum Beispiel um Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Das Videoformat wird komplett von der Gruppe gesteuert, das heißt alle Inhalte, Moderationstexte und Grafiken sind von den einzelnen Mitgliedern erstellt.

Was ist deine Rolle als Gruppenkoordinator?

Durch den Wandel der Gruppe, haben sich auch meine Aufgaben in den vergangenen dreieinhalb Jahren immer wieder verschoben. Im Grunde genommen bin ich verantwortlich dafür, die Rahmenbedingungen der Projekte und Aktivitäten der Gruppe bereitzustellen. Dabei geht es oft um Organisatorisches, zum Beispiel die Planung und Dokumentation unserer Meetings oder Workshops. Außerdem unterstütze ich die Gruppe bei der Kontaktaufnahme in die Politik oder zu potenziellen Kooperationspartner:innen und fungiere als Schnittstelle zu unserer Programmarbeit und anderen Abteilungen im Haus. Vor allem in der Anfangszeit war ich neben meiner koordinierenden Funktion oft auch Ansprechpartner für viele Fragen und Themen der Jugendlichen abseits unserer Projekte. Gelegentlich muss ich natürlich auch Motivationsarbeit leisten, vor allem wenn es bei den Jugendlichen in stressigen Schul- oder Uniphasen zeitlich sehr eng ist.

Wer kann bei euch teilnehmen?

Wir verstehen uns als offene Gruppe, in der grundsätzlich jede Person (im Alter von 16-24 Jahren) teilnehmen kann, die sich für unsere Themen interessiert und einsetzen möchte. Durch die Fluktuation der vergangenen Jahre haben wir gelernt, dass eine gewisse Verbindlichkeit notwendig ist. Mindestens zwei Stunden pro Woche, sollte sich jede:r Zeit nehmen können, was nicht heißt nicht, dass man sich z.B. in Klausurenphasen auch mal herausziehen kann. Wer Interesse hat mitzuwirken, kann sich gerne melden unter: johannes.berndt@plan.de

Johannes Berndt im Gespräch mit zwei Männern.
Johannes Berndt bei einer Veranstaltung mit der Familienministerin Giffey. Foto: Plan International

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