„Kinder brauchen die Chance, einfach Kind zu sein“
Plan Post: Herr Hampson, Sie engagieren sich seit vielen Jahren für wohltätige Zwecke. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement?
Thomas Hampson: Ich sehe es nicht als Bürde, sondern als Möglichkeit. Natürlich bringt Bekanntheit Verantwortung mit sich – aber ich empfinde es vor allem als Chance, etwas zu bewirken. Wenn Menschen zu einem Konzert kommen, weil sie Musik hören wollen, und dabei erfahren, dass sie gleichzeitig etwas Gutes tun, dann entsteht etwas sehr Wertvolles.
Ich bin schon seit jungen Jahren sozial engagiert – ob für meine eigene Stiftung „The Hampsong Foundation“, für Kinder in schwierigen Lebenssituationen oder auch für den Tierschutz. Für mich ist das keine Frage von Image, sondern von Selbstverständnis. Wir alle tragen Verantwortung füreinander.
„Wir alle tragen Verantwortung füreinander.“
Durch Ihr Charity-Konzert letztes Jahr konnte das Plan-Projekt „Lernhaus“ in Wien finanziert werden. Sie haben das Lernhaus nach dem Start besucht. Wie war es für Sie, konkret zu sehen, wo die Unterstützung ankommt?
Das ist immer ein bewegender Moment. Man sieht, dass das Geld tatsächlich wirkt und vor allem, dass es um Kinder geht: um junge Menschen, die in einem Land ankommen, oft ohne Sprachkenntnisse, ohne Orientierung, manchmal ohne Stabilität.
Was mich besonders beeindruckt hat, war die Offenheit der Kinder. Wenn man mit ihnen spielerisch Sprache übt, wenn man gemeinsam musiziert und lacht, dann sieht man sofort, wie wichtig diese Leichtigkeit ist. Kinder brauchen die Chance, einfach Kind zu sein – selbst wenn ihr Lebenshintergrund schwierig ist.
„Man sieht, dass das Geld tatsächlich wirkt.“
Sie engagieren sich im Rahmen dieses Projekts besonders für Kinder mit Migrationshintergrund. Warum ist Ihnen das wichtig?
Weil Integration mehr ist als Versorgung. Es reicht nicht, ein Dach über dem Kopf zu bieten. Kinder müssen die Chance bekommen, Sprache zu lernen, Selbstvertrauen zu entwickeln und aktiv Teil der Gesellschaft zu werden.
Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen: Integration bedeutet nicht Identitätsverlust. Man verliert nicht seine Herkunft, wenn man eine neue Sprache lernt. Man gewinnt Handlungsspielraum. Organisationen wie Plan International schaffen hier Vertrauen, und das ist entscheidend.
„Musik verbindet Menschen über kulturelle Grenzen hinweg.“
Welche Rolle spielt Musik im Lernhaus?
Musik ist keine Nebensache. Sie ist eine Sprache. Und sie ist neurologisch extrem gesund. Musik fördert Konzentration, Struktur, Logik – und sie verbindet Menschen über kulturelle Grenzen hinweg. Man stelle sich nur einen Tag ohne Musik vor. Keine Melodien, keine Hintergrundmusik, kein gemeinsames Singen. Das wäre für viele Menschen kaum auszuhalten. Ich habe das selbst erlebt, etwa bei der Zusammenarbeit mit südafrikanischen Musikern von Ladysmith Black Mambazo. Wenn man gemeinsam singt, erkennt man: Wir sind einander ähnlicher, als wir glauben.
Wenn eines dieser Kinder in 20 Jahren auf das Projekt zurückblickt – was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass es sagt: „Das hat mir eine echte Chance gegeben.“ Und vielleicht, dass es selbst irgendwann weitergibt, was es erhalten hat. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Erkenntnis. Engagement sollte ein Kreislauf sein.
Was hat Ihnen selbst als Kind Orientierung gegeben?
Ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter war sehr musikalisch, wir haben viel gesungen. Kirche war für mich weniger Dogma als Gemeinschaft – Begegnung, Austausch, Musik. Diese sozialen Räume haben mir Halt gegeben. Nicht Ideologie, sondern Gemeinschaft. Und genau das brauchen Kinder: Orte, an denen sie sich sicher fühlen und wachsen können.
Wird es weitere Charity-Projekte mit Plan International geben?
Ja, wir planen weitere Projekte. Details stehen noch nicht fest, aber ich halte es für wichtig, dass Musik und Engagement weiter zusammenkommen. Denn letztlich geht es immer um Menschen. Um Kinder. Um Zukunft.
Für die Zukunftschancen von Kindern
Das Lernhaus in Wien ist ein Kooperationsprojekt von Plan International und dem Österreichischen Roten Kreuz. Seit September 2025 erhalten hier rund 30 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren Unterstützung durch eine kostenlose Lernhilfe. An zwei Nachmittagen pro Woche bietet das Lernhaus Sprachförderung und schulische Begleitung an. Kreativangebote und Ausflüge stärken zusätzlich das Selbstvertrauen der Kinder und das Gemeinschaftsgefühl. Seit Februar 2026 wird bei dem Projekt auch musiziert – als Möglichkeit für Ausdruck, Konzentration und persönliche Entwicklung. Das Lern- und Integrationsprojekt wurde ermöglicht durch den Erlös aus einem Benefizkonzert, das Starbariton Thomas Hampson im März 2025 in Wien veranstaltete.