Wie Sport Mädchen stärkt
An einem warmen Tag im April fällt in Guédiawaye, einem Stadtbezirk in der Region Dakar im Senegal, der Startschuss für ein 10-Kilometer-Rennen. Unter den Läufer:innen ist auch die 14-Jährige Aïda. Für sie ist es der erste große Wettkampf – und ein Tag, der ihr Leben verändern wird.
Aïda trainiert erst seit etwa anderthalb Jahren. Zur Leichtathletik kam sie über ihren Sportlehrer, der zugleich als Trainer im Projekt „Athletics for Future“ (dt. etwa: „Leichtathletik für die Zukunft“) tätig ist. Vorher hatte sie sich selbst nicht in der Leichtathletik gesehen. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst und nicht viel Vertrauen in mich selbst“, erzählt sie.
Wie Aïda in Senegal Selbstvertrauen durch Sport gewann
Während sich das Rennen durch die Straßen von Guédiawaye zieht, bemerkt Aïda, dass viele der anderen Läufer:innen langsamer werden. Die Erschöpfung ist ihnen anzusehen. Aïda aber läuft weiter. „Während des Rennens habe ich gesehen, dass die anderen Läuferinnen und Läufer müde wurden. Da wurde mir klar, dass ich gewinnen könnte“, sagt sie.
„Die Auszeichnung hat mich noch mehr motiviert, weiter zu trainieren.“
Als sie die Ziellinie überquert, endet nicht nur das Rennen. Ihre Leistung wird mit dem „Athletics Special Award“ ausgezeichnet – eine Ehrung, mit der sie nicht gerechnet hat und die ihr zeigt, was sie erreichen kann. Für Aïda ist dieser Moment ein Wendepunkt. „Als ich die Auszeichnung bekam, war ich sehr stolz. Das hat mich noch mehr motiviert, weiter zu trainieren“, sagt sie.
Die Leichtathletik hat Aïda sportliche Erfolge ermöglicht und ihr Selbstvertrauen gestärkt. Besonders wichtig sei dabei das Umfeld des Projekts gewesen: „Die Menschen im Projekt sind freundlich zu allen, und das hat mir geholfen, an mich selbst zu glauben.“
Das Projekt „Athletics for Future“ stärkt Mädchen und junge Frauen
„Athletics for Future“ wurde im August 2025 im Senegal gestartet und läuft bis Januar 2027. Das Projekt ist Teil der Vorbereitungszeit auf die Olympischen Jugend-Sommerspiele. Ziel ist es, 2.000 junge Menschen zu erreichen – mit einem besonderen Fokus auf Mädchen und junge Frauen in Dakar und Saint-Louis. In diesen Regionen prägen begrenzte Berufsperspektiven und starke Geschlechterstereotype weiterhin die Zukunftschancen junger Menschen.
Sport steht im Zentrum des Projekts, doch der Ansatz geht weit darüber hinaus. Leichtathletik dient hier als Zugang zu Bildung, beruflichen Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten. Junge Frauen, die am Programm teilnehmen, erhalten technische und berufspraktische Schulungen rund um den Sportbereich, zum Beispiel in Coaching, Sportjournalismus oder digitalem Marketing. Zusätzlich bekommen sie Unterstützung in MINT-Fächern (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), um sich auf berufliche Wege innerhalb und außerhalb des Sports vorzubereiten.
„Wenn ein Junge eine Sportart ausüben kann, dann kann ein Mädchen das auch.“
Sichere Räume für Mädchen: Bildung, Schutz und Teilhabe
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist die Schaffung sicherer und inklusiver Umfelder. Gemeinsam mit Schulen und Berufsbildungszentren arbeiten die Projektpartner daran, die Infrastruktur zu verbessern. Dazu gehören auch Einrichtungen zur Menstruationsgesundheit. Solche Maßnahmen können Hürden abbauen, die Mädchen sonst dazu zwingen, ihre Bildung oder Ausbildung abzubrechen.
Zugleich werden Lehrkräfte und Personen aus dem Gemeindewesen einbezogen, um das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt zu stärken sowie Chancengleichheit in Schulen und im Sport zu fördern.
Für Aïda haben diese Maßnahmen eine persönliche Bedeutung. Sie ist sich der Botschaften, die viele Mädchen über ihre angeblichen Grenzen erhalten, sehr bewusst. „Manchmal sagen Leute, dass Mädchen keine Leichtathletik machen können, aber ich stimme nicht zu“, sagt sie. „Wenn ein Junge einen Sport machen kann, dann kann ein Mädchen das auch.“
Plan International fördert junge Menschen mit lokalen Partnern auf Augenhöhe
Umgesetzt wird „Athletics for Future“ von Plan International gemeinsam mit Jappo Olympique de Guédiawaye, einer senegalesischen Sportorganisation, die für ihr Engagement im Frauenleichtathletikbereich bekannt ist. Das Projekt verbindet internationale Unterstützung mit starker lokaler Expertise. Es ermutigt junge Menschen, in ihren Gemeinden Verantwortung zu übernehmen – etwa durch die Organisation von Clubs, die Teilnahme an regionalen Turnieren sowie durch die Stärkung von Fähigkeiten in öffentlichem Auftreten und Interessenvertretung.
Für Aïda ist die Wirkung des Projekts klar spürbar: Aus Unsicherheit ist Entschlossenheit geworden. Auf der Laufstrecke in Guédiawaye hat sie ihr Tempo gefunden und den Glauben daran, dass ihre Zukunft von ihrer eigenen Stärke und Disziplin bestimmt werden kann – nicht von den Grenzen, die andere Menschen Mädchen wie ihr auferlegen wollen.
Der Artikel wurde mit Material aus dem senegalesischen Plan-Büro erstellt.