Starke Eltern, starke Kinder

Foto: Plan International / Nischal Shrestha

Was passiert, wenn Eltern Bildung zur gemeinsamen Aufgabe machen? Ein Projekt in Nepal zeigt, wie positive Elternschaft Kinder stärkt – zu Hause und in der Schule.

Lange Zeit waren Bharats Tage von Arbeit bestimmt. Früh am Morgen verließ er sein Zuhause im Distrikt Kalikot im Westen Nepals – zu einer Zeit, wenn seine Kinder sich gerade auf den Schulweg machten. Abends kehrte er erst zurück, wenn sie längst schliefen.

Wie viele Eltern war auch er überzeugt: Der Schulbesuch allein würde seinen Kindern den Weg in eine gute Zukunft ebnen.

„Ich dachte, es reicht, meine Kinder in der Schule anzumelden“, sagt Bharat heute. „Aber ich habe verstanden, dass Kinder unsere Präsenz brauchen – dass wir sie begleiten, nachfragen und sie in ihrem Lernen ermutigen müssen.“ Ein Umdenken, das nicht nur seinen Familienalltag verändert hat, sondern auch die Bildungschancen seiner Kinder.

Ein Vater mit seinen zwei jüngsten Kindern vor ihrem Haus in Kalikot, Nepal.
Bharat mit seinen beiden jüngsten Kindern vor ihrem Zuhause in Kalikot. Heute begleitet er ihren Bildungsweg aktiv und aufmerksam Plan International / Nischal Shrestha

Ein Perspektivwechsel mit Wirkung

Der Wendepunkt kam, als Bharat am Parental Awareness Programme von Plan International Deutschland teilnahm. In den Schulungen lernen Eltern, wie entscheidend ihre Rolle für die schulische Entwicklung ihrer Kinder ist – unabhängig von Einkommen oder Bildungsgrad.

„Die Moderatorinnen und Moderatoren haben uns so viel Praktisches vermittelt“, erzählt Bharat. „Heute schaue ich jeden Tag die Hausaufgaben meiner Kinder durch und frage sie, was sie in der Schule gelernt haben.“

Auch der Kontakt zur Schule ist enger geworden. Regelmäßig sucht er das Gespräch mit den Lehrkräften, informiert sich über Lernfortschritte und mögliche Herausforderungen. Eine neue Form der Zusammenarbeit ist zwischen Eltern und Lehrenden entstanden.

Ein Leseeck als Symbol für Veränderung

Inspiriert von dem Programm richtete Bharat in einer ruhigen Ecke seines Hauses eine sogenannte „Reading Corner“, also eine Leseecke ein – einen festen Lernort mit Büchern, Heften, Stiften und ordentlich aufbewahrten Schuluniformen.

Was zunächst unscheinbar wirkt, hat große Wirkung.

„Meine Kinder lernen jetzt viel konzentrierter“, sagt er stolz. „Sie organisieren ihre Materialien selbstständig und übernehmen Verantwortung.“

Die Idee dahinter ist einfach und zugleich kraftvoll: Das Zuhause ist die erste Schule eines Kindes. Mit dem Ansatz „Ein Haus: Ein Leseeck“ ermutigt Plan Familien, eine lernfreundliche Umgebung in den eigenen vier Wänden zu schaffen – auch mit begrenzten Mitteln.

„Hier kann ich mich besser konzentrieren“

Für Pabitra, Bharats Tochter, ist die Leseecke mehr als nur ein Platz zum Lernen. Es ist ein geschützter Raum.

„Nach der Schule esse ich etwas und mache dann dort meine Hausaufgaben. Morgens lerne ich noch einmal“, erzählt sie. „Wenn ich in meiner Leseecke bin, bitten mich meine Eltern nicht, im Haushalt zu helfen. Ich kann mich besser konzentrieren.“

Gerade in ländlichen Regionen Nepals übernehmen Kinder, insbesondere Mädchen, oft früh Verantwortung im Haushalt. Unter dieser Care-Arbeit leidet oft ihre Ausbildung. Feste Lernzeiten und ein eigener Lernort sind daher ein wichtiger Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

Pabitra steht in ihrer Leseecke vor einem selbst gestalteten Plakat mit handschriftlich notierten Lerninhalten und blickt in die Kamera.
Eine eigene Leseecke zu Hause hat für Pabitra vieles verändert – sie lernt konzentrierter und selbstbewusster als zuvor Plan International / Nischal Shrestha

„Lehrkräfte allein können unmöglich alle Bildungsbedürfnisse eines Kindes erfüllen.“

Tapendra Mahatara, Schuldirektor an Pabitras Schule
Lehrerin Muna steht vor einer Schulklasse und erklärt jungen Schülerinnen und Schülern anhand von Abbildungen verschiedene Obstsorten
Mit anschaulichen Beispielen vermittelt Lehrerin Muna ihren Schülerinnen und Schülern Wissen über verschiedene Obstsorten Plan International / Nischal Shrestha

Wenn Eltern und Schule an einem Strang ziehen

Auch in der Schule sind die Veränderungen spürbar.

„Früher kamen nur wenige Eltern, um sich nach ihren Kindern zu erkundigen“, berichtet Lehrerin Basanta. „Heute besuchen uns die meisten regelmäßig.“

Die engere Zusammenarbeit erleichtert nicht nur die Unterrichtsplanung, sondern stärkt auch das Vertrauen zwischen Schule und Familien.

Lehrerin Muna beobachtet deutliche Fortschritte: „Es gab eine Zeit, in der ich die Kinder ständig an ihre Hausaufgaben erinnern musste. Heute geben sie ihre Aufgaben pünktlich ab.“ Für sie ist klar: Diese Entwicklung zeigt, wie kraftvoll elterliches Engagement sein kann.

Auch Schulleiter Tapendra Mahatara bestätigt den positiven Trend: „Lehrkräfte allein können unmöglich alle Bildungsbedürfnisse eines Kindes erfüllen. Die Einbindung der Eltern ist entscheidend.“ Die Einführung der Leseecken habe die Lernleistungen vieler Kinder sichtbar verbessert. „Wir werden weiterhin eng mit den Familien zusammenarbeiten, um die Bildung in unserer Gemeinde zu stärken.“

Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen unterstützt Plan International Familien in Kalikot dabei, ihre Rolle im Bildungsprozess aktiv wahrzunehmen. Das Parental Awareness Programme vermittelt nicht nur Wissen, sondern stärkt Beziehungen – zwischen Eltern und Kindern ebenso wie zwischen Familien und Schulen. 

Denn wenn Eltern ihre Kinder nicht nur zur Schule schicken, sondern sie aktiv begleiten, entsteht mehr als Bildung: Es entsteht Zuversicht. Und genau dort beginnt eine bessere Zukunft.

 

Diese Geschichte wurde mit Material aus dem nepalesischen Plan-Büro aufgeschrieben.

Mit einer Patenschaft helfen

Unsere Arbeit in Nepal zeigt Wirkung:

  • 18.024 Eltern nahmen in den vergangenen drei Jahren an Schulungen zu positiver Elternschaft teil.
  • 6.580 Familien richteten eine Leseecke ein – und schufen damit bessere Lernbedingungen für ihre Kinder.

Mit einer Patenschaft unterstützen Sie diese Projekte von Beginn an. Sie helfen, Bildung zu stärken, Kinder zu schützen und Familien langfristig neue Zukunftschancen zu eröffnen.

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