Schulmahlzeiten trotz Dürre
Extreme Trockenheit prägt einmal mehr den Alltag im Norden von Kenia. Wasser wird knapp, Tiere verenden und viele Familien wissen nicht mehr, wie sie ihre Töchter und Söhne ausreichend ernähren sollen.
Besonders Kinder leiden unter den Folgen: Hungrig können sie dem Unterricht kaum folgen, viele schaffen die weiten Schulwege nicht mehr oder müssen ihre Familien bei der Suche nach Wasser unterstützen. So verpassen sie den Unterricht oder müssen die Schule schließlich ganz verlassen. Die anhaltende Krise gefährdet damit nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Recht auf Bildung.
Für viele Familien in den von Dürre betroffenen Regionen Kenias ist jeder Tag ein Kraftakt. Frauen legen oft mehr als acht Kilometer zurück, um Wasser aus Bohrlöchern, Quellen oder flachen Brunnen zu holen. Mit ihren 20-Liter-Kanistern stehen sie oft bis zu zwei Stunden in Schlangen an, bevor sie den Heimweg antreten können. Das wenige Wasser, das sie nach Hause bringen, muss für den gesamten Haushalt reichen.
Auch die Lebensgrundlage vieler Familien ist bedroht. Ziegen und Kamele müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um Wasser zu finden. Manche Tiere brechen auf den langen Wegen zusammen und überleben die Strapazen nicht. Dadurch gibt es deutlich weniger Milch – für viele Kinder eine wichtige Nahrungsquelle. Das erhöht ihr Risiko für Mangelernährung erheblich.
Die Auswirkungen der Dürre reichen jedoch weit über Hunger hinaus. Sie betreffen den Schutz von Kindern und ihre Zukunftsperspektiven.
„Ohne ein Schulessen schliefen einige Kinder zuvor im Unterricht ein oder hatten nicht genug Energie, um überhaupt zur Schule zu kommen.“
Wenn Mädchen die Schule verlassen müssen
Besonders Mädchen sind von den Folgen der Dürre betroffen. Viele müssen die Schule verlassen, um ihre Familien bei der Suche nach Wasser und Nahrung zu unterstützen oder Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Wenn Lebensmittel knapp werden, sind sie häufig diejenigen, die zuletzt essen – oder ganz verzichten müssen. Gleichzeitig steigt ihr Risiko, von Kinderarbeit, geschlechtsspezifischer Gewalt, sexueller Ausbeutung oder ungewollten Schwangerschaften betroffen zu sein. Die Dürre ist deshalb nicht nur eine humanitäre Krise – sie ist auch eine Kinderrechtskrise.
Eine Mahlzeit, die mehr bewirkt als nur satt zu machen
Auch die Schulen in Kilifi County spüren abermals die Folgen der anhaltenden Dürre, die sich in diesem Jahr durch das Wetterphänomen El Niño noch verstärkt. Die große Hitze und lange Fußwege erschweren es vielen Kindern, dem Unterricht zu folgen. Zahlreiche Familien haben kaum noch genügend Lebensmittel, um ihre Kinder ausreichend zu versorgen.
Um Kinder zu schützen und ihnen den Schulbesuch weiterhin zu ermöglichen, hat Plan International im Rahmen der Nothilfe ein Schulernährungsprogramm ins Leben gerufen. Sechs Schulen erhalten Lebensmittelpakete mit Reis, Linsen und getrocknetem Gemüse. Daraus bereiten Köchinnen täglich warme Mahlzeiten für die Kinder zu. So wird sichergestellt, dass die Schülerinnen und Schüler zumindest eine nahrhafte Mahlzeit am Tag erhalten.
Die Wirkung des Programms zeigt sich bereits nach kurzer Zeit. Mehr als 100 Kinder, die die Schule zuvor verlassen hatten, kehrten zurück, nachdem sie erfahren hatten, dass dort Mahlzeiten angeboten werden. Dadurch stieg die Zahl der anwesenden Kinder innerhalb weniger Tage von 350 auf 459 – ein Plus von mehr als 30 Prozent.
Bildung braucht Schutz – auch in Krisenzeiten
Die Veränderungen sind auch für die Lehrkräfte deutlich spürbar. Alice, Lehrerin an einer Grundschule, erinnert sich an die Zeit vor Beginn des Programms: „Vor dem Schulernährungsprogramm schliefen einige Kinder im Unterricht ein oder hatten nicht genug Energie, um überhaupt zur Schule zu kommen. Heute freuen sich viele montags wieder auf die Schule, weil sie wissen, dass sie dort eine Mahlzeit bekommen.“
Auch Eltern berichten von einer großen Erleichterung. Salma, Vorsitzende der Elternvertretung, beschreibt die Situation vieler Familien: „Viele Haushalte haben nur wenig oder gar nichts zu essen. Zu wissen, dass ihre Kinder in der Schule eine Mahlzeit bekommen, gibt Eltern Sicherheit.“
Was als Nothilfemaßnahme begann, ist heute weit mehr als ein Schulernährungsprogramm. Die täglichen Mahlzeiten helfen nicht nur gegen den Hunger. Sie fördern die Konzentration der Kinder, geben Familien Sicherheit und stärken das Recht auf Bildung – gerade in Zeiten der Krise.
Plan International weitet seine Hilfsprogramme in den besonders betroffenen Regionen Kenias weiter aus. Neben Schulmahlzeiten gehören dazu unter anderem Bargeldhilfen, Maßnahmen zum Kinderschutz, Nothilfe im Bereich Wasser und Ernährung sowie die Verteilung von Hygienepaketen. Gleichzeitig braucht es langfristige Investitionen in nachhaltige Wasserversorgung, widerstandsfähige Lebensgrundlagen und Frühwarnsysteme, damit Familien künftig besser auf Dürren vorbereitet sind.
Für die Kinder in Kenia ist eine warme Mahlzeit deshalb weit mehr als nur Nahrung. Sie bedeutet die Möglichkeit, den Unterricht zu besuchen, mit neuer Kraft zu lernen und trotz der Krise Kind sein zu dürfen.
Diese Geschichte wurde mit Material aus dem kenianischen Plan-Büro aufgeschrieben.