Patenkinder verschaffen sich Gehör
Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Kindheit von tropischen Stürmen begleitet wird? Die 19-jährige Athena aus Eastern Samar weiß es. Sie lebt im Osten der Philippinen – eine Region, in der die Wellen des Pazifiks unnachgiebig an die Küsten schlagen. Jährlich brauen sich hier weit draußen auf dem Ozean zerstörerische Taifune zusammen. Das prägt das Bewusstsein der Menschen, die Halt in den eigenen Familien finden. Oder in Netzwerken, die weit über die eigenen vier Wände hinausreichen.
Auch Athenas Geschichte beginnt nicht in einem Büro, sondern im Schoß ihrer Familie. Ihre Mutter ist Ratsmitglied bei der örtlichen Dorfgemeinschaft, im sogenannten Barangay, ihr Vater ist Schiedsrichter beim Basketball.
Verantwortung und der Blick für das Schicksal anderer Menschen waren und sind Teil des familiären Selbstverständnisses. Mit der 19-Jährigen rückt eine neue Generation nach: Als Studentin für Gemeindeentwicklung ist Athena entschlossen, diesen Faden weiterzuspinnen.
Eine entscheidende Konstante in Athenas Leben war die langjährige Unterstützung als Patenkind bei Plan International. Die junge Frau erinnert sich gut daran, wie ihr und vielen anderen Kindern dadurch ermöglicht wurde, mit neuen Stiften, Büchern und Heften ins neue Schuljahr zu starten. Ein Geschenk, das für viele Mädchen und Jungen aus ärmeren Familien in Eastern Samar mehr bedeutet als bloß materielle Gaben.
Die Patenschaft für ein Kind vermittelt weit mehr als Schulmaterialien
Begleitet von engagierten, freiwilligen Hilfskräften im Dorf vermag daraus ein dauerhafter Zugang zu Bildung zu erwachsen; in einer Umgebung voller klimabedingter Unsicherheiten. Die Plan-Patenschaften wirken weit über den einzelnen Schulranzen hinaus. In den Gemeinden, in denen die Kinderrechtsorganisation mit langfristigen Projekten tätig wird, stärken aufeinander abgestimmte Programme die Gemeinschaft.
„Als Patenkind entwickelte nicht nur ich mich weiter, sondern die ganze Gemeinschaft.“
Die Patenschaftsbeiträge machen Unterricht möglich, finanzieren Workshops – etwa den zu Kinderrechten, zur Gleichstellung oder eben auch Katastrophenvorsorge. „Als Patenkind entwickelte nicht nur ich mich weiter, sondern die ganze Gemeinschaft“, sagt Athena rückblickend.
Wie sich auch die Kinder in einer der Küstengemeinden auf eine mögliche Katastrophe vorbereiten und im Krisenfall besser vor den Folgen schützen können, wird im Rahmen der Plan-Patenschaftsprogramme ebenso vermittelt wie Wissen über Hygiene und psychische Gesundheit. Dazu braucht es Räume und Möglichkeiten speziell für junge Menschen.
Das Medienprojekt „Young Hearts – Junge Herzen“ schafft solche Möglichkeiten. Es bietet jungen Menschen in Eastern Samar mehr als Fachwissen rund um Kameras und technische Ausrüstung. Vielmehr finden die jungen Leute hier ein Sprungbrett, um ihre Talente fürs Geschichten erzählen auszuprobieren. So liegt es an ihnen selbst, eine Stimme und Gehör zu bekommen. In Workshops wird ihnen parallel die Bedeutung von Kinder- und Menschenrechten vermittelt. Auch die Naturgewalten vor den Küsten ihrer Heimat und der Schutz von Menschenleben bei Katastrophen können dabei Thema sein. Bei den Workshops werden auch praktische Fähigkeiten gefördert: Athena, einst ein zurückhaltendes Mädchen, spricht inzwischen frei vor Publikum und vertritt offen die Interessen ihrer Generation.
Medienarbeit macht Mut und verleiht jungen Menschen eine Stimme
Damit eine solche positive Entwicklung gelingt, werden Kinder und Jugendliche auch bei diesem Medienprojekt dazu ermutigt, Geschichten aus ihrem Alltag selbst aufzuschreiben und/oder in kleinen Filmen festzuhalten – etwa zu den Folgen von Wirbelstürmen oder, wie sich die Menschen auf Hochwasser vorbereiten können.
Das Medienprojekt kam bei Athena gut an: „Als Patenkind habe ich an verschiedenen Workshops teilgenommen, bei denen ich meine persönlichen Fähigkeiten weiterentwickeln konnte“, sagt sie. Besonders prägend war für Athena das Programm „Young Hearts“, bei dem sie unter Anleitung die Arbeit mit Kameras ausprobierte sowie zusammen mit Gleichaltrigen lernte, Geschichten aus ihrem Alltag zu erzählen und zu dokumentieren.
„Als Patenkind habe ich an verschiedenen Workshops teilgenommen, bei denen ich meine persönlichen Fähigkeiten weiterentwickeln konnte.“
Die gemeinsame Arbeit an alltäglichen Herausforderungen – an Themen wie die Achtung der Kinderrechte oder gewaltfreie Erziehung, den Schutz vor Katastrophen sowie gute Bildungschancen in Zeiten von Wirbelstürmen – ist für Athena gelebte Solidarität. Denn wo Wissen und gegenseitige Unterstützung wachsen, können Kinder ihre Potenziale entfalten; unabhängig von den äußeren Umständen und Geschlecht oder Identität.
Aus unterstützten Kindern werden unterstützende Erwachsene
Jetzt, mit dem Überschreiten der Volljährigkeit, möchte Athena der Gemeinschaft weiterhin dienen, etwas von dem zurückgeben, was sie Positives während ihrer Kindheit erfahren hat. Inspiriert wird sie dabei auch von ihrer Mutter, die als Mitglied im Dorfrat andere Personen fördert und inspiriert. Gibt man ihnen die Chance, dann machen Mädchen und Jungen ihre Talente sichtbar und setzen selbst Entwicklung in ihrem Umfeld in Gang, so wie bei Athena. Sie wird als Stimme der jungen Generation gehört und beweist gleichzeitig, wie Investitionen in Kinder die Gemeinschaft langfristig verändern.
Die Geschichte von Athena wurde mit Material aus dem philippinischen Plan-Büro erstellt.