Von der Nothilfe zum hoffnungsvollen Wiederaufbau
Die Bilder vom 28. März 2025 gingen um die Welt: Ein Erdbeben der Stärke 7,7 erschütterte Myanmar – eine Katastrophe, die mit heftigen Nachbeben Tausende Tote und zahlreiche Verletzte forderte. Weite Teile der Infrastruktur in mehreren Regionen des südostasiatischen Landes wurden zerstört, darunter Wohnhäuser, Schulen, Gesundheitseinrichtungen sowie Straßen und Brücken.
Soforthilfe und Wiederaufbau
Plan International Myanmar reagierte sofort mit lebensrettender Nothilfe für die betroffenen Menschen. Gemeinsam mit lokalen Partnern wurden Lebensmittel und Hygieneartikel verteilt, Wasser- und Sanitäranlagen eingerichtet sowie kinderfreundliche Räume geschaffen, sogenannte „Child Friendly Spaces“. Zudem erhielten 41.968 Personen in fast 2.000 Haushalten Bargeldhilfe, um ihre Lebensgrundlagen wiederaufzubauen.
Etwa die Hälfte der unterstützten Personen waren Frauen und Mädchen – aus gutem Grund: „Nach dem 28. März wurde alles schwieriger. Die Preise für Lebensmittel und Wasser stiegen, und es gab immer weniger Verdienstmöglichkeiten. Ich konnte meine Arbeit als Schneiderin nicht mehr ausüben. Wir hatten kein Einkommen mehr“, berichtet zum Beispiel Wai* (29), Mutter von zwei Töchtern, von den unmittelbaren Folgen des Bebens. Unter anderem wurde ihre ältere Tochter verletzt; ihr Mann verlor seinen Job, nachdem eine nahegelegene Brücke eingestürzt war.
* Name zum Schutz der Identität geändert
„Ich konnte meine Arbeit als Schneiderin nicht mehr ausüben, wir hatten kein Einkommen mehr.“
Ein Jahr nach der Katastrophe zeigt sich, dass schnelle Nothilfe gepaart mit langfristigen Wiederaufbaumaßnahmen eine lebenswichtige Unterstützung für die Betroffenen darstellt; auch und gerade für Frauen, Mädchen und Kinder.
Orte für den Kinderschutz und psychosoziale Hilfe
Neben den physischen Schäden hatte das Erdbeben vor allem Auswirkungen auf die jüngste Generation. Viele Kinder wurden aus ihren Häusern vertrieben, litten unter der großen emotionalen Belastung und verloren den Zugang zu sicheren Lern- und Spielräumen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, richtete Plan International geschützte Orte ein, an denen Kinder spielen, lernen und psychosoziale Unterstützung erhalten können. Seit Beginn der Krise haben 48 dieser kinderfreundlichen Räume mehr als 18.000 Mädchen und Jungen erreicht.
Wai erinnert sich: „Wenn ich an das Erdbeben zurückdenke, kommt es mir immer noch wie ein schrecklicher Albtraum vor. Häuser stürzten ein, die Menschen waren verzweifelt und am Boden zerstört. Viele wurden verletzt. Meine Familie hatte Glück, dass sie überlebt hat. Zu sehen, wie meine Töchter wieder zusammen lachen und spielen, ist für mich das größte Geschenk.“
„Zu sehen, wie meine Töchter wieder zusammen lachen und spielen, ist für mich das größte Geschenk.“
In einem dieser „Child Friendly Spaces“ leitet Naw* spielerische und kreative Angebote. Täglich sorgt die 30-Jährige dafür, dass gesungen, gelesen, gebastelt oder gemeinsam gemalt werden kann. Die ehemalige Lehrerin möchte den Kindern ein Gefühl von Normalität und Sicherheit zurückgeben und sagt: „Was meinen Weg wirklich verändert hat, waren die Hilfsmaßnahmen von Plan International. Sie haben einen Ort geschaffen, der den Kindern hilft.“ Sie beobachtet, wie die Kinder, die anfangs noch schüchtern waren, selbstbewusster und aktiver werden.
Durch die Angebote lernen die Jüngsten spielerisch, sich vor Gewalt zu schützen und wichtige Hygieneregeln einzuhalten. Für viele von ihnen ist der kinderfreundliche Raum mittlerweile ein zweites Zuhause geworden, in dem sie ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen und Hoffnung schöpfen. „Zu sehen, wie die Kinder lachen und spielen, motiviert mich, weiterzumachen“, sagt Naw stolz.
* Name zum Schutz der Identität geändert
„Ohne diese Unterstützung weiß ich nicht, wie wir überlebt hätten.“
Während der Übergangsphase zur Wiederaufbauarbeit verstärkte Plan International das Engagement in den Bereichen Bildung, Katastrophenvorsorge und Klimaresilienz. Ein Schwerpunkt in Myanmar liegt auf der Unterstützung von Frauen und Mädchen, die in der Situation nach den Erdbeben besonders gefährdet sind.
Fokus auf Bildung, Schutz und Frauenförderung
Bis zum 5. März 2026 erreichten die Hilfsmaßnahmen insgesamt über 219.000 Menschen, davon 55 Prozent Frauen und Mädchen. „Ohne diese Unterstützung weiß ich nicht, wie wir überlebt hätten“, sagt Wai. „Die finanzielle Hilfe ermöglichte es uns, Lebensmittel zu kaufen und mit dem Wiederaufbau unseres kleinen Schneiderbetriebs zu beginnen.“
Die Geldhilfe von Plan International umfasste 360.000 myanmarische Kyat (etwa 140 Euro) und half Wai, Lebensmittel zu kaufen und Schulden zu begleichen.
Allmählich kehrt die Normalität in ihren Alltag zurück. Während die Schneiderin ihr kleines Geschäft nach und nach weiter aufbaut, besuchen ihre Töchter einen der kinderfreundlichen Räume, wo ausgebildete Betreuerinnen ihnen emotionale Unterstützung und Beschäftigung bieten. „Zu sehen, wie meine Töchter wieder lachen und spielen, gibt mir neue Hoffnung“, sagt Wai.
Der Artikel wurde mit Material aus dem myanmarischen Plan-Büro erstellt.