Plan International verteilt Dignity Kits an Geflüchtete

Foto: Michael Fahrig

Plan International Deutschland hat in Polen mit der Verteilung von 10.000 sogenannten Dignity Kits an aus der Ukraine geflüchtete Frauen und Mädchen begonnen.

Mit 15 Lkw sind die insgesamt 150 Paletten zunächst in einer Halle des World Food Programme am Flughafen von Rzeszow, einer Stadt mit gut 180.000 Einwohner:innen im Südosten des Landes und etwa 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, zwischengelagert worden. Von dort aus werden die Beutel, die Artikel wie Seife, Zahnbürsten, Waschmittel, Taschenlampen, Unterwäsche, Binden und Tampons enthalten, an Partnerorganisationen von Plan verteilt. Dabei handelt es sich um lokale Organisationen, unter anderem Betreiber von Erstaufnahme- sowie Familienzentren, in denen Geflüchtete unterkommen und versorgt werden.

„Wir müssen davon ausgehen, dass viele Mädchen und Frauen sexualisierte Gewalt erfahren haben. Vergewaltigung ist eines der Mittel, die auch in diesem Krieg eingesetzt werden.“

Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International

Die Lage vor Ort: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind 7,2 Millionen Menschen geflohen, allein 3,8 Millionen über Polen. Dort registriert sind 1,2 Millionen Geflüchtete. Warum die Verteilung der Dignity Kits? Rund 90 Prozent der Geflüchteten sind Kinder und Frauen. Neben den dringend benötigten Hygieneprodukten enthalten die vor allem eines: Informationen darüber, wo Betroffene Zugang zu Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erhalten. Diese Informationsbroschüre macht die Kits erst zu Dignity Kits. „Wir müssen davon ausgehen, dass viele Mädchen und Frauen sexualisierte Gewalt erfahren haben. Vergewaltigung ist eines der Mittel, die auch in diesem Krieg eingesetzt werden“, sagt Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland, die in Rzeszow Plans Partnerorganisationen besucht und sich so vor Ort über die Verteilung informiert hat.  Hinzu kommt, dass der Krieg die Lebensplanung vieler Frauen zunichtemacht: Viele von ihnen, die vor dem Überfall Russlands gewollt schwanger geworden sind, haben nun als Geflüchtete und ohne Heimat Angst davor, ein Kind unter den schwierigen Voraussetzungen zur Welt zu bringen und groß zu ziehen. Sie entscheiden sich deshalb gegen die Schwangerschaft.

Verschiedene Hygieneartikel wie Zahnbürsten und Binden liegen auf einem Tisch
Im Dignity Kit sind unter anderem Zahnbürsten, Baby-Feuchttücher und Binden enthalten.Michael Fahrig
Mehrere Paletten mit großen Kisten, in denen die Dignity Kits sind, stehen in einer Halle
150 Paletten mit Dignity Kits wurden in Polen verteilt. Michael Fahrig

Große Nachfrage nach Dignity Kits

Die Verteilung der Dignitiy Kits übernimmt Federa, eine Organisation, die seit mehr als 30 Jahren zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit in Polen arbeitet. Polen hat eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in Europa – anders als etwa Deutschland oder eben auch die Ukraine. Gerade im Kontext mit Geflüchteten aber kommt es darauf an schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten, wenn es etwa um Schwangerschaftsabbrüche geht. Dabei und bei allen weiteren Fragen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit helfen die Mitarbeiter:innen von Federa.

Der Bedarf an den Dignity Kits in der Grenzregion ist so groß, dass Geflüchtete bis zu 100 Kilometer nach Rzseszow zurückgelegt haben, um einen der Beutel zu erhalten. „Mitarbeiter:innen eines Familienzentrums der Stadt berichteten uns, dass sie allein an einem Wochenende 700 dieser Kits verteilt haben – in ihrer Freizeit“, so Kathrin Hartkopf.

„Ich danke unseren zahlreichen Unterstützer:innen von Herzen für ihr Engagement.“

Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland

Ohnehin ist das Engagement der Mitarbeiter:innen der polnischen Partnerorganisationen beeindruckend. In einem ehemaligen Einkaufszentrum haben sie in kürzester Zeit etwa ein Erstaufnahmezentrum für Geflüchtete errichtet, in dem etwa bis zu 200 Menschen am Tag ankommen. Andere sorgen für die Verteilung der Dignity Kits sogar in der Ukraine. Kathrin Hartkopf: „Unser Besuch zeigt: Die Zivilgesellschaft in Polen ist tatkräftig. Wir haben starke Partner:innen, die klar ihre Bedarfe analysieren und Profis auf dem Gebiet der Katastrophenhilfe sind. Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

Plans Ukraine-Hilfe: Weitere Aktivitäten

Das Engagement in Rzeszow ist eine von zahlreichen Aktivitäten von Plan International Deutschland im Zusammenhang mit der Ukraine-Hilfe. Der Kinderrechtsorganisation stehen aus Spenden bislang mehr als 13 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sind gut zehn Millionen bereits fest verplant. Dabei geht es neben Projekten in Polen auch um Hilfe in Rumänien und Moldawien:

  • Informationen und Angebote zum Kinderschutz, Schulung von Fachpersonal in den Bereichen Kinderschutz, Prävention und Reaktion auf geschlechtsspezifische Gewalt, Gender, Schutz/Vermeidung von sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch
  • psychische Gesundheit oder psychosoziale Unterstützung für Kinder und Familien; Schulungen zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung sowie psychologische Erste Hilfe
  • Bargeld- und Gutscheinhilfe

Darüber hinaus ist Plan International Deutschland auch hierzulande aktiv. Zu den Inlandsprojekten zählen unter anderem: 

  • Kinderbuch „Schön, dass du da bist“, Ukrainische Version eines von Plan International und Save the Children gemeinsam erstellten Kinderbuchs zu Angeboten der deutschen Kinder- und Jugendhilfe
  • Projekt Kids Welcome: Unterstützung betreuter Spielangeboten und Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche 
  • Projekt Falkenflitzer: Unterstützung betreuter Spielangeboten und Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche; Aufsuchende Spielmobilarbeit in Wohnunterkünften für Geflüchtete und auf anderen wohnortnahen Plätzen  
  • Flüchtlingsambulanz Universitätsklinikum Eppendorf (Hamburg): Unterstützung von Trauma therapeutischen Angeboten für Kinder und ihre Familien

„Ich danke unseren zahlreichen Unterstützer:innen von Herzen für ihr Engagement“, sagt Kathrin Hartkopf. „Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Unterstützung der geflüchteten Kinder und ihrer Familien aus der Ukraine. Ich verspreche, wir machen weiter. Wir bauen unsere Aktivitäten aus. Es gab bereits erste Gespräche mit potenziellen Partnerorganisationen in der Ukraine, damit wir auch im Kriegsgebiet selbst Unterstützung für die Betroffenen anbieten können. Wir werden einen langen Atem brauchen - und den haben wir zum Glück schon oft bewiesen.“

Eine Spende kann viel bewirken – zum Beispiel:

  • 25 € für einen Rucksack, mit allen notwendigen Utensilien für Kinder ausgestattet, damit sie wieder zur Schule gehen können.
  • 50 € für Hygiene-Kits inkl. Menstruationshygiene, um Menstruierende auszustatten, damit sie ihre Periode in Würde bewältigen können.
  • 50 € für Lehr- und Lernmaterial pro Schüler:in.
  • 100 € für ein Tablet, das ein ukrainisches Kind in einer vorübergehenden Unterkunft in Rumänien für die Fortsetzung der Ausbildung nutzen kann.
  • 1000 € für die Ausbildung von Freiwilligen der lokalen Zivilgesellschaft durch Psychosoziales Training und Trauma Training, um entsprechende Unterstützung für Geflüchtete zu leisten
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