Menstruation ohne Tabu
Millionen Mädchen weltweit erleben ihre erste Periode, ohne zu wissen, was ihnen passiert. In ihrem Kurzvideo #PeriodInPeace macht die Filmemacherin Sarah Fürstenberg darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, das Schweigen über dieses Tabuthema zu brechen.
Im Plan Post-Interview schildert die Regisseurin die Hintergründe ihrer Zusammenarbeit mit Plan International und zu ihren jüngsten Dreharbeiten in Indien:
Plan Post: Was hat dich bewegt, dieses Thema in Indien zu visualisieren?
Sarah Fürstenberg: Ich fühle mich dem Land und den Menschen dort sehr verbunden. Das Thema Menstruation hat mich lange beschäftigt. Auch wenn ich selbst nicht erlebt habe, wegen meiner Periode ausgeschlossen zu werden, sind mir die Mädchen und Frauen dort, für die dies zum Alltag gehört, sehr nah. Als ich dann den Producer und Filmemacher Nishant Gita in Indien kennengelernt habe und wir gemeinsam ein Projekt realisieren wollten, war schnell klar, dass es das Thema Menstruation sein muss. Auch er hatte bereits begonnen, eine Dokumentation darüber zu drehen, musste sie jedoch abbrechen, weil das Thema bei den Männern vor Ort auf deutlichen Widerstand gestoßen war.
In einem Viertel mit starker Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung.
Ihr habt im westindischen Mumbai gedreht. Was hat Dich in der Millionenmetropole besonders berührt?
Mein Bild von einem unterprivilegierten Viertel in Mumbai hat sich grundlegend geändert. Trotz der Armut gibt es dort eine starke Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung. Mich hat die Offenheit der Menschen berührt, die uns ihre Räume für den Dreh zur Verfügung gestellt haben.
Ein Moment ging mir ganz besonders nah: Als ich mit den Kindern über die Geschichte des Films sprach, wusste nur ein Junge, was Menstruation ist. Ich fragte ihn, was er tun würde, wenn ein Mädchen auf dem Schulhof Blut an der Hose hätte. Er sagte: Ich würde ihr meinen Pullover geben, damit sie ihn sich umbinden kann.
„Medien könnten dazu beitragen, Menstruation sichtbar und selbstverständlich zu machen.“
Was denkst du, welche Rolle die öffentliche Wahrnehmung im Umgang mit der Menstruation spielt?
Eine enorme. Noch immer sehen wir Werbung, in der blaue Flüssigkeit statt Blut gezeigt wird. Auch in Deutschland wird oft leise und fast beschämt gefragt: Hast du ein Tampon dabei? Medien könnten dazu beitragen, Menstruation sichtbar und selbstverständlich zu machen – und damit langfristig das gesellschaftliche Bild verändern.
Wie könnten diese Veränderungen aussehen?
Ich wünsche mir, dass wir offener über Menstruation sprechen – in Indien und weltweit. Mädchen und Frauen müssen Frieden mit ihrem Körper schließen können. Menstruation sollte niemals ein Grund sein, Mädchen zu benachteiligen oder ihnen das Gefühl zu geben, unrein zu sein und nicht dazu zugehören. Dafür tragen wir alle Verantwortung.
„Jedes Mädchen muss Zugang zu Menstruationshygiene haben. Das ist ein Grundrecht.“
Wenn dein Video eine Diskussion anstoßen wird: welche wäre das?
Warum ein so natürlicher Prozess noch immer mit Scham, Stigma und Benachteiligung belegt ist und was wir konkret verändern können, um das zu lösen.
Und die Lösung? Was ist deine Vision für die Zukunft?
Jedes Mädchen muss Zugang zu Menstruationshygiene haben. Das ist ein Grundrecht. Junge Mädchen müssen frühzeitig über Menstruation aufgeklärt werden, um dadurch von Anfang an eine positive Verbindung zu sich selbst und zu ihrem Zyklus entwickeln zu können. Und auch Jungen und Männer sollten Teil dieser Veränderungen werden.
#PeriodInPeace ist nicht dein erster Film für Plan International. Was verbindet dich mit dieser Kinderrechtsorganisation?
Es ist der Wunsch, echte Veränderung zu bewirken. Plan International setzt sich für Themen ein, die mir sehr am Herzen liegen und die oft tabuisiert werden – besonders im Leben von Mädchen und Frauen. Schon die Zusammenarbeit bei dem Film #TheOtherVulva war für mich sehr besonders.