Sichere Räume fürs Lernen

Foto: Georgiy Ivanchenko

Seit der Eskalation des bewaffneten Konflikts vor vier Jahren in der Ukraine fehlt es besonders in frontnahen Gebieten für Schüler:innen an sicheren Lernorten – und an Stabilität im Alltag. Ein Plan-Projekt baut sichere Klassenzimmer für kriegsbetroffene Kinder und Jugendliche in den Regionen Sumy, Charkiw und Donezk.

Hinweis: Das Titelfoto stammt nicht aus dem Projekt im Artikel, sondern aus einem Safe Space-Trainingsprogramm für Lehrkräfte von Plan International in der Region Charkiw.

Die Ukraine befindet sich in einer der längsten und folgeschwersten Bildungskrisen weltweit. In den vergangenen vier Jahren wurde der Unterricht für 4,6 Millionen Kinder durch Angriffe, Vertreibung und Unsicherheit unterbrochen. In Frontregionen besuchen Kinder den Unterricht unter außergewöhnlichen Bedingungen – in unterirdischen, explosionsgeschützten Räumen, die sichere Orte zum Lernen und Spielen bieten. 

Kinder sitzen an einem Tisch und malen, eine Betreuungsperson steht neben dem Tisch und interagiert mit den Kindern
Nicht-formale Bildungsaktivitäten in Novo-Parafiyevka, Oblast Charkiw Equilibrium

Seit Juli 2024 unterstützt das Projekt „Verbesserte Schutzbildung für kriegsbetroffene Kinder und Jugendliche in den Regionen Sumy, Charkiw und Donezk in der Ukraine“ den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung in Notsituationen für Kinder und Jugendliche, die nahe der Front und in schwer erreichbaren Gebieten leben. Finanziert wird das Projekt von der Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission (DG ECHO). Plan International setzt es in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen Development of Civic Competences in Ukraine (DOCCU) und Equilibrium um, und führt es in enger Abstimmung mit lokalen Behörden sowie nationalen Bildungseinrichtungen durch.

Auch der mentale Druck auf die ukrainische Bevölkerung ist groß. Kinder gehören zu den am stärksten Betroffenen: Jede dritte Familie berichtet von sichtbaren Anzeichen von Belastung bei ihren Kindern. Viele Kinder im Vorschulalter in frontnahen Gebieten haben nie ein Leben ohne Krieg kennengelernt. Das Projekt vereint Maßnahmen in Bildung, Kinderschutz und psychosozialer Unterstützung (MHPSS), um besonders gefährdete Binnenvertriebene und aufnehmende Gemeinden zu unterstützen.

Ein kleines Zimmer ohne Fenster mit einem Tisch, zwei Sesseln, einer Lampe und einem Regal
Safe Learning Space: Resultat der Wiederherstellung und Ausstattung eines Schul-Luftschutzraums in Romny DOCCU; Equilibrium
Ein Kellerraum, der nach Baustelle aussieht
Sanierung von Schul-Luftschutzräumen in Romny DOCCU

Sichere Lernräume in Kriegszeiten

Im Rahmen des Projekts wurden mehr als sechs schulische Luftschutzräume in sichere Lernräume umgewandelt, in denen 8.881 Kinder qualitativ hochwertigen Unterricht in Fächern wie Ukrainisch, Englisch, Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaften erhalten. Zudem wurden 2.000 Lernpakete für Schüler:innen, 165 Unterrichtspakete für Lehrkräfte und 61 Pakete mit Materialien zur psychosozialen Unterstützung für Psycholog:innen verteilt. Angesichts kriegsbedingter Herausforderungen wie Vertreibung, psychischem Stress oder eingeschränktem Schulzugang sollen diese Materialien Lernverluste verringern, Bildungslücken schließen und Lehrkräfte sowie Psycholog:innen unterstützen. Zwei mobile Lehrteams wurden ebenfalls eingesetzt, um sicherzustellen, dass Kinder, die nicht regelmäßig zur Schule gehen können, Zugang zu Bildungsmaterialien erhalten.

Vier Frauen und ein Mann sitzen an einem Tisch. Es sieht nach einem Business-Meeting aus.
Der Partner DOCCU unterzeichnete im Oktober 2025 ein Kooperationsmemorandum mit dem ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft und Plan International Plan International Ukraine; DOCCU

Langfristige Integration in das Bildungssystem

Plan International Ukraine, DOCCU und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine erreichten darüber hinaus im Oktober 2025 einen wichtigen Meilenstein: Sie unterzeichneten ein Kooperationsmemorandum, um die landesweite Einführung des Programms zum Ausgleich von Lernrückständen zu unterstützen. Diese Vereinbarung ermöglicht, dass die Lernmaterialien systematisch in das nationale Bildungssystem übernommen werden. Sie unterstreicht zudem die gemeinsamen Anstrengungen, den ununterbrochenen Zugang zu sicheren, qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten in Notsituationen für kriegsbetroffene Kinder sicherzustellen. Das Ukrainische Institut für Bildungsentwicklung unterstütz die systematische Einführung und Verbreitung der Materialien und fördert deren langfristige Integration in das ukrainische Bildungssystem. 

Mehrere Jugendliche sitzen an einem Tisch, auf dem Tisch stehen kleine Roboter-Autos, im Hintergrund ist ein großer Bildschirm. Der Raum hat keine Fenster.
Robotik-Bildungsaktivität mit Schulkindern in einem sanierten Safe Learning Space in Romny DOCCU; Equilibrium

Lehrkräfte in der Ukraine berichten immer wieder, dass sichere, strukturierte und unterstützende Lernumgebungen notwendig sind, um Kindern zu helfen, ihren schulischen Rückstand aufzuholen und mit der emotionalen Belastung durch die anhaltende Unterbrechung ihrer Ausbildung fertig zu werden. Bildung ist mehr als nur Unterricht. Sie bietet Schutz, Stabilität und Hoffnung in Zeiten großer Unsicherheit. Ohne dringende Investitionen und Projekte wie dieses läuft eine ganze Generation Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das hätte Folgen für den Wiederaufbau der Ukraine und die gemeinsame Zukunft Europas. 

Ukraine-Nothilfe

Wir von Plan International sind in der Ukraine sowie in Moldau, Polen, Rumänien und Deutschland gemeinsam mit Partnerorganisationen aktiv. Unser Fokus liegt auf Kinderschutz, psychosozialer Hilfe und bedarfsgerechter Unterstützung – von sicheren Lernräumen über Bargeldhilfen und Gutscheine bis hin zu Hygienepaketen.

Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass weiterhin dringende Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung von Kindern und ihren Familien vor Ort umgesetzt werden können.

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