Ein World-Cup-Pokal zum Dank
Die Bekanntheit der Kinderrechtsorganisation Plan International im Nordwesten Deutschlands ist auch und gerade durch die ehrenamtliche Arbeit von Karl Heinz Schaub stetig gewachsen. Ideenreich und mit viel Herzblut für die Belange der Kinder hat er Ausstellungen nach Ostfriesland vermittelt, Workshops organisiert und immer wieder Mädchen und Jungen in Schulen und Kindergärten für ihre Rechte sensibilisiert.
Nach vielen Jahre Engagement wird er nun kürzertreten. Zum Abschied von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit überreichten ihm Kinder und Erzieher:innen aus seiner Region einen World-Cup-Pokal zum Dank. Im Plan Post-Interview spricht Karl Heinz Schaub über die Vorgeschichte:
Plan Post: Herr Schaub, was für eine schöne Überraschung! Haben Sie damit gerechnet?
Karl Heinz Schaub: Es wurde angedeutet, dass da etwas in Arbeit ist – und dass ich doch noch einmal vorbeikommen solle. Ich wusste, dass die Kita Abenteuerland in Schortens seit zwei Monaten an einem Stadion bastelt, um sich zum Weltkindermaltag an einem großen Wettbewerb zu beteiligen. Thema dieses Jahr: Fußball. Dass ich aber von den Kindern einen Pokal zum Abschied bekomme – nein, das wusste ich nicht.
Was hat es mit dem Weltkindermaltag auf sich?
Die Firma Staedtler ruft seit vielen Jahren zu einem großen Malwettbewerb auf und hat dafür den Weltkindermaltag eingerichtet. Mit jedem eingereichten Werk unterstützt Staedtler ein Projekt von Plan International mit einem Euro. Seit 2019 wird die Aktion von uns und der Aktionsgruppe begleitet; auf diese Weise kamen bis heute schon mehr als 38.000 Euro zusammen.
Sie haben mit der Aktionsgruppe Wilhelmshaven/Friesland für die Teilnahme an diesem Malwettbewerb getrommelt?
Genau! Ich habe in Schulen und Kindergärten Infoflyer verteilt und dann die Kunstwerke vor dem Einsendeschluss abgeholt und eingereicht. Jedes Jahr gibt es ein Schwerpunktthema, das die Kinder motiviert: Was will ich werden, ein Blick auf die Natur, das Thema Glück oder jetzt eben Fußball. Dabei sind wirklich tolle Bilder und Exponate entstanden. Früher wurde nur gemalt. Inzwischen können sich die Kinder auch mit Skulpturen bewerben. Die werden dann abfotografiert und die Bilder eingesendet.
Fußball spielt eine große Rolle in Ihrem Leben, oder?
Fußball ist in unserer Familie das A und O, ich habe hier beim TUS Fedderwarden viele Jahre junge Mannschaften trainiert. Auch meine drei Söhne haben mit Begeisterung im Verein gespielt. Und meine Frau ist ebenfalls ein großer Fußballfan.
Vor 25 Jahren haben Sie die erste Patenschaft für ein Kind in Tansania übernommen. Wie sind Sie zu Plan International gekommen?
Der Entschluss, eine Hilfsorganisation zu unterstützen, war bereits gefasst. Ich fand den Auftritt von Plan im Internet sehr nachvollziehbar. Ausschlaggebend war dann das Telefonat mit dem Büro in Hamburg. Das war eine wirkliche Beratung, überhaupt nicht werblich. Nach Rücksprache mit meiner Frau und meinen Söhnen stand fest, wir übernehmen eine Plan-Patenschaft.
Sie und die AG haben viele beeindruckende Aktionen auf die Beine gestellt. Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Spendenläufe. Alles zugunsten der Projektarbeit für Kinder weltweit. Gab es in Ihrem Leben ein Vorbild?
Der Cousin meines Vaters hat als Missionar in Tansania gearbeitet und mir regelmäßig geschrieben, um von seinem Alltag und den Menschen vor Ort zu berichten. Da war ich 15 Jahre alt, seine Schilderungen haben mich sehr beeindruckt.
Aber Missionar sind Sie nicht geworden …
… nein, aber ich habe von der Pike auf an im sozialen Bereich gearbeitet. Viele Jahre für eine Krankenkasse in leitender Funktion. Dort hatte ich unter anderem auch mit Menschen zu tun, die überfordert waren und nicht wussten, welche Unterstützung sie in Anspruch nehmen können. Ihnen dabei zu helfen, das habe ich gern getan.
Sie haben nicht immer in Wilhelmshaven gelebt?
Meine Frau kommt aus Schweinfurt und ich aus Bad Kissingen, wir sind also beide in Unterfranken aufgewachsen. Noch bevor unser erster Sohn zur Welt kam, bekam ich ein Jobangebot in Bielefeld. Zwei Jahre verbrachten wir dort, dann folgte der Ruf nach Wilhelmshaven.
Als Zugezogener haben Sie sich offensichtlich dort gut eingelebt. War das nicht schwer?
Damit hatte ich anfangs gerechnet. Das Gegenteil war der Fall: Wir wurden sehr herzlich in Wilhelmshaven empfangen. Über unsere Kinder, die Schule und den Kindergarten, und auch meine Tätigkeit als Fußballtrainer, fanden wir schnell Kontakt. Als ich das Angebot erhielt, meinen Job auch in Schweinfurt zu machen, beschlossen meine Frau und ich: Wir bleiben hier im Norden.
Sie sind in Wilhelmshaven bestens vernetzt und haben mit Ihren Aktionen auch in der Lokalpresse eine große Resonanz. Wie haben Sie das geschafft?
Viele Kontakte in der Region sind erst durch die Arbeit der Plan-Aktionsgruppe entstanden. Nach und nach haben sich die Türen für uns geöffnet. Wir hatten uns damals in der Gruppe nach einem ruckelnden Start zusammengesetzt und ein Positionspapier erstellt: Was wollen wir eigentlich erreichen, wie wollen wir uns präsentieren? Wichtig war auch: Es muss Spaß machen – und man braucht Geduld. Dass an unserem allerersten Infostand ein Journalist beiläufig fragte, was wir überhaupt machen, war auch Glück. Den habe ich gleich in ein Gespräch verwickelt.
Jetzt nehmen Sie Abschied von Ihrer Arbeit für die Plan-Aktionsgruppe Wilhelmshaven/Friesenland. Was kommt als Nächstes?
Reisen in die nähere Umgebung mit meiner Frau. Und ich freue mich, auch mit meinem Enkelsohn mehr Zeit zu verbringen, er ist jetzt drei Jahre alt. Ich möchte ein Bilderbuch für ihn basteln. Motive gibt es genug. Durch die Aktionen zum Weltkindermaltag habe ich jede Menge Anregungen.
Wie geht es für die örtliche Aktionsgruppe ohne Sie weiter?
Es wäre schön, wenn die AG Wilhelmshaven in naher Zukunft wieder aktiviert werden könnte. Zum Beispiel anlässlich eines Plan-Abends, organisiert vom Plan-Büro in Hamburg. Hierzu werden Patinnen und Paten aus der Region eingeladen. Natürlich würde ich auch dabei sein – quasi als Motivator.
Und: Der Weltkindermaltag läuft auch ohne mich, eigentlich bin ich da jetzt raus. Die Kinder aus der Kita Abenteuerland in Schortens haben mir übrigens zum Abschied nicht nur einen Pokal gebastelt, sondern auch eine Ersatzbank, mit dem Hinweis: „Vielleicht werden Sie ja mal wieder gebraucht!“
Darauf muss man erst mal kommen! Wie heißt es so schön: Niemals geht man so ganz. Vielen Dank für alles, Herr Schaub!