Wie Dürren und Überschwemmungen Mädchen gefährden

Foto: READO / Plan International

In Baidoa sind Dürren und Überschwemmungen Teil des Alltags. Für Mädchen wie Aisha, Munira und Hibo bedeuten sie nicht nur fehlendes Wasser und unsichere Unterkünfte, sondern auch neue Hürden für Schule, Gesundheit und Sicherheit.

In Baidoa, Somalia, ist der Klimawandel keine ferne Bedrohung. Er zeigt sich im Alltag: wenn Regen Unterkünfte überflutet, Wasser knapp wird oder Familien nicht mehr wissen, wie sie die nächste Mahlzeit finanzieren sollen.

Baidoa ist zu einem der größten Zentren für Binnenvertriebene in Somalia geworden. Hunderttausende Menschen leben dort an mehr als 600 Standorten. Viele Familien kamen aus ländlichen Regionen, nachdem Dürren und Überschwemmungen ihre Lebensgrundlagen in der Landwirtschaft und Viehzucht zerstört hatten und ihnen kaum noch eine Perspektive blieb.

Aisha, Munira und Hibo gehen durch das Binnenvertriebenenlager in Baidoa
Aisha (l.), Munira (mitte) und Hibo (r.) gehen gemeinsam durch das Binnenvertriebenenlager in Baidoa READO / Plan International
Aisha in ihrem Zelt in Baidoa bereitet eine Mahlzeit zu
Die 16-jährige Aisha lebt mit ihrer Mutter und sechs Geschwistern in Baidoa READO / Plan International

Zwischen Dürre und Überschwemmung

Auch nach ihrer Ankunft in Baidoa bleiben die Herausforderungen groß. Viele Familien leben in einfachen Unterkünften, die nur wenig Schutz vor extremer Hitze und starken Regenfällen bieten. Gleichzeitig ist der Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen, Gesundheitsversorgung und Bildung eingeschränkt. 

Die 16-jährige Aisha lebt mit ihrer Mutter und sechs Geschwistern in einem solchen Lager. Sie erinnert sich an die jüngsten starken Regenfälle: „Unsere Unterkunft war überall undicht. Wir konnten nicht schlafen, weil alles im Inneren nass wurde, einschließlich unserer Kleidung und Bücher.“

Auch die Wege durch das Lager wurden durch das Hochwasser unpassierbar. Straßen standen unter Wasser, medizinische Einrichtungen waren teilweise nicht erreichbar. Einer von Aishas Verwandten musste auf eine medizinische Behandlung warten, bis das Wasser zurückgegangen war. Für Mädchen bedeuteten die Überschwemmungen zusätzliche Unsicherheit. „Die Mädchen hatten Angst, nachts auf die Toilette zu gehen, weil es im Lager dunkel und überall matschig war“, erzählt Aisha.

Wenn Wasser zum täglichen Kampf wird

Auf die Überschwemmungen folgte die Dürre. Für viele Familien wurde es noch schwieriger, ausreichend Nahrung und Wasser zu bekommen. Die 18-jährige Munira erlebt das jeden Tag. Sie lebt mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern zusammen. „Die Dürre hat uns am stärksten getroffen, weil wir uns die Grundbedürfnisse nicht leisten können“, sagt sie.

Munira steht vor ihrem Zelt im IDP-Camp in Baidoa
Munira (18) muss weite Wege zurücklegen, um Wasser für ihre Familie zu holen READO / Plan International
Hibo und Munira stehen im IDP-Camp vor ihrem Zelt
Hibo (l.) und Munira (r.) sind täglich mit den Folgen der Wasserknappheit konfrontiert READO / Plan International

Besonders schwierig ist die Wasserversorgung. „Wasser ist nach wie vor ein Problem. Wir legen weite Strecken zurück, um Wasser zu holen, und bekommen trotzdem kein sauberes Wasser. Und Wasser zu kaufen, ist für uns zu teuer.“ 

Wenn das Geld nicht für das Nötigste reicht, müssen Familien Prioritäten setzen. Für manche bedeutet das, dass Kinder die Schule verlassen, um zum Familieneinkommen beizutragen. Auch Ausgaben für Gesundheitsversorgung oder Menstruationsartikel werden zurückgestellt, wenn das Geld für Lebensmittel gebraucht wird.

Die 15-jährige Hibo kennt die gesundheitlichen Folgen unsauberen Wassers aus ihrer eigenen Familie. „Die anhaltende Dürre hat uns wirklich schwer getroffen“, erklärt sie. „Es gibt kein sicheres Trinkwasser, und eines meiner Geschwister hat sich durch das Trinken von unsauberem Wasser mit Typhus angesteckt.“

„Wasser ist nach wie vor ein Problem. Wir legen weite Strecken zurück, um Wasser zu holen, und bekommen trotzdem kein sauberes Wasser.“

Munira (18), lebt in einem Binnenvertriebenenlager in Baidoa
Luftaufnahme von Zelten im IDP-Camp in Baidoa
In einfachen Zelten sind Familien den Folgen von Dürre und Überschwemmungen besonders ausgesetzt Plan International

Für Mädchen geht es auch um Sicherheit

Die Folgen der Klimakrise zeigen sich jedoch nicht nur in Wasserknappheit und beschädigten Unterkünften. Wenn Familien um ihre Existenz kämpfen, können sich auch die Schutzrisiken für Mädchen erhöhen.

Lange Wege zu Wasserstellen können dazu führen, dass sie Belästigung und Gewalt ausgesetzt sind. Fehlende Beleuchtung und unzureichende Infrastruktur erschweren es ihnen zusätzlich, sich sicher im Lager zu bewegen.

Hibo steht vor ihrem Zelt im IDP Camp in Baidoa
Fehlende Beleuchtung erschwert es Hibo, sich nach Einbruch der Dunkelheit sicher zu bewegen READO / Plan International

„Wegen der fehlenden Beleuchtung gehen wir nachts in Gruppen auf die Toilette.“

Hibo (15), Bewohnerin eines Binnenvertriebenenlagers in Baidoa

Munira berichtet von Mädchen, die stundenlang unterwegs sind, um Wasser zu holen. „Es gab Fälle, in denen Mädchen auf dem Weg belästigt und sogar vergewaltigt wurden“, sagt sie. Auch Kinderheirat kann unter wirtschaftlichem Druck zunehmen. „Manchmal werden Mädchen gegen ihren Willen verheiratet, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.“

Nach Einbruch der Dunkelheit fühlt sich auch Hibo unsicher. „Mädchen haben nach Einbruch der Dunkelheit mehr Angst, weil wir Belästigungen fürchten und es weniger Privatsphäre gibt“, sagt sie. „Wegen der fehlenden Beleuchtung gehen wir nachts in Gruppen auf die Toilette.“

Gemeinsam durch schwierige Zeiten

Trotz dieser Herausforderungen unterstützen sich die Menschen in den Lagern gegenseitig. Familien teilen ihr Essen mit Menschen, die wenig oder nichts haben. Ältere Frauen achten auf Mädchen, die besonderen Schutz benötigen. Frauen und Mädchen gehen gemeinsam Wasser holen oder Feuerholz sammeln.

Unterstützung finden einige Mädchen auch in den sogenannten First Response Centres, die Plan International gemeinsam mit dem lokalen Partner eingerichtet hat. Die Zentren bieten psychosoziale Unterstützung, Aktivitäten zur Vermittlung von Lebenskompetenzen und Möglichkeiten, weiter zu lernen.

Für Hibo ist das Zentrum deshalb ein wichtiger Teil ihres Alltags. Dort trifft sie Freunde und findet einen Ort, an dem sie sich sicher fühlt. „Ich bin gerne dort, und ich habe auch Freunde gefunden“, sagt sie. „Wenn Mädchen einen sicheren Ort haben, an den sie gehen können, und ihre Ausbildung fortsetzen können, blicken sie hoffnungsvoller in die Zukunft.“

Aisha, Hibo und Munira sitzen zusammen und reden miteinander im IDP-Camp
Mädchen finden in den Projektzentren einen sicheren Ort, an dem sie sich austauschen, lernen und gegenseitig unterstützen können READO / Plan International
Aisha bereitet sich in ihrem Zelt im IDP-Camp Essen zu
Für Aisha ist Bildung ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft READO / Plan International

Mädchen wollen weiterlernen

Aisha, Munira und Hibo wünschen sich vor allem Bedingungen, unter denen sie ihren Alltag sicherer gestalten und ihre Ausbildung fortsetzen können. Dazu gehören stabilere Unterkünfte, die besser vor extremem Wetter schützen, Zugang zu sauberem Wasser, sichere und beleuchtete Wege sowie verlässliche Schutzangebote.

Ihre Erfahrungen zeigen, wie eng Klimawandel, Vertreibung und die Lebensbedingungen von Mädchen miteinander verbunden sind. Eine Überschwemmung kann den Schulweg unpassierbar machen, eine Dürre den Zugang zu Wasser erschweren und wirtschaftlicher Druck die Zukunftspläne einer Familie verändern.

Für die Mädchen in Baidoa geht es deshalb um mehr als die Bewältigung der nächsten Dürre oder des nächsten Regens. Sie wollen lernen, sich sicher bewegen und die Möglichkeit behalten, ihre Zukunft selbst mitzugestalten.

Die Geschichten von Aisha, Munira und Hibo wurden mit Material aus dem Plan-Büro in Somalia aufgeschrieben. 

Der Nothilfe-Fonds

Dürren und Überschwemmungen verändern den Alltag von Kindern in Somalia. Wenn Wasser knapp wird, Unterkünfte zerstört werden oder Familien ihre Lebensgrundlagen verlieren, sind Mädchen besonderen Risiken ausgesetzt – etwa auf langen Wegen zu Wasserstellen, beim Zugang zu Bildung oder durch fehlende sichere Orte.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie Kinder und ihre Familien in Krisenregionen. Sie helfen dabei, Zugang zu sauberem Wasser, Bildung, psychosozialer Unterstützung und Schutzangeboten zu ermöglichen – damit Mädchen wie Aisha, Munira und Hibo auch unter schwierigen Bedingungen lernen und ihre Zukunft mitgestalten können.

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