Wie Bücher Hajara neue Wege eröffnen

Foto: Plan International

Am heutigen Welttag des Buches geht es um Geschichten, die bewegen – wie die von Hajara aus Ghana. Sie erzählt, wie der Mut einer Jugendlichen, noch einmal neu anzufangen, ihre Zukunft veränderte.

Hajaras Schulzeit endet abrupt. Nach der dritten Klasse entscheidet ihr Vater, dass sie nicht weiter lernen soll. „Er sagte, Mädchen seien nicht für die Schule da – unser Platz sei in der Küche und auf dem Feld“, erinnert sich die heute 15-Jährige. Ihre Mutter stimmt dem Vater zu – beide Eltern können selbst nicht lesen und schreiben und sind mit traditionellen Rollenbildern aufgewachsen.

Ein ghanaischer Mann steht auf einem Feld, er hält ein Werkzeug zur Feldarbeit in der Hand
Hajaras Vater ist Farmer, Bildung für Mädchen hielt er früher für unnötig Plan International
Eine ghanaische Teenagerin sitzt draußen auf einem Hocker und rührt in einem Topf, der auf einer Feuerstellt steht. Im Hintergrund bereitet eine ghanaische Frau in einem Tongefäß Essen zu
Hajara (vorne) hilft ihrer Mutter (hinten) bei der Hausarbeit Plan International

Von einem Tag auf den anderen bleibt Hajara zu Hause. Während ihre Brüder weiter zur Schule gehen, holt sie Wasser, hilft auf dem Feld und erledigt Hausarbeit. Mit der Zeit vergisst sie, was sie gelernt hat. „Ich konnte nicht einmal mehr meinen eigenen Namen schreiben“, sagt sie heute. Für Hajara scheint der weitere Lebensweg vorgezeichnet: frühe Heirat, Arbeit im Haushalt, wenig Mitspracherecht.

Was es bedeutet, das Lesen zu verlernen

Wer früh aus dem Bildungssystem ausscheidet, verliert nicht nur Wissen, sondern auch Selbstvertrauen und Zukunftsperspektiven. In vielen ländlichen Regionen Nordghanas sind Mädchen davon besonders betroffen. Armut, Arbeitsbedarf in der Familie und geringe Bildung der Eltern führen dazu, dass Bildung für sie als verzichtbar gilt.

Für Hajara bedeutet das vor allem eines: Stillstand. Bücher, Hefte oder Geschichten spielen in ihrem Alltag keine Rolle mehr. Bildung ist etwas, das andere bekommen.

Drei ghanaische Menschen sitzen auf einer Holzbank. Eine Person trägt ein Kopftuch, eine andere eine blaue Weste von Plan Interational. Die drei sind im Gespräch
Ein Mitarbeiter von Plan International spricht mit Hajaras Eltern über die Bildung ihrer Tochter Plan International
Mehrere Menschen sitzen unter einem kleinen Pavillion aus Baumstämmen und Stroh, davor steht ein Mitarbeiter von Plan International in blauer Weste
Eine Informationsverantsaltung von Plan International in Hajaras Dorf: Eltern erfahren hier, welche Vorteile die Bildung ihrer Töchter haben kann Plan International

Wie Plan International Veränderung anstößt

Der Wendepunkt kommt unerwartet: Mitarbeitende von Plan International besuchen Hajaras Dorf und sprechen mit der Gemeinschaft über die Bedeutung von Bildung für Mädchen. Zunächst reagiert ihr Vater ablehnend. „Er war wütend und sagte, sie sollten uns keine Ideen in den Kopf setzen“, erzählt Hajara. Doch die Plan-Mitarbeitenden suchen immer wieder das Gespräch, mit beiden Elternteilen. In wiederholten Treffen erklären sie ihnen, wie Lesen und Schreiben ganz konkret helfen kann – etwa beim Zählen von Geld oder beim Lesen von Beipackzetteln für Medikamente.

Schließlich stimmen Hajaras Eltern zu. Sie wird in das Programm „Complementary Basic Education“ (dt.: Ergänzende Grundbildung) aufgenommen, das von Plan International im Rahmen des „Ghana Education Outcomes Project“ (dt.: Projekt zu Bildungsergebnissen in Ghana) durchgeführt wird. Es richtet sich an Kinder, die nie zur Schule gegangen sind oder früh abgebrochen haben.

Lernen im eigenen Tempo – und in der eigenen Sprache

Die Kurse sind bewusst an den Alltag der Familien angepasst. Der Unterricht findet nach den morgendlichen Hausarbeiten statt. Alle Lernmaterialien werden kostenfrei zur Verfügung gestellt: Bücher, Hefte, Stifte. Der Unterricht erfolgt in der jeweiligen lokalen Sprache, damit Kinder Inhalte besser verstehen und Hemmschwellen abgebaut werden.

Für Hajara war der Einstieg nicht leicht. Doch mit geduldiger Begleitung kamen die Grundlagen zurück. Nach einigen Monaten konnte sie wieder lesen. „Jetzt kann ich Bücher lesen und Briefe schreiben“, sagt sie begeistert. 

Eine ghanaische Teenagerin sitzt in der Schule und liest in einem Textbuch
Im Projekt werden Hajara (Foto) und die anderen Kinder in ihrer lokalen Sprache unterrichtet, um Hemmschwellen abzubauen Plan International

Bildung von Mädchen wirkt langfristig

Laut UNICEF haben Mädchen in Nordghana deutlich geringere Chancen, eine Grundbildung abzuschließen als Jungen. Frühzeitiger Schulabbruch steht in engem Zusammenhang mit Kinderheirat, Armut und fehlender gesundheitlicher Versorgung. Das Projekt von Plan International setzt genau hier an: Es holt Kinder zurück ins Lernen und binden Familien und Gemeinden aktiv ein. Plan International arbeitet dabei mit lokalen Akteur:innen zusammen, stärkt Bewusstsein vor Ort und sorgt dafür, dass Bildung praktisch umsetzbar ist – auch unter schwierigen Bedingungen.

Mehrere ghanaische Kinder sitzen in einem Klassenzimmer. Sie tragen Schuluniformen. Drei von ihnen, darunter ein Mädchen, melden sich
Hajara hat Spaß am Unterricht – und ist schnell Klassenbeste Plan International
Ein längliches Gebäude mit Blechdach
Das Schulgebäude in Hajaras Dorf Plan International

Der Weg zurück ins Klassenzimmer

Nach rund neun bis zehn Monaten intensiver Förderung kehrt Hajara in das formale Schulsystem zurück. Sie wird in die fünfte Klasse eingeschult. Innerhalb eines Jahres gehört sie zu den besten Schüler:innen ihrer Klasse. Sie nimmt an Lese- und Rechtschreibwettbewerben teil und gewinnt auf Bezirksebene. Plan International unterstützt sie während dieser Übergangsphase weiterhin mit Schulmaterialien.

Auch zu Hause zeigt sich die Wirkung. Hajara hilft ihrer Mutter inzwischen beim Zählen der Tomaten auf dem Markt. „Sie ist stolz auf mich“, sagt die 15-Jährige. Und ihr Vater spricht nun offen darüber, dass seine Tochter lesen kann – ein Wandel, der auch andere Familien im Dorf ermutigt hat, ihre Töchter zur Schule zu schicken.

Warum Bücher mehr sind als Papier

Für Hajara steht ein Buch heute für mehr als Geschichtenlesen. Bücher haben ihr Zugang zu Wissen und Selbstbestimmung eröffnet – und zu einer Zukunft, von der sie nie gedacht hätte, dass diese für sie möglich wäre. 

„Ich möchte Lehrerin werden“, sagt Hajara. „Ich will anderen Mädchen helfen, die glauben, ihr Leben sei schon entschieden „Lernen ist Macht. Niemand kann sie dir nehmen.“

Hajaras Geschichte wurde mit Material aus dem ghanaischen Plan-Büro erstellt.

Ein ghanaisches Mädchen im Teenageralter und ihr Vater stehen vor einem Baum und Lehmhütten und halten sich an der Hand
Heute ist Hajaras Vater stolz darauf, dass seine Tochter lesen und schreiben kann Plan International

Jetzt ein Mädchen in Ghana unterstützen!

Mit der Übernahme einer Patenschaft für ein Mädchen in Ghana schenken Sie echte Perspektiven. Ihre Patenschaft trägt dazu bei, dass Mädchen Zugang zu Bildung erhalten, lesen und schreiben lernen und ihre eigenen Zukunftspläne entwickeln können. Gleichzeitig unterstützen Sie Plan International dabei, in der Region ihres Patenkindes Projekte umzusetzen, die Bildung, Gesundheit, Kinderschutz und Chancengleichheit verbessern. So entstehen Veränderungen, die über die einzelne Patenschaft hinaus wirken. 

Jetzt unterstützen

Sie mögen diesen Artikel? Teilen Sie ihn gerne.