Engagement nach dem Erdbeben

Foto: Alejandra Otero

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela engagieren sich viele Menschen für ihre Gemeinde. Auch die Schwestern Andrea und Sara unterstützen betroffene Familien und erleben dabei, vor welchen Herausforderungen Menschen nach einer Katastrophe stehen.

Andrea (17) und Sara (14) leben im venezolanischen Küstenstaat La Guaira. In den Tagen nach den Erdbeben erleben sie, wie die Nachbarschaften Hilfe organisieren, Familien einander unterstützen und Freiwillige dort anpacken, wo Unterstützung gebraucht wird.

Auch die beiden Schwestern wollen einen Beitrag leisten. Schon wenige Tage später beteiligen sie sich an Hilfsmaßnahmen in ihrer Gemeinde. „Bereits drei Tage nach der Katastrophe waren wir als Freiwillige vor Ort“, sagt Andrea.

„Bereits drei Tage nach der Katastrophe waren wir als Freiwillige vor Ort.“

Andrea (17), Freiwillige einer lokalen Jugendorganisation, die gemeinsam mit Plan International Menschen nach dem Erdbeben unterstützt
Zerstörte Gebäude in La Guaira nach dem Erdbeben, Trümmer liegen auf den Straßen
Die Folgen des Erdbebens sind in La Guaira sichtbar: Viele Gebäude wurden zerstört Alejandra Otero

Wie Andrea und Sara aktiv wurden

Andrea und Sara schließen sich nach den Erdbeben einer Gruppe junger Freiwilliger an, die Familien in ihrer Gemeinde unterstützt. Gemeinsam mit lokalen Hilfsorganisationen helfen sie dabei, wichtige Hilfsgüter zu verteilen und Menschen zu unterstützen, die von den Folgen der Erdbeben betroffen sind.

Dazu gehören unter anderem Lebensmittel, Wasser sowie Hygieneartikel für Frauen, Mädchen und Familien. Außerdem helfen sie bei medizinischen Hilfsangeboten und unterstützen dabei, Informationen über die Situation in den betroffenen Wohnvierteln zu sammeln.

Durch die Begegnungen mit den Menschen vor Ort erfahren Andrea und Sara aus erster Hand, welche Herausforderungen viele Familien nach der Katastrophe bewältigen müssen.

Die Lage in La Guaira

Am 24. Juni 2026 erschütterten zwei schwere Erdbeben den Norden Venezuelas. Besonders betroffen war der Küstenstaat La Guaira, wo viele Menschen ihr Zuhause verloren und wichtige Infrastruktur beschädigt wurde. Noch Wochen nach den Erdbeben leben zahlreiche Familien in Notunterkünften oder provisorischen Unterkünften. Wasserknappheit, eingeschränkte sanitäre Versorgung sowie beschädigte Verkehrs- und Kommunikationswege erschweren den Alltag. Mit Beginn der Regenzeit steigt zudem das Risiko weiterer Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche.

Plan International unterstützt gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen die humanitäre Hilfe vor Ort. Die Maßnahmen umfassen unter anderem Notunterkünfte, den Zugang zu sauberem Wasser, Hygiene- und Schutzangebote für Kinder sowie psychosoziale Unterstützung für betroffene Familien.

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Andrea steht im Freien und blickt in die Kamera
Andrea (17) hilft dabei, betroffene Familien mit wichtigen Hilfsgütern und Unterstützung zu erreichen Alejandra Otero
Sara steht als Freiwillige ihrer Gemeinschaft zur Verfügung, um zu helfen
Sara (14) engagiert sich nach dem Erdbeben als Freiwillige in ihrer Gemeinschaft Alejandra Otero

Was die Schwestern vor Ort erleben

In den Wochen nach den Erdbeben begegnen Andrea und Sara Familien, die versuchen, ihren Alltag unter schwierigen Bedingungen neu zu organisieren. „In unserem Viertel sind zwei Wohnblocks eingestürzt, ebenso wie ein kleines Gebäude in der Nähe“, erzählt Andrea.

Viele Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Einige leben vorübergehend bei Angehörigen, andere in Notunterkünften oder provisorischen Unterkünften. Sara erinnert sich besonders an die große Hilfsbereitschaft in den Tagen nach dem Erdbeben. Nachbar:innen unterstützten die Rettungsarbeiten oft stundenlang, um Betroffenen zu helfen.

Bei ihren Gesprächen erleben die beiden Schwestern, wie unterschiedlich Familien mit den Folgen der Katastrophe umgehen. Viele Familien sorgen sich um Wohnraum, die Versorgung ihrer Angehörigen und ihre Zukunft.

Warum Frauen und Mädchen besondere Unterstützung benötigen

Bei ihrer Freiwilligenarbeit fällt Andrea auf, dass manche Bedürfnisse in Notsituationen weniger Beachtung finden als andere. „Die Menschen konzentrieren sich darauf, Grundversorgungsgüter zu beschaffen, vor allem Lebensmittel, sowie andere lebenswichtige Dinge wie Wasser und Taschenlampen“, sagt sie. „Aber sie suchen nicht nach Dingen wie Menstruationsprodukten, Zahnbürsten oder Zahnpasta. Mit dem, was wir ihnen jetzt geben, können wir ihre aktuellen Bedürfnisse und diejenigen, die in den kommenden Tagen entstehen werden, innerhalb einer Woche, wenn nicht sogar früher, decken.“

Besonders beschäftigt Andrea die Situation von Frauen und Mädchen, die in Krisenzeiten oft zusätzliche Herausforderungen bewältigen müssen. „Manche Mütter wurden mit ihren Babys allein zurückgelassen und sind zudem selbst verletzt“, sagt sie. „Neben der Sorge um Nahrung und ihre Kinder müssen Frauen auch ihre Menstruation unter schwierigen Bedingungen bewältigen.“

Auch an Mädchen denkt sie, die während einer solchen Krise neue Erfahrungen machen und dabei oft auf Unterstützung angewiesen sind. „Dann sind da noch die jugendlichen Mädchen, von denen einige erst zehn Jahre alt sind. Vielleicht ist heute der Tag, an dem sie ihre erste Periode bekommen haben, aber sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, weil sie ihre Mutter nicht mehr haben.“

Sara bewegt eine Matratze in einer Notunterkunft
Sara (14) hilft in einer Notunterkunft und macht deutlich, wie wichtig die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen nach Katastrophen ist. Alejandra Otero
Hygiene- und Familienpakete stehen in der Notunterkunft zur Verteilung bereit
Hygiene- und Familienpakete liegen bereit, um betroffene Familien nach dem Erdbeben zu unterstützen Alejandra Otero
Ein großer Raum mit Sitzbänken dient nach dem Erdbeben als Notunterkunft
Sara (14) schöpft Kraft aus den Geschichten der Menschen, die sie nach dem Erdbeben begleitet Alejandra Otero

Was sie antreibt, weiterzumachen

Die Freiwilligenarbeit ist für Andrea und Sara nicht immer einfach. Viele Begegnungen mit betroffenen Familien gehen ihnen nahe. Sara erinnert sich besonders an Geschichten von Menschen, die sich während des Erdbebens gegenseitig geholfen haben. „Viele Kinder wurden von ihren Müttern gerettet“, sagt sie. „Zahlreiche Kinder sind heute noch am Leben, weil ihre Mütter sie beschützt haben.“

Andrea hat inzwischen den Spitznamen „Sonrisita“ – „kleines Lächeln“ – erhalten, weil sie versucht, Menschen in schwierigen Situationen Mut zu machen. „Aber es gibt Tage, an denen ich nach Hause komme und denke: ‚Das ist vorbei.‘“ Dennoch möchten die beiden Schwestern ihre Gemeinde weiterhin unterstützen. „Ich möchte mein Leben nicht in einem anderen Bundesstaat oder Land neu beginnen“, sagt Andrea. „Ich glaube, meine Zukunft liegt hier.“

„Viele Kinder sind heute noch am Leben, weil ihre Mütter sie beschützt haben.“

Sara (14), Freiwillige in der Katastrophenhilfe in ihrer Gemeinschaft

Wiederaufbau braucht Zeit

Die Erdbeben haben das Leben vieler Menschen in La Guaira nachhaltig verändert. Andrea und Sara erleben bei ihrer Freiwilligenarbeit, dass Unterstützung deshalb auch lange nach der akuten Nothilfe wichtig bleibt.

Für Sara steht fest, dass der Wiederaufbau Zeit brauchen wird. „Die Hilfe darf nicht heute oder morgen enden“, sagt sie. „Das ist etwas, das über Monate, vielleicht sogar Jahre hinweg nötig sein wird, um einen ganzen Bundesstaat wieder aufzubauen.“

 

Die Geschichte von Sara und Andrea wurde mit Material aus dem Regionalbüro von Plan International für Lateinamerika und die Karibik erstellt.

Jetzt zählt jede Hilfe!

Katastrophen wie die Erdbeben in Venezuela zeigen, wie schnell Schutznetze reißen können. Kinder brauchen in solchen Momenten verlässliche Unterstützung. Mit einer Spende für die Erdbebenhilfe in Venezuela ermöglichen Sie es Plan International unter anderem, Schutzräume und psychosoziale Unterstützung aufzubauen, Kinderschutz zu stärken und betroffene Familien mit überlebenswichtigen Hilfsgütern auszustatten. 36 Euro reichen beispielsweise für die nötige Körperpflege mit Hygieneartikeln, 172 Euro für Zwei-Wochen-Essenspakete für eine Familie.

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