Ein Wohnheim gegen Schulabbruch
In ihrer ersten Nacht im neuen Wohnheim erlebt die 16-jährige Evelyn zum ersten Mal seit Langem, was es bedeutet, nachts sicher zu sein. Umgeben von ihren Freundinnen bleibt sie noch lange wach, unterhält sich und lacht. Endlich hat sie einen Ort, an dem sie sich geschützt fühlt. „Ich war so glücklich, zusammen mit meinen Freundinnen zu sein. Hier ist es nachts sicher. Ich habe keine Angst. Ich bin beschützt.“
Wenn der Schulweg zur Gefahr wird
Für Evelyn war der Weg zur Schule lange mit Unsicherheit verbunden. Ihre weiterführende Schule liegt 16 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Der tägliche Weg ist lang, anstrengend und teilweise gefährlich. Er führt durch abgelegene Gegenden und vorbei an nahegelegenen Goldabbauplätzen. „Ich habe sogar darüber nachgedacht, die Schule abzubrechen. Mein Leben war in Gefahr.“
Um näher an der Schule zu sein, wohnte Evelyn zeitweise in einem kleinen Zimmer hinter örtlichen Geschäften. Doch auch dort fühlte sie sich unwohl. „Nachts war es nicht sicher. Lärm störte uns. Manchmal klopften Jungen und Männer nachts an unsere Türen.“
„Ich habe sogar darüber nachgedacht, die Schule abzubrechen. Mein Leben war in Gefahr.“
Für Mädchen in ländlichen Regionen Simbabwes können lange Schulwege und unsichere Wohnsituationen den Schulbesuch erschweren. Auch Armut, Teenagerschwangerschaften und frühe Heirat führen dazu, dass Mädchen ihre Schulbildung abbrechen. Evelyn hatte selbst erlebt, wie andere Mädchen die Schule aufgeben mussten. Sie befürchtete, dass auch sie ihre Ausbildung nicht würde fortsetzen können.
Ein sicherer Ort zum Lernen
Eine Lösung bietet das neue Mädchenwohnheim an ihrer weiterführenden Schule. Es ermöglicht Schülerinnen, die zuvor weite Wege zurücklegen mussten oder unter unsicheren Bedingungen lebten, in der Nähe der Schule zu wohnen.
Für Evelyn verändert sich damit ihr Alltag grundlegend. Sie muss sich nicht mehr darum sorgen, wo sie schlafen oder wie sie sicher nach Hause kommt. Stattdessen kann sie sich stärker auf ihre Schulbildung konzentrieren. Im Wohnheim hat sie Zugang zu sauberem Wasser, regelmäßigen Mahlzeiten und einem sicheren Schlafplatz. „Im Wohnheim mache ich mein Bett, wasche mich und esse vor der Schule. Ich habe viel Zeit zum Ausruhen. Jetzt kann ich mich auf meine Arbeit im Unterricht konzentrieren.“
Auch das Zusammenleben mit anderen Mädchen gibt Evelyn Halt. Sie lernen gemeinsam, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig. „Wir tauschen Geschichten aus und lernen voneinander fürs Leben.“
Mehr Zeit für die Schule
Das Wohnheim schafft für Evelyn auch bessere Bedingungen zum Lernen. Vor ihrem Einzug fehlten ihr Zeit und Ruhe, um sich ausreichend auf die Schule zu konzentrieren. „Ich dachte, ich würde die Schule nie beenden. Das Leben im Wohnheim hat meine schulische Laufbahn verändert, denn jetzt schaffe ich meine Klassenstufen.“
Auch Evelyns Eltern nehmen die Veränderung wahr. Sie wissen, dass ihre Tochter in der Nähe der Schule sicher untergebracht ist und sich auf ihren Unterricht konzentrieren kann. Sie besuchen Evelyn im Wohnheim und unterstützen sie auf ihrem Weg zum Schulabschluss.
„Ich dachte, ich würde die Schule nie beenden.“
Eine selbstbestimmte Zukunft
Das Wohnheim gibt Evelyn nicht nur einen sicheren Schlafplatz. Es schafft auch Raum für neue Pläne. Sie möchte ihre Schulbildung abschließen und später Softwareentwicklerin werden.
Dabei denkt sie auch an andere Mädchen in ihrer Gemeinde. Sie hat erlebt, wie Mädchen ihre Schulbildung abbrechen und früh heiraten. Für Evelyn ist deshalb klar: Mädchen brauchen die Möglichkeit, in der Schule zu bleiben, um ihre Zukunft selbst gestalten zu können.
„Es braucht sichere Orte, um Schwangerschaften bei Teenagern und frühe Ehen zu verhindern. Ich möchte Kinderheirat beenden, weil sie Mädchen einer besseren Zukunft beraubt.“ Evelyn ist überzeugt, dass Bildung Mädchen andere Möglichkeiten eröffnet. „Ich ermutige alle Mädchen, am Ball zu bleiben. Sie können im Leben erfolgreich sein. Der Verbleib in der Schule hilft Mädchen, zu lernen und unabhängig zu werden.“
Heute kann Evelyn ihre Zukunft konkreter planen. Sie weiß, wie ihr Leben ohne das Wohnheim hätte aussehen können: Die langen Wege und die Unsicherheit, die ihren Schulalltag früher bestimmten, hätten sie möglicherweise zum Abbruch gezwungen. „Ohne das Wohnheim hätte ich die Schule nicht abgeschlossen. Mädchen werden unabhängig, wenn sie die Schule beenden. Sie müssen nicht früh heiraten, sondern erst, wenn sie bereit dafür sind.“
Die Geschichte von Evelyn wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Simbabwe aufgeschrieben.
„Es braucht sichere Orte, um Schwangerschaften bei Teenagern und frühe Ehen zu verhindern.“
Über das Projekt
Das dreijährige Projekt „Nachhaltige Wege zur Beschäftigungsfähigkeit und verbesserter Zugang zu Bildung“ unterstützt Kinder und Jugendliche im Osten Simbabwes dabei, in der Schule zu bleiben und Perspektiven für ihre berufliche Zukunft zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Mädchen und jungen Frauen.
Das Projekt setzt unter anderem bei den Ursachen von Schulabbrüchen an. Neben Schulstipendien und einkommensschaffenden Maßnahmen werden berufliche, unternehmerische und digitale Kompetenzen vermittelt. Schulen erhalten Unterstützung, um eigene einkommensschaffende Aktivitäten aufzubauen und damit benachteiligte Schüler:innen zu fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz von Mädchen. Das unterstützte Mädchenwohnheim bietet Schülerinnen, die weit von der Schule entfernt wohnen oder unter unsicheren Bedingungen leben, eine Unterkunft in der Nähe der Schule. Dadurch können sie regelmäßiger am Unterricht teilnehmen und mehr Zeit zum Lernen finden. Gleichzeitig soll das Risiko von Schulabbrüchen, frühen Ehen und Teenagerschwangerschaften verringert werden.
Das Projekt arbeitet außerdem mit Schulen, staatlichen Stellen, kommunalen Strukturen, Jugendorganisationen und Partnern aus der Privatwirtschaft zusammen. Ziel ist es, jungen Menschen bessere Voraussetzungen für Bildung, berufliche Entwicklung und wirtschaftliche Selbstständigkeit zu schaffen.