Ein Weg aus der Drogenabhängigkeit
Hinweis: In dieser Geschichte geht es um Drogenabhängigkeit, psychische Krisen und Suizidversuche.
Espérance (27) begann 2018, Drogen zu konsumieren. Damals hatte sie ihre beste Freundin verloren, mit der sie zusammengelebt hatte. Als sie nach deren Tod die persönlichen Gegenstände ihrer Freundin zusammensuchte, um sie an deren Mutter zu schicken, fand sie eine Pfeife. So erfuhr sie, dass ihre Freundin Drogen konsumiert hatte. Eine gemeinsame Bekanntschaft zeigte Espérance, wie sie selbst damit anfangen konnte. „Ich sagte ihm, dass ich mir was spritzen und alles vergessen wollte“, erinnert sie sich.
Neben der Trauer belastete Espérance damals auch ihr geringes Selbstwertgefühl. Sie wollte abnehmen und glaubte, mit dem Drogenkonsum beides erreichen zu können: den Schmerz vergessen und Gewicht verlieren. Welche Folgen der Konsum für ihr Leben haben würde, war ihr damals nicht bewusst.
„Ich sagte ihm, dass ich mir was spritzen und alles vergessen wollte.“
Als der Konsum den Alltag bestimmte
Mit der Zeit nahm der Drogenkonsum immer mehr Raum in Espérances Leben ein. Sie wollte zunehmend nicht mehr nach Hause gehen. Espérance arbeitete bei Werbeaktionen für Banken und Finanzinstitute. Als sie durch den Drogenkonsum stark an Gewicht verlor und das vorgeschriebene Mindestgewicht unterschritt, erhielt sie keine weiteren Aufträge. Auch das Verhältnis zu ihrer Familie verschlechterte sich. Ihre Angehörigen versuchten zeitweise, sie zu Hause zu halten, damit sie nicht erneut Drogen konsumierte.
Espérance erinnert sich: „Ich hielt mich oft an Orten auf, an denen Drogen konsumiert wurden. Wenn meine Familie mich zu Hause festhielt, damit ich nicht wieder hinausging, schrie ich meine Mutter an. Manchmal erzählte sie mir später, was ich gesagt hatte. Dann stritt ich es ab und sagte, das sei nicht ich gewesen.“
Mit der Zeit erkannte Espérance, dass sie nicht mehr aus eigenem Entschluss konsumierte, sondern abhängig geworden war. Sie fragte sich immer wieder, wann das endlich ein Ende haben würde.
Ein langer Weg aus der Abhängigkeit
Auch José kennt die langfristigen Folgen einer Drogenabhängigkeit. Der heute 44-Jährige begann während seiner Schulzeit, Cannabis zu konsumieren. Später kamen Kokain und Heroin hinzu. Mehr als 26 Jahre lang bestimmte der Drogenkonsum sein Leben. Besonders viel Zeit verbrachte José in Zongo, einem Viertel in Cotonou, das er mit dem Drogenkonsum verbindet. Dort übernachtete er häufig und blieb manchmal tagelang oder wochenlang.
„Manchmal erfand ich Geschichten, um meine Eltern zu täuschen und von ihnen Geld zu bekommen, mit dem ich Drogen kaufen konnte“, erzählt er. Mehrfach versuchte José, sich behandeln zu lassen, zunächst in Benin und später auch in Europa. Doch auf Phasen, in denen er weniger oder keine Drogen konsumierte, folgten Rückfälle. Auch nach seiner Rückkehr nach Benin begann er erneut, Drogen zu konsumieren. „Mein Leben wurde von Drogen beherrscht. Es war, als würde ich in der Dunkelheit leben“, sagt José.
„Mein Leben wurde von Drogen beherrscht. Es war, als würde ich in der Dunkelheit leben.“
Ein Weg in die Behandlung
In Cotonou gibt es ein Zentrum, das Menschen mit Drogenproblemen medizinisch und psychosozial unterstützt. Es wurde mit Unterstützung von Plan International und der Regierung Benins aufgebaut. Die Behandlung ist kostenlos.
José erfuhr durch einen Freund von dem Angebot. Später ermöglichte ihm eine Arbeit als Motorradkurier, regelmäßig zu den Behandlungsterminen zu kommen. Etwa zur gleichen Zeit kamen José und Espérance einander näher. Beide wollten ihren Drogenkonsum verändern und unterstützten sich dabei, die Behandlung fortzusetzen.
Als Espérance im Zentrum ankam, fühlte sie sich willkommen. Sie hatte befürchtet, den Entzug allein zu Hause durchstehen zu müssen. Die Gespräche mit dem behandelnden Fachpersonal halfen ihr, Vertrauen in die Behandlung zu fassen. „Vom ersten Moment an, als ich im Zentrum ankam, fühlte ich mich dort wohl. Ich wurde herzlich aufgenommen. Es gab einen klaren Ablauf mit verschiedenen Schritten. Ich dachte, wenn man mir sagen würde, ich solle eine Woche lang allein zu Hause einen Entzug machen, würde ich nie wiederkommen. Zum Glück sprach das behandelnde Fachpersonal mit mir und entschied, mir Methadon zu verschreiben. Ich vertraute ihnen“, erzählt sie.
Espérance berichtet, dass sie nach der Einnahme von Methadon zum ersten Mal während ihres Aufenthalts einen klaren Kopf hatte und kein Verlangen verspürte, Drogen zu rauchen. Auch der respektvolle Umgang im Zentrum war ihr wichtig. Sie fühlte sich nicht verurteilt.
Rückschläge auf dem gemeinsamen Weg
Die regelmäßigen Besuche im Zentrum waren nicht immer einfach. Nach etwa zwei Wochen verschlechterte sich Espérances psychische Verfassung. Sie machte José Vorwürfe, weil sie den Eindruck hatte, dass er die Behandlung nicht mehr fortsetzen wollte. Schließlich sprachen die beiden zeitweise nicht mehr miteinander.
Espérance fühlte sich zunehmend überfordert. Sie fragte sich, wie sie gemeinsam eine Zukunft aufbauen sollten, wenn sie schon mit ihrer eigenen Situation so sehr zu kämpfen hatte. In dieser schwierigen Zeit ging es ihr psychisch so schlecht, dass sie nach eigenen Angaben mehrfach versuchte, sich das Leben zu nehmen.
José erkannte, wie schlecht es Espérance ging, und ermutigte sie, die Behandlung nicht aufzugeben. Gemeinsam beschlossen sie, zum Zentrum zurückzukehren. Bereits am nächsten Tag setzten sie die Behandlung fort.
Der Wunsch nach einer Familie
Einige Monate nachdem Espérance und José begonnen hatten, regelmäßig das Behandlungszentrum aufzusuchen, wuchs ihr Wunsch, ein gemeinsames Kind zu bekommen. Sie ließen sich ärztlich beraten. Kurz darauf erfuhr Espérance, dass sie schwanger war. Das Paar konnte sich zunächst nicht einmal einen Schwangerschaftstest leisten. Der behandelnde Arzt stellte ihnen einen zur Verfügung.
Während der Schwangerschaft setzte Espérance ihre Methadonbehandlung unter ärztlicher Aufsicht fort. Beide erhielten finanzielle und psychologische Unterstützung. Die Geburt ihrer Tochter war für Espérance und José ein bedeutender Moment in ihrem gemeinsamen Leben.
Erfahrungen weitergeben und Stigmatisierung abbauen
Heute arbeiten Espérance und José als Peer-Educators. Sie begleiten Menschen, die Drogen konsumieren, und unterstützen sie dabei, passende Behandlungsangebote zu finden. Außerdem setzen sie sich dafür ein, dass Betroffene auch in Gesundheitseinrichtungen respektvoll behandelt werden. Dabei helfen ihnen ihre eigenen Erfahrungen. Sie wissen, wie schwierig es sein kann, eine Behandlung zu beginnen, mit Rückschlägen umzugehen und Unterstützung anzunehmen.
Espérance beschreibt ihre soziale Wiedereingliederung als einen schrittweisen Prozess. Durch die Unterstützung des Behandlungszentrums geht es ihnen heute besser. Auch José blickt auf Veränderungen in seinem Leben zurück. Er hat wieder eine Arbeit und ein Familienleben, das nicht mehr vom Drogenkonsum bestimmt wird. Ein Weg aus der Abhängigkeit kann möglich sein, auch wenn er nicht geradlinig verläuft.
Die Geschichte von Espérance und José wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Benin aufgeschrieben.
Hilfe bei Suchtproblemen: Betroffene und Angehörige können sich in Deutschland an die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 wenden (täglich von 8 bis 24 Uhr).