Historischer Schritt für Mädchenrechte
Der kolumbianische Senat hat das Gesetz „Niñas sin Mutilación Genital Femenina“ („Mädchen ohne weibliche Genitalverstümmelung“) am 10. Juni 2026 beschlossen. Es verbietet die Praktik von FGM/C in dem südamerikanischen Land ausdrücklich. Zugleich verfolgt es einen nicht-strafenden Ansatz: Betroffene Familien und Gemeinschaften sollen nicht kriminalisiert, sondern in Maßnahmen zur Veränderung einbezogen werden.
„Dieser Beschluss ist ein historischer Meilenstein für den Schutz von Mädchen in Südamerika“, sagt Edell Otieno-Oktoh, Referentin für geschlechtsspezifische Gewalt bei Plan International. „Im Vergleich zu Afrika, wo wir von einer erheblich höheren Prävalenz sprechen, sind die Zahlen in Kolumbien zwar geringer, doch jede einzelne Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung.“
„Jede einzelne Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung.“
Warum das Gesetz in Kolumbien wichtig ist
Weibliche Genitalverstümmelung verletzt die Rechte von Mädchen auf Gesundheit, körperliche Unversehrtheit und Schutz vor Gewalt. Weltweit haben mehr als 230 Millionen Mädchen und Frauen eine Form von FGM/C erlebt.
In Kolumbien wurde FGM/C vor allem in Teilen einiger indigener Gemeinschaften dokumentiert. Viele von ihnen haben sich bereits in gemeinsamen Reflexions- und Veränderungsprozessen von der Praxis entfernt. Dennoch: Zwischen Januar 2024 und März 2026 wurden in Kolumbien insgesamt 98 Fälle von weiblicher Genitalverstümmelung erfasst. 56 Prozent der Betroffenen waren fünf Jahre alt oder jünger. Da nur aus einem Teil der kolumbianischer Regionen Fälle gemeldet wurden, könnte die tatsächliche Zahl höher liegen.
Was beinhaltet das Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung?
Mit dem Gesetz reagiert Kolumbien auf ein konkretes Schutzproblem. Es wurde unter Mitwirkung von Menschenrechtsorganisationen sowie Vertreter:innen indigener Gemeinschaften vorbereitet. Vorgesehen ist eine dauerhafte öffentliche Politik zur Prävention und Versorgung. Außerdem soll das Gesundheitssystem bei der Erfassung und Nachverfolgung von Fällen gestärkt werden. Geplant ist auch ein Versorgungsprotokoll für betroffene Mädchen und Frauen. Hinzu kommen Aufklärungskampagnen, die Geschlechtergerechtigkeit, Menschenrechte und interkulturelle Perspektiven verbinden.
Auch Plan International unterstützte den Gesetzgebungsprozess mit Fachwissen sowie dem Austausch mit politischen Entscheidungsträger:innen. Dazu gehören Foren sowie Hintergrundgespräche mit Senator:innen und Beratungsgremien, um für das Thema zu sensibilisieren und fachliche Impulse zur Abschaffung dieser schädlichen Praxis zu geben.
Warum Kolumbiens Schritt über das Land hinaus Bedeutung hat
Mit dem Beschluss setzt Kolumbien auch international ein Signal. In öffentlichen Debatten wird FGM/C noch immer oft als Problem anderer Weltregionen behandelt. Das neue Gesetz macht deutlich, dass weibliche Genitalverstümmelung auch in Lateinamerika vorkommt.
„Die Weltgemeinschaft sollte anerkennen, dass FGM/C kein rein afrikanisches Phänomen ist“, sagt Edell Otieno-Okoth. „Mit der Gesetzesinitiative von Menschenrechtsorganisationen gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften zeigt Kolumbien, dass Aufklärung, Gesundheitsförderung und die Stärkung der Frauenrechte in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Gemeinschaften machbar ist. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Ansatz langfristig wirkt.“