Kinder in bewaffneten Konflikten besser schützen
Der Schutz von Kindern muss stärker in den Mittelpunkt der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik rücken. Angesichts der Rekordzahl schwerer Kinderrechtsverletzungen in Konfliktgebieten haben Plan International, Save the Children und UNICEF Deutschland einen „Fünf-Punkte-Check“ entwickelt. Er zeigt, wie politische Entscheidungsträger:innen Kinder in bewaffneten Konflikten besser schützen können.
Schutzbunker statt Klassenzimmer, Minenfelder statt Spielplätze, Überlebenskampf statt Zukunftsträume: Weltweit wächst heute jedes fünfte Kind in einem Konfliktgebiet auf. Für Millionen von Mädchen und Jungen ist ihre Kindheit geprägt von Gewalt, Angst und ständiger Unsicherheit.
Dramatischer Höchststand: Allein 2025 wurden 38.558 schwere Kinderrechtsverletzungen dokumentiert.
Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Zahl der Kinder, die Opfer schwerer Kinderrechtsverletzungen geworden sind, im Jahr 2025 einen neuen dramatischen Höchststand erreicht. Es wurden 38.558 schwere Kinderrechtsverletzungen dokumentiert, darunter Tötung und Verstümmelung, Rekrutierung und sexualisierte Gewalt an Kindern. Das ist die höchste Zahl seit der Einrichtung des UN-Mandats zu Kindern und bewaffnete Konflikte. Ein Drittel der Opfer waren Mädchen. Sie sind besonders häufig von sexueller Gewalt betroffen – einem Verbrechen, das zugleich eine besonders hohe Dunkelziffer aufweist.
Um diesem Missstand zu begegnen, haben sich drei führende internationale Kinderrechtsorganisationen zusammengeschlossen und den „Fünf-Punkte-Check“ entwickelt. Er richtet sich an Bundestagsabgeordnete und zuständige Ministerien und enthält konkrete Empfehlungen, wie Kinderrechte systematisch in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verankert werden können. Ziel ist es, politische Entscheidungen konsequent an menschen- und völkerrechtlichen Verpflichtungen zum Schutz von Kindern auszurichten – und damit die Grundlage für eine friedlichere Zukunft zu stärken.
Die alarmierenden Entwicklungen zeigen deutlich: Der Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten ist bislang nicht ausreichend in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verankert. Um das zu ändern, braucht es entschlossenes politisches Handeln. Der Fünf-Punkte-Check benennt konkrete Handlungsbedarfe und formuliert Empfehlungen in fünf zentralen Bereichen:
1. Kinder in den Fokus politischer Verantwortung rücken
Die Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten muss deutlich stärker in der deutschen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik berücksichtigt werden. Politische Erklärungen zum Schutz von Kindern müssen konsequent eingehalten werden.
2. Schwere Kinderrechtsverletzungen wirksam verhindern
Schwere Kinderrechtsverletzungen müssen durch gezielte Präventionsmaßnahmen und besseren Schutz verhindert werden. Gleichzeitig braucht es verlässliche politische und finanzielle Unterstützung, um solche Verletzungen systematisch zu dokumentieren.
3. Humanitären Zugang für Kinder sicherstellen
Humanitäre Hilfe muss Kinder in Konfliktgebieten ohne Einschränkungen erreichen. Dabei gilt es, die besonderen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen stärker zu berücksichtigen und den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und psychosozialer Unterstützung langfristig zu sichern.
4. Straflosigkeit beenden
Schwere Kinderrechtsverletzungen dürfen nicht folgenlos bleiben. Sie müssen konsequent dokumentiert, untersucht und strafrechtlich verfolgt werden, um echte Rechenschaftspflicht herzustellen.
5. Kinderrechte konsequent in allen Politikfeldern verankern
Kinderrechte müssen in sämtlichen relevanten Strategien der deutschen Politik verbindlich verankert werden. Politische und militärische Unterstützung für Konfliktparteien sollte klar an die Einhaltung des Schutzes von Kindern geknüpft sein.
Jede schwere Kinderrechtsverletzung ist eine zu viel. Hinter jeder Zahl steht ein Kind, dessen Rechte verletzt, dessen Entwicklung beeinträchtigt und dessen Zukunft gefährdet wird. Der Schutz von Kindern, allen voran Mädchen, in bewaffneten Konflikten muss deshalb zu einer zentralen Priorität der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik werden. Politische Entscheidungsträger:innen sind gefordert, alle ihnen zur Verfügung stehenden politischen, diplomatischen, finanziellen und rechtlichen Instrumente konsequent zu nutzen, um Kinder wirksam vor den Folgen bewaffneter Konflikte zu schützen.